Kaum eingezogen, schon zu klein: Rough Trade Berlin verlässt seinen Neuköllner Standort nach nur zweieinhalb Jahren und zieht ein paar Meter weiter – mit mehr Platz, eigener Bühne und einem Line-up zur Wiedereröffnung, das mehr nach Berghain als nach Post-Punk klingt.
Rough Trade Berlin zieht um. Seit dem 27. August 2026 hat der bisherige Plattenladen in der Karl-Marx-Straße geschlossen, ab dem 1. September öffnet der Nachfolger ein paar Meter weiter, an der Ecke Donaustraße/Ganghoferstraße, weiterhin im Gebäudekomplex Kalle Neukölln.
Zur Erinnerung: Der Berliner Ableger war Rough Trades erster Standort in Deutschland, eine direkte Folge der Handelsschikanen nach dem Brexit, die den Warenverkehr zwischen UK und EU für viele Independent-Läden zum Albtraum gemacht hatten. Die 270 Quadratmeter in der ehemaligen Kalle-Halle waren als Statement gedacht: Plattenladen, ja, aber auch Bühne, Anlaufstelle, sogenannter Szenetreffpunkt.
Offenbar hat das gut funktioniert. Der neue Standort bringt Laden und Lager erstmals unter ein Dach, bekommt eine große Glasfront und – zentral – eine fest eingebaute Bühne für mehr Livekonzerte. Europa-Chef Curt Keplin lässt durchklingen, dass sich der Laden zum echten Anziehungspunkt für Musikfans und Labels über Berlin hinaus entwickelt habe. Klingt nach kluger Kommunikation, ist aber schwer zu bestreiten in einer Stadt, in der alteingesessene Läden wie Dodo Beach East zuletzt dichtmachen mussten.
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Techno oder Punk? Hauptsache Rough!
Spannend wird der Umzug auch jenseits der britischen Post-Punk-DNA der Rough-Trade-Marke. Zur großen Wiedereröffnungsfeier am 8. Oktober 2026 treten neben Dina Summer auch Mark Reeder sowie das Berliner Dark-Disco-Duo Local Suicide auf. Schon die Eröffnungsparty 2024 lief eher elektronisch als gitarrenlastig. Der Hauptstadt-Ableger hat aber verstanden: Wer in Berlin als Plattenladen relevant bleiben will, kommt an Techno und Clubkultur nicht vorbei.
Übrigens: Rough Trade feiert parallel zum Berlin-Umzug sein halbes Jahrhundert als unabhängiger Plattenladen. Die Vergrößerung ist also auch ein Jubiläumsgeschenk an sich selbst. Mitfeiern darf man auch: mit limitierten Pressungen von Tame Impala, Radiohead oder The xx.
Foto: Von Melina Loggia - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,
