Nachdem die Kurth-Immobiliengruppe die Verhandlungen für das RAW-Gelände abgebrochen hat, soll das Cassiopeia noch diese Woche räumen. Am Mittwoch wird auf dem Kudamm protestiert.
Am Mittwoch, dem 24. Juni, rufen Musiker:innen, Kulturinitiativen und politische Vertreter:innen zur Kundgebung vor dem Büro der Kurth-Immobiliengruppe am Kurfürstendamm auf. Ab 14 Uhr soll dort mit einem Konzert-Programm ein deutliches Zeichen gegen die drohende Zerstörung des RAW-Geländes als Berliner Kulturstandort gesetzt werden. Das klare Motto: "RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben."
Den unmittelbaren Anlass liefert das abrupte Ende der Verhandlungen zwischen der Kurth-Gruppe und dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Dabei hatten Senat und Bezirk Mitte Mai noch einen konkreten Kompromiss auf den Tisch gelegt: ein 30-jähriger Generalmietvertrag für die soziokulturellen Einrichtungen auf dem Gelände, ein Investitionszuschuss des Landes sowie die Aussicht auf eine vorgezogene Baugenehmigung für Wohnungsbau — genau das, was die Kurth-Gruppe selbst als Bedingung für eine Weiterführung des Verfahrens formuliert hatte. Eine inhaltliche Rückmeldung blieb aus. Stattdessen: Räumungsaufforderungen.
Der Club Cassiopeia soll das Gelände noch bis Ende Juni verlassen. Crack Bellmer, Weißer Hase und Lokschuppen könnten folgen. Dahinter steckt ein seit über einem Jahrzehnt schwelender Konflikt. Die Kurth-Gruppe, ein Göttinger Familienunternehmen, das den Westteil des RAW-Areals 2015 für rund 20 Millionen Euro erwarb, hatte den Kulturprojekten jahrelang besonders günstige Konditionen gewährt. Ein inoffizieller Hebel, um vom Bezirksamt Genehmigungen für Hochhaus- und Wohnbauprojekte zu erwirken. Das Bezirksamt bremste. Jetzt werden die Clubs als Druckmittel eingesetzt.
Mit Deutschrap gegen den Identitätsklau
Für das Programm der Kundgebung haben sich mehrere Berliner Künstler:innen angekündigt. Chefket, 6euroneunzig, Pabst, Amewu und Oi!ronie treten am Kudamm auf. Politische Redebeiträge kommen von der Berliner Linkspartei-Vorsitzenden Kerstin Wolter und dem grünen Wahlkreiskandidaten für Friedrichshain, Enad Altaweel. Auch Jens Schwan, Pressesprecher des RAW-Geländes und Mitorganisator des Zug der Liebe, wird sprechen. Schließlich sei das RAW weit mehr als ein Veranstaltungsort. Verschwindet es, verliere Berlin ein Stück seiner Identität, so Schwan.

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Parallel mobilisiert die Initiative Rave against the Zaun unter dem radikaleren Motto "Kurth-Gruppe enteignen – RAW gehört Berlin". Mitorganisator Arian Wendel sagt dazu in einer Aussendung: "Wenn die Räume für die eigene Kultur genommen werden, muss die Kultur eben dahin gebracht werden, wo die Eigentümer sitzen — zum Kudamm."
Der Konflikt um die Kurth-Gruppe am RAW-Gelände steht für ein Berliner Muster, das sich zuletzt auch bei der Wilden Renate, beim ://about blank und beim Humboldthain zeigte. Investorinnen tolerieren Subkultur als Zwischennutzung, solange sie als Verhandlungsmasse funktioniert. Bezirk und Senat wollen das RAW-Verfahren trotz des Scheiterns nicht begraben. Eine Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses ist geplant.
Die Kundgebung "RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben" findet am Mittwoch, 24. Juni, ab 14 Uhr am Kurfürstendamm 199 statt.
Fotos: 3eni - Eigenes Werk & 3eni - Eigenes Werk, beide CC0
