Die LiveMusikKommission mischt sich in den RAW-Konflikt ein. Ein bundesweiter Appell fordert Kulturraumschutzgebiete gegen den "Bauturbo", während Clubs wie dem Cassiopeia weiter die Räumung droht.
Der Konflikt um das RAW-Gelände bekommt bundespolitisches Gewicht. Die LiveMusikKommission e.V. (Livekomm), Dachverband der deutschen Livemusik-Spielstätten, hat sich mit einem öffentlichen Appell an die Verantwortlichen von Bund, Land und Bezirk gewandt. Der Tenor: Wer das RAW verkommen lässt, verspielt mehr als nur Gebäude.
In ihrem Statement, veröffentlicht über die Kampagne "Berlin ist RAW" sowie den eigenen Instagram-Kanal, betont die Livekomm, dass mit dem Areal gewachsene kulturelle Ökosysteme verknüpft seien. Verschwindet das Gelände, verschwinden auch Strukturen, die sich nicht einfach woanders neu aufbauen lassen. Der Wert urbaner Räume bemesse sich für eine Stadt wie Berlin nicht primär über Verwertungslogik, sondern über Subkultur, Vielfalt und kulturelle Öffentlichkeit.
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Damit positioniert sich die LiveKomm auch gegen den sogenannten Bauturbo, jenes Bündel beschleunigter Genehmigungsverfahren, das laut Verband den Druck auf bestehende Kulturorte weiter erhöht und Entwicklungsinteressen auf Kosten gewachsener Nutzungen durchsetzbarer macht. Die Forderung an den Bund: Baugesetz-Reformen und neue Schutzinstrumente wie sogenannte Kulturraumschutzgebiete, die Bestandserhalt und gemeinwohlorientierte Lösungen Vorrang vor Abriss verschaffen sollen.
RAW sind viele
Der Livekomm-Appell reiht sich ein in eine mittlerweile lange Liste von Solidaritätsbekundungen unter dem Dach von "Berlin ist RAW". Neben der Livekomm haben unter anderem der Verband der Münchner Kulturveranstaltenden, die Berliner Clubcommission, die Bands Donots und Beatsteaks sowie zahlreiche Kollektive, DJs und Institutionen der Club- und Livemusikszene Statements beigesteuert. Der Grundton ist bei aller Verschiedenheit ähnlich. Das RAW sei kein beliebiger Zwischennutzungsstandort, sondern eines der letzten Areale, an dem unabhängige Kultur, queere Communities und selbstorganisierte Projekte nebeneinander bestehen können.
Zuletzt ist die Grundstück-Eigentümerin, die Immobilienfirma Kurth-Gruppe, einseitig aus dem laufenden B-Planverfahren ausgestiegen, was die RAW Kultur L eG scharf kritisiert und als Bruch mit dem Versprechen des "kooperativen Städtebaus" bezeichnet hat. Konkret steht der Club Cassiopeia vor einer kurzfristigen Räumung. Das könnte auch Sport-, Kinder- und Jugendangebote auf dem Gelände wirtschaftlich gefährden, da sie über Quersubventionierung von den Clubs mitgetragen werden.
Foto: Jennifer Davies, CC BY 2.0
