Schranz boomt und Indonesien ist die neue Techno-Großmacht – sagt zumindest diese Studie
Die elektronische Musikindustrie ist 15,1 Milliarden Dollar wert und wächst schneller als je zuvor. Der IMS Business Report 2026 zeigt: Die Energie kommt nicht mehr nur aus Berlin oder Ibiza, sondern unter anderem aus Indonesien. Außerdem feiert Schranz ein Comeback.
Die globale elektronische Musikindustrie ist 2025 um sieben Prozent gewachsen und erreicht einen Rekordwert von 15,1 Milliarden Dollar (12,9 Milliarden Euro). Das zeigt der IMS Business Report 2026, präsentiert beim International Music Summit in Ibiza. Hinter den Wachstumszahlen steckt eine tiefgreifende Verschiebung: weg von westlichen Märkten, hin zum Globalen Süden.
Auch interessant

Indonesien schlägt Deutschland
Deutschland bleibt – gemessen an monatlichen Hörer:innen auf Spotify – der größte Einzelmarkt für elektronische Musik. Die eigentliche Energie kommt von woanders:Indonesien verzeichnete 2025 einen Zuwachs von 77 Prozent bei elektronischen Musik-Streams. In Brasilien, Indien und anderen bevölkerungsreichen Märkten des Globalen Südens wächst die Hörer:innenschaft mehr als doppelt so schnell wie in Westeuropa oder Nordamerika. Elektronische Musik ist laut Report in zwölf der dreizehn größten globalen Märkte unter den Top-3-Genres – die einzige Ausnahme ist Mexiko, wo Latin dominiert.
Wer zuletzt bei elektronischer Musik hingehört hat, wird es bemerkt haben: Es klingt rauer, schneller, unnachgiebiger. Der IMS-Report macht das in Zahlen greifbar. Der Anteil von Hardstyle-, Hardcore- und Hardtekk-Tracks, die 180 BPM überschreiten, ist drei Jahre in Folge gestiegen. Schranz – das kompromisslose, stampfende Sub-Genre des deutschen Techno – verzeichnete 2025 einen Upload-Anstieg von 83 Prozent auf SoundCloud. Musik werde tendenziell härter und schneller, wenn die Zeiten schwierig sind, heißt es in der Studie. Angesichts des aktuellen Weltzustands rechnen die Autor:innen damit, dass 2026 ähnlich klingt.
Auf der Produzenten-Plattform Splice kletterte Afro House von Platz 10 (2023) auf Platz 2 (2025). Parallel dazu verändert generative KI die Produktionslandschaft. Umsätze für KI- und Stem-Separation-Tools stiegen seit 2023 um 651 Prozent auf 333 Millionen Dollar (284 Millionen Euro), mit 63 Millionen monatlich aktiven Nutzer:innen. Klassische Musik-Software verliert dagegen deutlich Marktanteile. Der Bericht wertet das nicht als Bedrohung, sondern als Demokratisierung. KI öffnet Musikproduktion für Menschen, die vorher keinen Zugang hatten.
Auch interessant

Da Ibiza-Paradox, dort Geschlechtergefälle
Veränderungen für die elektronische Musik zeigen sich auch auf der Baleareninsel Ibiza. Die Preise steigen, die Termine werden weniger. Der Bericht nennt es das "Ibiza-Paradox". Die Ticketing-Erlöse auf der Insel erreichten 2025 mit 160 Millionen Euro einen neuen Rekord, obwohl die Venues gleichzeitig im Schnitt weniger Veranstaltungen als je zuvor ausrichten. Die Frage, die der Bericht implizit stellt: Wie lange können Venues diese Strategie fahren, bevor die Zielgruppe wegbleibt?
Kritisch sieht der Bericht auch den Frauenanteil in der elektronischen Musik. Die Zahl registrierter AlphaTheta-Nutzer:innen – also DJs, die Pioneer-Equipment verwenden – stieg 2025 zwar auf 15 Prozent. Allerdings sei ein Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr "keine Erfolgsgeschichte", sondern ein "Hinweis darauf, wie viel Arbeit noch bleibt", so die Autor:innen.
Dazu sei gesagt: Der IMS Business Report ist kein neutrales Dokument. Er wird von der Industrie finanziert, die entsprechend ein kommerzielles Interesse daran hat, die Branche gesund aussehen zu lassen. Die Zahlen stammen allerdings vom seriösen Marktforschungsinstitut MIDiA Research. Strukturelle Verschiebungen wie die Verschiebung der Wachstumsdynamik in den Globalen Süden oder die zunehmende Bedeutung von KI in der Produktion sind Trends, die sich in ihren Daten widerspiegeln.