Fünf Monate, neun Partys, 48 Proben – Wiesbaden zieht Bilanz zu seinem Drug-Checking-Projekt. Getestet wurde nur Gras, nicht Koks oder MDMA. Trotzdem zeigt sich: Der Bedarf ist da, das Geld eher nicht.
Wiesbaden hat sein Pilotprojekt zum Cannabis-Checking in Clubs und auf Konzerten ausgewertet. Hessens Hauptstadt zieht dabei eine positive Bilanz. Was in der Theorie nach Verwaltungsdeutsch klingt, war in der Praxis ein Stand mit Analysegerät zwischen Hip-Hop-Party, Dub-Reggae-Abend und Punkrock-Konzert, an dem Feiernde ihr mitgebrachtes Gras oder Hasch checken lassen konnten, bevor sie es rauchten.
Das Ergebnis der Wiesbadener Proben: oft ziemlich potentes Gras. Außerdem waren die Proben häufig zu feucht. Ein Problem für Konsumierende, denn: Schlecht getrocknetes Eigenanbau-Weed kann Schimmelsporen enthalten, die beim Rauchen in der Lunge landen. Genau solche Infos, sagt Projektleiterin Teresa Müller von der Stadt, waren der eigentliche Wert der Aktion: 520 Gespräche am Stand, viele davon mit Leuten, die sonst nie mit klassischer Suchthilfe in Berührung kommen.
Cannabis öffnet (noch) keine Türen
Die Suchthilfe hat das Projekt mit dem Frankfurter Beratungsprojekt Safe Party People umgesetzt. Getestet habe man das Gras ausschließlich auf THC-Gehalt und auf Feuchtigkeit, nicht auf Streckmittel im klassischen Sinn, wie man es von Ecstasy- oder Kokain-Checks kennt. Der Grund: Cannabis ist seit der Teillegalisierung 2024 kein Drug-Checking-Grenzfall mehr. Bei härteren Substanzen wie Speed, Ketamin oder eben Koks bleibt Hessen aber weiterhin das Bundesland der geschlossenen Tür – anders als Berlin, NRW oder Mecklenburg-Vorpommern, die längst eigene Landesverordnungen haben.
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Wie es in Wiesbaden weitergeht, entscheidet jetzt die frisch gewählte "Maracuja"-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Volt. Der Kostenpunkt für eine Fortsetzung beläuft sich auf rund 50.000 Euro im Jahr. Parallel diskutiert die Stadt einen Drogenkonsumraum, ein Drogenmobil und Streetwork-Stunden. Außerdem wolle man zukünftig auch Abwasseranalysen durchführen, um zu sehen, was in Wiesbaden tatsächlich konsumiert wird.
Zielgruppe breit, Akzeptanz hoch
Die Stadt selbst empfiehlt in ihrer Auswertung, das bisherige Infostand-Angebot als festen Bestandteil weiterzuführen. Er soll gezielt auf "cannabisaffinen Events" für Aufklärung sorgen. Außerdem fordert man die Ausweitung des Drug-Checkings auf illegale Substanzen. Schließlich sei "die Zielgruppe breit", die "Akzeptanz bei Gästen wie Clubs hoch".
Cannabis ist in Deutschland seit April 2024 in Teilen legal, Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm besitzen und bis zu drei Pflanzen selbst anbauen. Der kontrollierte Verkauf über Fachgeschäfte oder gar Apotheken, wie ihn Wiesbaden selbst mal testen wollte, blieb dagegen Stückwerk. Ein entsprechendes Modellprojekt wurde von der Bundesregierung gestoppt. Wer legal an Gras kommen will, ist deshalb weiterhin meist auf Eigenanbau oder Anbauvereinigungen angewiesen.