Ein Delay, das lieber Räume baut als Wiederholungen abzuspulen? United Plugins schickt mit Continuum ein Dual-Engine-Effektgerät ins Rennen, das Tape-Sättigung, Bucket-Brigade-Dreck und Bitcrusher-Lo-Fi in einer Maschine bündelt.
Das Entwicklernetzwerk United Plugins hat mit Continuum ein Delay veröffentlicht, das nicht nur Delay sein will. Der Slogan dazu "Modern brain, vintage heart" klingt zwar nach Kalenderspruch, trifft aber, was das Plug-in ausmacht: zwei komplett unabhängige Delay-Engines, die sich einzeln zwischen drei nachgebauten Hardware-Charakteren umschalten lassen.
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"Tape" sättigt zum Beispiel warm und eiert leicht, wie ein Bandgerät, das schon viel gesehen hat. "BBD" simuliert den Takt-Drop klassischer Eimerkettenschaltung und wird dabei schön schmutzig. "Digital" crushed Bitrate und Samplerate ins Lo-Fi-Territorium. Ein Regler namens "Mojo" übertreibt jeweils die physikalischen Macken des gewählten Modells. Konkret heißt das: Mehr Dreck? Yes, please!
Hier liefert der Chef noch persönlich!
Der Schmäh an Continuum liegt aber im sogenannten Cross-Feed-Netzwerk. Die Engines füttern sich dabei gegenseitig. Allpassfilter verschmieren die harten Kanten der Wiederholungen zu einem Reverb-Schweif, der über zwölf Panning-Modi durch den Stereoraum wandert – inklusive 3D-Rotation und Haas-Trick, der Räume vortäuscht, die es gar nicht gibt. Dazu: ein "Feel"-Bereich, der Timing-Raster mit Shuffle, Groove und leicht verschobenen Wiederholungen in etwas verwandelt, das sich nach Handarbeit anfühlen soll.
United Plugins ist übrigens ein Vertriebslabel, unter dem spezialisierte Partnermarken ihre Tools verkaufen. Das Muster: Ein neues Plug-in erscheint, der Preis wird radikal gesenkt, ein Countdown läuft. Continuum kostet so in der Einführungsphase 15 statt regulär 79 Euro. Dahinter steckt natürlich Verkaufspsychologie, aber sie funktioniert, weil das Produkt – auch nach Producer-Meinungen im Gearspace-Forum – halten dürfte, was das Marketing verspricht.
Continuum läuft jedenfalls ab macOS/Windows als VST, VST3, AU und AAX. Aktuell lässt sich das Plug-in außerdem zwei Wochen gratis testen. Modern brain, eh klar.
