Nach 18 Monaten Tour und Jahren ziehen sich Maribou State zurück. Warum das Duo jetzt aussteigt – und wer aus der Szene ähnliche Schritte schon gegangen ist.
Maribou State haben ihre letzte Show für unbestimmte Zeit angekündigt. Beim Londoner Festival LIDO wolle das britische Musikduo noch einmal mit Orchester auftreten. Danach sollen keine weiteren Shows mehr stattfinden.
Für alle, die das britische Duo bislang nur als eine von vielen warmen Nu-Jazz-meets-Downtempo-Nummern im Festivalprogramm abgespeichert haben: Chris Davids und Liam Ivory bauen seit über einem Jahrzehnt folkdurchtränkte Electronica, die nie ganz Dancefloor und nie ganz Kopfhörermusik sein will. Genau dieser Zwischenraum hat sie groß gemacht, zuletzt mit dem Album "Hallucinating Love".
Der Rückzug kommt für viele Fans überraschend. Schließlich haben Maribou State bereits 2024 pausiert, nachdem bei Davids ein seltenes Hirnleiden diagnostiziert worden war. Ivory wiederum beschreibt offen, wie ihn nach der Tour 2019 direkt vor dem Corona-Lockdown eine Angststörung erwischte, verstärkt durch Erschöpfung und fehlende Perspektive. Das neue Album, sagt er, sei aus genau diesem Loch heraus entstanden. Nach 18 Monaten Tour wollen beide vorerst nicht mehr auf einer Bühne stehen.
Maribou State reihen mit dem Rückzug sich in eine wachsende Liste von Artists ein, die dem Dauerbetrieb der elektronischen Musikindustrie öffentlich den Rücken kehren. Prominentestes Beispiel aus der deutschen Technoszene: Monika Kruse, die 2022 wegen Panikattacken und Depressionen sämtliche Gigs absagte und erst 2025 vorsichtig zurückkehrte. Auch bei ihr waren Erschöpfung und psychische Krankheit der Grund für das vorübergehende Aus.
Maribou State gelten seit ihrer ersten EP 2011 als einer der verlässlichsten Namen im britischen Downtempo-Kosmos. Mit Remixe für Fatboy Slim und Lana Del Rey sind sie einem größeren Publikum bekannt geworden. Seit Jahren ist das Duo fest bei Ninja Tunes Sublabel Counter Records verankert.
