Das Crack Bellmer dürfte wie mehrere Clubs auf dem RAW-Gelände bald Geschichte sein
Foto: 3eni - Eigenes Werk, CC0

Das Crack Bellmer dürfte wie mehrere Clubs auf dem RAW-Gelände bald Geschichte sein

News. 16. Juni 2026 | 3,7 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Der Konflikt um das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain eskaliert. Die Eigentümerin, die Immobilienfirma Kurth-Gruppe, hat das seit 2019 laufende Bebauungsplanverfahren "RAW West" für gescheitert erklärt und einzelne Betreiber zur Räumung aufgefordert. Und das, obwohl Senat und Bezirk Mitte Mai noch einen Rahmenvertragsentwurf vorgelegt hatten.

Mit Cassiopeia, Crack Bellmer, Weißer Hase und Lokschuppen stehen damit einige der bekanntesten Clubs der Stadt vor der Schließung. Bereits im Februar hatte die Kurth-Gruppe diesen Clubs Nutzungsuntersagungen ausgesprochen und Brandschutzbedenken als Begründung angeführt. Dahinter steckt aber ein seit über einem Jahrzehnt schwelender Konflikt. Die Eigentümerin hatte den Kulturprojekten auf dem Areal jahrelang besonders günstige Konditionen gewährt. Ein inoffizieller Hebel, um beim Bezirksamt Baugenehmigungen für Hochhaus- und Wohnprojekte durchzusetzen. Doch das Bezirksamt bremste. Jetzt werden die Clubs als Druckmittel eingesetzt.

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Eine geschobene Partie

Das Angebot, das Senat und Bezirk Mitte Mai vorgelegt hatten, umfasste einen 30-jährigen Generalmietvertrag für das sogenannte "Soziokulturelle L", ein Investitionszuschuss des Landes Berlin sowie ein bereits beauftragtes Schallgutachten. Zudem stellte das Land eine vorgezogene Baugenehmigung für Wohnungsbau in Aussicht. Genau das, was die Kurth-Gruppe im Januar als Bedingung für eine Weiterführung des Verfahrens formuliert hatte. Eine inhaltliche Antwort auf den Vertragsentwurf blieb laut Bezirksamt aus. Stattdessen kamen die Räumungsaufforderungen.

Bezirk und Senat wollen das Verfahren dennoch nicht begraben. Eine Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses soll einberufen werden, bei der sich sowohl der Senat als auch die Kurth-Gruppe erklären müssen. Die BVV-Fraktionen von Grünen, Linken und SPD kündigten an, den Bebauungsplan notfalls auch unter veränderten Bedingungen weiterzuführen.

Der Konflikt um das RAW-Gelände offenbart ein Muster, das sich in der Vergangenheit auch beim Club Wilde Renate gezeigt hat: Investor:innen dulden Subkultur als temporäre Zwischennutzung, solange sie als Verhandlungsmasse taugt. Gleichzeitig stehen das ://about blank und das Humboldthain unter ähnlichem Druck von Investor:innen.

Hinter der Kurth-Gruppe steckt ein Göttinger Familienunternehmen, das seit den Siebzigerjahren in Berlin aktiv ist, in der Hauptstadt aber lange wenig Aufmerksamkeit auf sich zog. Den Westteil des RAW-Geländes kaufte das Unternehmen 2015 für rund 20 Millionen Euro.

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