Aus für Vinyl-Versand? Neues EU-Gesetz belastet kleine Labels
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Aus für Vinyl-Versand? Neues EU-Gesetz belastet kleine Labels

News. 14. August 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Die EU hat eine neue Verpackungsverordnung eingeführt. Für Indie-Labels bedeutet sie teure Bürokratie pro Zielland. Erste Vinyl-Shops haben bereits den Mailorder-Versand eingestellt.

Seit dem 12. August 2026 gilt EU-weit eine neue Verpackungsverordnung (PPWR). Das Ziel ist weniger Verpackungsmüll und mehr Recycling. Die praktische Folge für Independent-Labels, Bands und Mailorders ist allerdings hart – etliche stellen bereits den EU-weiten Versand ein.

Der Kern des Problems liegt in der sogenannten erweiterten Herstellerverantwortung (EPR). Wer Waren in einem anderen Mitgliedstaat verkauft, gilt dort als "Inverkehrbringer der Verpackung". Konkret heißt das: Ein Label aus Wien, das eine Handvoll Platten nach Frankreich schickt, braucht dafür potenziell eine Registrierung, ein nationales Meldesystem und einen Bevollmächtigten in Frankreich. Verkauft es zusätzlich nach Deutschland, Italien oder Finnland, kommt jedes Land einzeln dazu. Eine zentrale EU-Registrierung gibt es nicht.

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Viel Geld, wenig Vinyl

Was das kostet, zeigt eine 2026 veröffentlichte Preisliste des EPR-Dienstleisters Eldris. Je nach Land liegen die Jahresgebühren zwischen rund 360 Euro (Deutschland) und 1.485 Euro (Slowenien). Erste Händler:innen ziehen deshalb bereits Konsequenzen: Die deutschen Shops Pikecraft und Valkyrie Parts schränken ihre belieferten Länder ausdrücklich wegen PPWR ein, das US-Unternehmen Betta Botanicals hat den EU-Versand komplett gestrichen.

Eine Ausnahmeregelung für Kleinstunternehmen (unter zehn Mitarbeiter:innen, unter zwei Millionen Euro Umsatz) existiert zwar, befreit aber nicht automatisch von den länderspezifischen Pflichten. Denn: In der Praxis rutschen Kleinstunternehmen meist nur in die Vertreiberrolle, die Bevollmächtigten-Pflicht im Zielland bleibt oft trotzdem im Raum. Wie genau Einzelversender und Privatverkäuferinnen – etwa auf Discogs – betroffen sind, ist unter Jurist:innen und in Foren umstritten.

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Noch Ende 2025 hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, die Pflicht zum EPR-Bevollmächtigten für EU-Unternehmen bis 2035 auszusetzen. Der Rat stellte die Verhandlungen dazu im Juni 2026 jedoch ein, nachdem eine Mehrheit der Mitgliedstaaten Vorbehalte angemeldet hatte. Die Wirtschaftskammer Österreich hatte im Juni ebenfalls eine Aussetzung gefordert und sprach von einem "Regulierungs-, Kontroll- und Bürokratiemonster". 

Bis zu einer möglichen Reform bleibt die Rechtslage allerdings bestehen. Der grenzüberschreitende Versand für viele kleine Labels dürfte damit zunehmend unwirtschaftlich werden. Der Chefredakteur von Eventim Austria , Stefan Baumgartner, formulierte es so: "Für einen Großkonzern ist ein weiterer Compliance-Vertrag vielleicht lästig, kostet ein Mitarbeiter mehr. Für eine Band, die, wenn es hoch herkommt, 300 Shirts und ebenso viele Platten im Jahr verkauft, ist das schlicht wirtschaftlich unsinnig."

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