Günstige Cover statt echte Hits: Der "royalty-free"-Trend in Gyms tötet die Seele der Musik
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Günstige Cover statt echte Hits: Der "royalty-free"-Trend in Gyms tötet die Seele der Musik

News. 26. April 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

In Großbritannien sorgt eine der größten Fitnessstudioketten für Ärger. Allerdings nicht wegen schlechter Geräte oder überfüllter Umkleideräume, sondern wegen der Musikauswahl.

Die Kette Better mit rund 250 Freizeitzentren in England, Wales und Nordirland hat seit dem 1. März 2026 ihre Musiklizenz gestrichen. Statt Songs echter Künstler:innen laufen nun Coverversionen aus derApp Power Music. Das sei billiger, meint das Unternehmen. Trainer:innen und Mitglieder bezeichnen die Musik jedoch als "seelenlos".

Das Unternehmen argumentiert den Schritt mit hohen Lizenzkosten, die über die Inflationsrate von aktuell 3,3 Prozent steigen. Der Umstieg auf "royalty-free"-Musik soll rund eine Million Pfund (1,15 Millionen Euro) pro Jahr einsparen. Das Prinzip: Läuft ein Cover statt des Originals, erhält der:die Songwriter:in zwar Tantiemen für Text und Komposition. Die Interpret:innen bekommen allerdings keine "Aufführungsvergütung". Für die Studios bedeutet das: weniger Lizenzgebühren.

Aqua Aerobics ohne Afrobeat

Für die Menschen im Sportstudio bedeutet es jedoch etwas anderes. "Ich habe mein Leben damit verbracht, Musik zu finden, die mich inspiriert", sagt eine Trainerin zur britischen Tageszeitung The Guardian. "Wenn flache Musik läuft, ist auch der Kurs flach." Sie unterrichtet seit über 20 Jahren Kurse wie Body Conditioning und Aqua Aerobics und denkt nun erstmals daran, den Job aufzugeben. Die Änderung war ursprünglich für Januar 2026 geplant, wurde nach Protesten aber auf 1. März verschoben, um Trainer:innen etwas mehr Vorbereitungszeit zu geben.

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Auch Kursteilnehmer:innen machen ihrem Unmut Luft. Eine langjährige Besucherin eines Better-Studios in London beschreibt den Unterschied so: Ihre ukrainische Zumba-Trainerin habe früher neben lateinamerikanischen Tänzen auch Flamenco, Stepptanz, irischen Volkstanz und sogar ukrainische Polka eingebaut. Das sei nun kaum mehr möglich. "Es bedeutete ihr und uns viel, gemeinsam zu einem ukrainischen Volkslied zu tanzen", sagt sie. Für sie geht es um mehr als Sport: "Das ist das Nächste, was ich noch zum Clubbing-Gefühl habe. Und mit Power Music bekommt man dieses Gefühl einfach nicht."

Covers, aber keine KI!

Mehrere Petitionen aufChange.org richten sich gegen den Wechsel, die größte davon hat bereits knapp 4.700 Unterschriften gesammelt. Eine eigens eingerichtete Website – "Better Scrap the App" – koordiniert den Widerstand und fordert die Fitnesskette auf, die Musikauswahl rückgängig zu machen.

Die britische Verwertungsgesellschaft für Musikrechte, PPL UK, warnt derweil vor einem breiteren Trend: Verlassen Unternehmen das lizenzierte Musiksystem, flössen weniger Einnahmen zu den Musikschaffenden. Dabei seien die Lizenzbeiträge für Fitness- und Tanzkurse laut PPL seit 2018 nicht stärker gestiegen als die allgemeine Inflation.

Das Unternehmen hinter der Fitnesskette Better kündigt derweil an, das Musikangebot in der App auszuweiten. So soll es künftig Covers zu Songs aus Afrobeats, Bhangra und bald auch Soca geben. Außerdem betont Power Music, dass keine der Produktionen KI-generiert sei. 

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