Pünktlich zum 909-Day wird es auch dieses Jahr wieder Zeit, einen Blick auf die legendärsten 909-Tracks zu werfen, die in vergangenen Jahrzehnten ganze Genres geformt haben. Als die TR-909 von Roland 1983 auf den Markt kam, wurde die Musikproduktion noch vorwiegend von samplebasierten Drumcomputern wie der LinnDrum oder dem Oberheim DMX dominiert. Mit dem Erscheinen des neuen 909-Modells wurde die Fertigung der TR-808, die heute ebenfalls für zahlreiche Welthits verantwortlich ist, schließlich eingestellt, woraufhin die TR-909 nur für einen kurzen Zeitraum von etwa einem Jahr gebaut wurde. In dieser Zeit wurden lediglich rund 10.000 Exemplare hergestellt.
Auf dem heutigen Gebrauchtmarkt werden aufgrund dieser geringen Stückzahl für gut erhaltene Originale mittlerweile leider astronomisch hohe Preise verlangt. Erfreulicherweise haben sich über die Jahre aber zahlreiche Nachbauten und Klone im Markt etabliert, mit denen sich der legendäre Sound der TR-909 auch ohne das Bankkonto in Schockstarre zu versetzen ins eigene Studio holen lässt.
Ihren zeitlosen Ruhm verdankt die TR-909 letztlich den unzähligen Produktionen, durch welche die moderne Musiklandschaft bis heute maßgeblich mitgestaltet wurde. Doch erst der kreative Einsatz unter teils skurrilen Umständen machte ihren Sound zum weltweiten Phänomen. Passend zum 909-Day haben wir euch daher hier einmal fünf der wohl wichtigsten Tracks, die den legendären Status der Roland-Hardware überhaupt erst ermöglicht haben, zusammengestellt.
Madonna - Vogue (1990)
Wie der 909-House-Beat seinen Einzug in den weltweiten Pop-Olymp feierte, lässt sich am besten am Beispiel von Madonnas "Vogue” beobachten. Ursprünglich war die Nummer nämlich gar nicht als eigenständige Single vorgesehen, sondern sollte vielmehr als kostengünstige B-Seite für die Single "Keep It Together” dienen. Für die Produktion zog sich Shep Pettibone in die Soundworks Studios in New York zurück, wo das Stück mit einem sehr überschaubaren Budget von rund 5.000 US-Dollar aufgenommen wurde. Als das fertige Master dann beim Label Warner Bros. vorgelegt wurde, erkannten die Verantwortlichen sofort das immense Hit-Potential und entschieden sich für eine Veröffentlichung als eigene Single.
Für das rhythmische Fundament wurde ein auf den Punkt gebrachter 4-to-the-Floor-Beat mit markanten Snare-Rolls auf der TR-909 programmiert. Durch diesen gezielten Einsatz der Roland-Hardware wurde der gesamten Musikindustrie gezeigt, dass der spartanische Club-Sound auch in einem weltweiten Nummer-1-Pop-Hit funktioniert. Dieser Einsatz der 909 prägte in der Folgezeit daher maßgeblich den Sound der Pop-Chartspitze der frühen 90er-Jahre.

Daft Punk - Revolution 909 (1997)
Wie wichtig die TR-909 für Produzenten war (und bis heute ist), zeigt Daft Punk mit ihrem Titel "Revolution 909” aus dem Jahr 1997, welcher namentlich sogar der Drum-Machine gewidmet wurde. Neben der Hommage gab es aber auch eine klare Message, denn die Geräuschkulisse zu Beginn des Stücks, bei der eine von der Polizei aufgelöste Party mitsamt dem Ausruf "Stop the music and go home!” zu hören ist, war keineswegs ein plumper Soundeffekt. Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo übten damit kritischen Spott an der französischen Regierung und der Polizei, die Mitte der 90er mit extrem harten Repressalien sowie Razzien gegen die aufkeimende Rave-Szene im Land vorging.
