Ein Gehäuse wie aus der Spielhalle und Samples von TR-808 bis LinnDrum, alles über Band und Röhre gejagt. Ein brasilianischer Typ baut mit der Recodrum-S eine Drum-Maschine, die aussieht wie Nostalgie und klingt wie fünfzig Jahre Musikgeschichte in einer Handvoll Knöpfe.
Es gibt Drum-Machines, die man kauft, weil man einen Beat braucht. Und es gibt solche, von denen man träumt, weil sie aussehen, als hätte 1987 jemand einen Spielhallenautomaten geklaut. Die Recodrum-S gehört eindeutig zu Letzteren. Der brasilianische Instrumentenbauer Arthur Joly hat damit gerade den Nachfolger seiner analogen Recodrum von 2021 vorgestellt – und dabei das Konzept ziemlich radikal gedreht.
Statt eigener Analogschaltung pro Sound setzt die S auf Sample-Playback. Acht Kanäle, jeder mit eigenem Klangspeicher, bestückt mit einer kuratierten Sammlung aus Jolys privater Vintage-Sammlung. Und die dürfte auch Menschen ohne Hang zur mittelklassewagenteuren Studioausstattung bekannt vorkommen: Roland TR-707, TR-808, TR-909, LinnDrum, Oberheim DX. Dazu: Simmons, E-mu SP-12 und brasilianische Mini Pops – alles über Bandmaschine aufgenommen und mit Röhrengeräten gemastert, damit die Sounds trotz völlig unterschiedlicher Herkunft "wie aus einem Guss" klingen, so Joly.
Die Recodrum-S bündelt also die Werkzeuge, mit denen die elektronische Musik der letzten 50 Jahre gebaut wurde. Und zwar in einem Gehäuse mit deutlichem Achtziger-Arcade-Einschlag. Rote Knöpfe und aufgedruckte Soundnamen statt Menüs zum Durchklicken hat man vielleicht schon gesehen. Für einen analogen Federhall auf der Rückseite, den man direkt mit der Hand anfassen und verbiegen kann, dürfte man aber eine Weile suchen.

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Alles andere als außergewöhnlich ist der Sequencer. Arthur Joly hat der Recodrum-S bekannte acht Spuren, 16 Steps und 16 speicherbare Patterns spendiert. Dazu: MIDI und analoge Clock. Ab 20. September 2026 soll das Gerät von São Paulo in die Welt wandern. Wegen der handverschraubten Stückzahl von einigen wenigen Geräten pro Monat kostet das auch ein bisschen was. Rund 1.700 Euro dürften nicht nur im einschlägigen Gearspace-Forum für Faszination und Preisschock sorgen.
Dafür bekommt man allerdings ein Quasi-Einzelstück. Arthur Joly baut seit 15 Jahren jeden Synthesizer in seiner Werkstatt in São Paulo. Zu seinen Abnehmern zählen neben Synth-Nerds wie Hainbach auch Hollywoodkomponisten wie Hans Zimmer. Wer die Bandbreite seiner Kollektion noch nicht kennt, kann sich auf der Homepage von Arthur Joly einstimmen.
