"Neighbourhoods for All": Vienna Club Commission startet App für sicheres Nachtleben
Foto: Vienna Club Commission

"Neighbourhoods for All": Vienna Club Commission startet App für sicheres Nachtleben

News. 17. April 2026 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Ein neues Pilotprojekt in Wien verbindet digitale Sofort-Alarmierung mit gemeinschaftsbasierter Sicherheitsarbeit und setzt damit globale UN-Forschung erstmals auf Stadtebene um.

Die Vienna Club Commission (VCC) startet gemeinsam mit der Nighttime Foundation und dem Technologieanbieter SafeNow das Projekt "Neighbourhoods for All". Kernstück des Vorhabens ist der Einsatz der kostenlosen SafeNow-App, mit der Gäste und Mitarbeitende in Clubs und Bars per Knopfdruck diskret das lokale Sicherheits- oder Awareness-Team alarmieren können.

Sechs Monate, ein Gürtelabschnitt

Der Pilot läuft von Juni bis November 2026 und konzentriert sich auf den Gürtlabschnitt zwischen den U6-Stationen Alser Straße und Thaliastraße – einem der dichtesten Nightlife-Korridore der Stadt. Innerhalb sogenannter SafeNow-Zonen in teilnehmenden Locations sowie im umliegenden öffentlichen Raum sorgt die App für schnelle Hilfe bei Übergriffen, Diskriminierung oder medizinischen Notfällen. Außerhalb dieser Zonen lässt sich die Gruppenfunktion als privates Alarmsystem mit Freunden oder Kolleginnen nutzen, etwa auf dem Heim- oder Hinweg.

SafeNow-Zonen soll es zu Beginn in vielen Clubs entlang des Wiener Gürtels geben | Foto: ©Claudio Farkasch

Die App ist nicht neu: Über eine Million Menschen nutzen SafeNow bereits, darunter Fans im Allianz Stadion Wien, Besuchende des Münchner Oktoberfests und Gäste des Stonewall Inn in New York. Personenbezogene Daten werden GDPR-konform verarbeitet.

Parallel zur App-Einführung startet die VCC eine offene Umfrage zum Sicherheitsgefühl – für Ausgehende, Beschäftigte in Locations und Anrainerinnen. Die Ergebnisse fließen direkt in ein Vor-Ort-Audit durch Expertinnen für urbane Sicherheit ein. Ergänzend finden von Mai bis Juli Schulungen für Club-Personal statt. Die Termine decken "Deeskalation", "Harm Reduction" und "rechtliche Grundlagen" ab, aufbauend auf der von der VCC initiierten Workshopreihe "Safer Feiern".

Club Commission: Weniger Polizei, mehr Gemeinschaft

"Neighbourhoods for All" will sich als Alternative zu rein polizeilicher Intervention positionieren. "Gemeinschaftliches Bewusstsein, geteilte Verantwortung und Peer-to-Peer-Unterstützungsstrukturen" sollen dazu beitragen, Konflikte schrittweise zu reduzieren. "Sichere Nachbarschaften entstehen durch Co-Produktion, Wissensaustausch und lokale Verantwortung", heißt es in den Projektunterlagen. Ein Grundsatz, der direkt aus den UN Guidelines on Safer Cities abgeleitet ist.

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Auch im altehrwürdigen Chelsea soll es künftig sicherer werden (Foto: Claudio Farkasch) | Foto: ©Claudio Farkasch

Den wissenschaftlichen Unterbau für das Pilotprojekt liefert eine 2024 veröffentlichte Studie, die Stadtvertreterinnen und Zivilgesellschaft zu urbaner Sicherheit, Schutz von Frauen und Nachtleben-Governance zusammenbrachte. Den Abschluss bildete das World Urban Forum in Kairo. Wien ist nun weltweit die erste Stadt, die diese Erkenntnisse in einem konkreten Stadtteils-Piloten umsetzt. Das Projektmanagement liegt bei der Nightlife-Forschungsberatung VibeLab.

Wer sich bei "Neighbourhoods for All" beteiligen möchte: Die Umfrage ist ab sofort online, die SafeNow-App kostenlos verfügbar. Für Venue-Betreiberinnen, Awareness-Teams und Veranstalterinnen organisiert die VCC Ende April eigene Fokusgruppen-Treffen.

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