Auch produktionstechnisch lieferte die Nummer einige interessante Besonderheiten, da das gesamte Album "Homework” in Bangalters bescheidenemD Bedroom-Studio in Paris produziert wurde. Bei den Aufnahmen wurde die TR-909 direkt in einen extrem günstigen Alesis 3630 Kompressor geschleust, der auch heute noch scherzhaft Daft-Punk-Kompressor genannt wird. Durch dieses Zusammenspiel entstand das charakteristische, sehr aggressive Pumping des Kompressors über die 909-Kick, welches schlussendlich zum prägenden Markenzeichen des gesamten French-House-Genres erhoben wurde.
Jeff Mills - The Bells (1996)
Wenn über die wichtigsten Momente der TR-909 gesprochen wird, darf ein Name schlichtweg nicht fehlen: Jeff Mills. Denn gerade für Audio- und Synth-Enthusiasten gilt Jeff Mills als das absolute Synonym für diese Drum-Machine. Mit seinem Stück "The Bells”, welches er bereits 1994 produzierte, aber erst 2 Jahre später offiziell veröffentlichte, erschuf Jeff Mills den ultimativen Techno-Kult-Track.
Die eigentliche Faszination hinter dem Track liegt in seiner extremen Spontanität, da die komplette Nummer von Mills in seinem Homestudio in Chicago in weniger als zehn Minuten aufgenommen wurde. Keine nachträglichen Overdubs, keine komplexen Spuren-Arrangements, nur eine absolut puristische Liveaufnahme direkt auf Band.
Darude - Sandstorm (1999)
"Song Name? – Darude Sandstorm!” So oder so ähnlich sehen unzählige Kommentarsektionen heutiger Musikpostings aus, sobald nach einer unbekannten Track ID gefragt wird. Was Ende der 90er-Jahre als unaufhaltsame Trance-Hymne begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Internet-Memes der Welt und einem echten Popkultur-Phänomen entwickelt.
Auch wenn "Sandstorm” im Studio letztlich über Sampler und Cubase produziert wurde, bildet der Sound der TR-909, welcher über ReBirth via Samples umgesetzt wurde, das unverwechselbare Rhythmusgerüst des Tracks. Die weltberühmte Melodie hatte Darude übrigens zunächst etwa eineinhalb Jahre vor offiziellem Release mit FastTracker II entworfen. Als er 1999 dann gemeinsam mit Produzent Jaakko Salovaara (JS-16) im Studio saß, kramte er die alte MIDI-Spur wieder hervor, schickte sie in Rolands JP-8080 Synth und erschuf so den ikonischen Lead-Sound, der noch bis heute über die Festivalgelände hallt.
Aphex Twin - Heliosphan (1992)
Dass die TR-909 nicht nur als unerbittlicher Taktgeber im harten Detroit-Techno und House funktioniert, zeigte Richard D. James alias Aphex Twin mit seinem Stück "Heliosphan”. Während die Drum-Machine in den Clubs meist eher für konsistente und harte Grooves genutzt wurde, bewies dieser Track, dass die 909-Rhythmik in Kombination mit verträumten, melancholischen Flächen auch eine hypnotische und fast meditative Wirkung entfalten kann.
Das Setup im Studio war dabei extrem puristisch gehalten, denn neben der TR-909 kamen im Wesentlichen nur ein Roland SH-101 für den Bass und ein Yamaha DX100 für die FM-Synth-Lines zum Einsatz, mit denen der gesamte Track ohne Mischpult direkt auf Tape aufgenommen wurde. Die natürliche Kompression, der leichte Höhenverlust sowie das sanfte Bandrauschen nahmen den scharfen 909-Hats die sterile Kälte und verliehen ihnen die passende organische Wärme, die den Track so besonders macht.
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Foto: Brandon Danielderivative work: Clusternote, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons
