2026 zieht die Fuckparade wieder durch Berlin und demonstriert mit Techno gegen Mietsteigerungen, Kommerzialisierung und rechtlichen Druck auf die Free-Party-Szene.
Nach einem Jahr Zwangspause meldet sich die Fuckparade zurück auf Berlins Straßen. Unter dem Motto "(un)Fuck the Planet" startet die Demo kommenden Samstag, dem 13. August um 14 Uhr, beim Bunker in der Reinhardtstraße in Mitte – jenem Ort, an dem 1997 nach der Schließung des legendären Technoclubs alles begann. Von dort führt die Route über Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain bis zum Leipziger Platz, vorbei an zahlreichen ehemaligen Clubstandorten. Acht Soundsysteme sollen von House bis Gabber für musikalische Bandbreite sorgen. Die Veranstalter:innen rechnen mit 3.000 bis 5.000 Teilnehmer:innen.
2025 war die Demo ausgefallen. Die zeitgleich geplante Tanzdemonstration "Wem gehört die Stadt?" des Kollektiv Kirsch verfolgte ähnliche Ziele, Ausweichtermine waren wegen anderer Festivals nicht zu finden. Statt zweier konkurrierender Demos zum selben Thema rief die Fuckparade damals zur Teilnahme an der Tanzdemo auf.

Politischer als der Planet
In diesem Jahr geht es wieder um die altbekannten, aber drängender werdenden Themen: steigende Mieten und Energiekosten, fortschreitende Kommerzialisierung des öffentlichen Raums, wachsender rechtlicher Druck auf die Free-Party-Szene und strenge Lärmschutzauflagen. Die Fuckparade versteht sich seit ihrer Gründung als Gegenentwurf zur Loveparade, aus deren kommerzieller Ausrichtung und dem Ausschluss härterer Technostile sie einst entstand. 2007 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht ihren Status als genehmigungspflichtige Demonstration nach dem Versammlungsgesetz.
Auch zum diesjährigen Berliner CSD positioniert sich die Fuckparade explizit. In einer Pressemitteilung erinnern die Organisator:innen daran, dass der CSD aus den Stonewall-Protesten gegen Polizeirazzien in Schwulenclubs hervorgegangen sei und sich nicht auf Feiern reduzieren lasse. Man selbst trete ebenso gegen Verdrängung, Razzien, steigende Mieten und Gentrifizierung ein. Beide Demonstrationen seien politisch und stünden für Diversität. Das Feiern komme danach, auf den After-Partys.
Die Fuckparade blickt auf eine fast drei Jahrzehnte lange Geschichte voller Gerichtsverfahren, Auflagen und Straßenschlachten um die eigene Sichtbarkeit zurück – von Musikverboten über Radiobeschlagnahmungen bis zum viralen Techno-Viking-Video, das 2000 am Rande der Parade entstand. Dass sie sich in diesem Jahr wieder durch die Stadt bewegt, ist auch ein Statement zur aktuellen Lage der Berliner Clubkultur: Erst kürzlich hatte die Clubcommission in einer Studie gezeigt, dass 39 Prozent der Berliner Clubs Verluste machen.
Foto: Oschikhof - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0 // Nicor - Eigenes Werk, CC BY 2.5
