Mit einer ungewöhnlichen Protestaktion haben am Samstag rund 350 Menschen in Schwerin auf den Mangel an Jugendkultur in der Landeshauptstadt aufmerksam gemacht. Eine umfunktionierte Straßenbahn fuhr als "TechnoTram" durch die Stadt. Der Ursprung der Bewegung: ein virales Video mit über 180.000 Klicks.
Die Idee kam von Sebastian Hüller, Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis Schwerin. Ursprünglich sollte die Aktion nach Vorbildern aus Berlin, Freiburg oder Augsburg als öffentliche Mitfahrt-Tram stattfinden, bei der jede und jeder einfach einsteigen kann. Doch versicherungs- und haftungsrechtliche Fragen machten diesen Plan kurzfristig zunichte. Statt die Aktion abzusagen, wurde sie umgedacht. Die Bahn fuhr als rollender Werbeträger durch die Stadt.
Dass das Interesse an der Aktion enorm ist, zeigte sich bereits im Vorfeld. Das Ankündigungsvideo auf Social Media erzielte laut Hüller rund 180.000 Klicks. Vor Ort versammelten sich rund 350 Menschen. Begleitet von Musik kam es zu mehreren Redebeiträgen. Die Forderungen der Organisatoren: mehr Respekt für Jugendkultur, mehr Orte für kreative Projekte und mehr Vertrauen in junge Veranstaltende.
Laut Hüller waren rund 80 Prozent der Helfer:innen keine Parteimitglieder der Grünen. Sie seien über soziale Medien und Freundeskreise zusammengekommen. Schließlich treffe die Aktion einen wunden Punkt, denn: Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist das sogenannte Clubsterben ein Thema.
Viele Veranstaltungsorte für alternative und elektronische Musikkultur haben in den letzten Jahren geschlossen oder kämpfen ums Überleben. Für junge Menschen, die nicht in Großstädte wie Hamburg oder Berlin ziehen wollen oder können, fehlen damit die Anlaufstellen für Clubkultur. Hüller sieht darin allerdings auch eine Chance. Mecklenburg-Vorpommern habe Platz, auch "abgefuckte Räume", wie er es nennt. Genau das könne ein Potenzial sein, wenn man bereit ist, es kreativ zu nutzen.
Für Hüller soll die "TechnoTram" deshalb kein einmaliges Ereignis bleiben. Im Sommer soll die Aktion als echte öffentliche Mitfahrt-Tram wiederholt werden, dann möglicherweise auch in Rostock.