Der Juno-60 ist in der Synth-Welt fast schon so etwas wie der heilige Gral, wenn es um volle Synth-Pads und saftige Bässe geht. Blöd nur, dass man heutzutage für ein gut erhaltenes Original einen vierstelligen Betrag auf den Tisch legen muss. Behringer verspricht nun mit dem JN-80 genau dieses Problem behoben zu haben und packt sogar noch zwei Stimmen mehr ins Gehäuse als das Vorbild. Das klingt auf dem Papier nach dem perfekten Deal, wirft aber auch die Frage auf, wo bei dem Preis von 559 Euro der Haken ist. Wir haben uns den JN-80 daher einmal ins Studio geholt und geschaut, was der neue Behringer-Klon in der Praxis taugt.

Technische Details
- Konzept: achtstimmiger, polyphoner Analog-Synthesizer
- Tastatur: 49 halbgewichtete Tasten ohne Anschlagsdynamik, aber mit Aftertouch
- Oszillatoren (DCOs): 1 DCO pro Stimme mit gleichzeitig nutzbarer Sägezahn- und Rechteckwelle
- Sub-Oszillator & Noise: Zuschaltbarer Sub-Oszillator (eine Oktave tiefer, Rechteckwelle) sowie ein Rauschgenerator
- Filter-Sektion: analoges 24-dB-Tiefpassfilter mit Resonanz (selbstoszillierend) mit Hüllkurven-Modulation und Keytracking und ein Hochpassfilter zur Bassdämpfung
- VCA & Modulation: Analoges VCA, 1 ADSR-Hüllkurve (fest zugewiesen für VCA/VCF), 1 LFO mit einstellbarer Wellenform, Frequenz und Delay-Time
- Effekte & Extras: Analoger BBD-Stereo-Chorus in drei Variationen, integrierter Arpeggiator & Spielmodi für Poly, Duophonic und Unisono
- Preset-Speicher: 400 User-Speicherplätze mit LCD-Display, Encoder und "Compare & Match”-Funktion zum Abgleich der Regler
- Anschlüsse: Stereo-Ausgang (2x 6,35 mm Klinke), Kopfhörerausgang, MIDI In/Out/Thru (5-pol DIN) & USB MIDI, Eingänge für Expression- & Sustain-Pedal und einer externen Sync-Clock
Für wen lohnt sich der Behringer JN-80?
Um das Wichtigste direkt vorab zu beantworten: Behringer hat den Rotstift genau dort angesetzt, wo es den meisten vermutlich am wenigsten wehtut, nämlich bei der Mechanik, nicht beim Klang. Der JN-80 liefert also soundtechnisch das, was man von einem Juno-60-Klon erwartet: breite Pads, druckvolle Bässe und den legendären Stereo-Chorus. Wer den Synth vorwiegend wegen des analogen Klangcharakters kauft und ihn im Setup ohnehin über ein externes Masterkeyboard oder die DAW ansteuert, bekommt hier jede Menge Juno fürs Geld.
Der Haken zeigt sich erst, wenn man das Gerät als eigenständigen Synthesizer betrachtet. Die verbaute Klaviatur inklusive aller Regler und Taster wirkt spürbar günstig und lässt im Eifer des Gefechts die nötige Präzision vermissen. Zusätzlich verlangsamen die zwar sinnvollen Neuerungen leider spürbar den Workflow, da sie sich nicht flüssig in den bekannten "1-Button-per-Function"-Aufbau des Originals einfügen.
Trotzdem ist der Kompromiss nachvollziehbar: Lieber ein erschwinglicher Synthesizer mit hervorragendem Sound und mäßigen Tasten als ein perfekt verarbeitetes Gerät, das klanglich einfach nicht abliefert.

Wie viel Juno-Sound steckt im JN-80?
Ob ein Klon als Synthesizer überzeugt, steht und fällt in erster Linie damit, wie gut er den Klang seines Vorbilds in der Praxis einfängt. Und der analoge Pfad des JN-80 rund um die DCOs, das 24-dB-Tiefpassfilter (basierend auf dem originalen 3109-Chip) und den charakteristischen BBD Stereo-Chorus trifft hier den Vibe des Originals wirklich gut auf den Punkt. Im Direktvergleich zum Juno-60 gibt es hier und da zwar marginale Abweichungen, bei denen der Klon einen Hauch harscher wirken kann, aber die typischen breiten Juno-Pads oder knackigen 80s-Bässe klingen genau so, wie man es sich wünscht.
Maßgeblich für den Juno-Sound verantwortlich ist hier natürlich der Stereo-Chorus, welcher ebenfalls klanglich sehr nah am Vorbild gehalten ist. Ein nettes Detail für die Juno-Liebhaber ist dabei die Umsetzung des berüchtigten "dritten Modus”. Beim Original brauchte es noch etwas Fingerakrobatik, um beide Chorus-Taster gleichzeitig zu aktivieren. Beim JN-80 lassen sich jetzt beide Modi unabhängig voneinander einschalten, sodass auch problemlos beide Modi gleichzeitig für den "dritten Modus” aktiviert werden können.
Auch die zwei zusätzlichen Stimmen im Vergleich zum 6-stimmigen Vorbild machen sich positiv bemerkbar. Mit den nun insgesamt 8 Stimmen kommt es viel seltener zum Voice-Stealing bei langen Ausklingzeiten von komplexen Akkorden. Bei sehr schnellen Arpeggios mit hoher Release-Zeit stößt die Stimmarchitektur aber immer noch gelegentlich an ihre Grenzen.
Richtig spannend wird es bei der Modulationsfähigkeit in der Klangerzeugung, denn der Synth verarbeitet Anschlagsdynamik und monophones Aftertouch für den VCA und das VCF. Auch wenn die verbaute Hardware-Tastatur im Test bei der Anschlagsdynamik nicht mitspielen wollte, verarbeitet der JN-80 entsprechende Steuerbefehle über externes MIDI problemlos. Wird der Synthesizer also über ein Velocity-sensitives und Aftertouch-fähiges Masterkeyboard oder die DAW angesteuert, kann das eine Expressivität aus dem Synth kitzeln, die beim historischen Vorbild schlichtweg nicht möglich war.
Haptik, Tastatur und Verarbeitung
So sehr der Synth auch klanglich überzeugt, folgt bei der genaueren Betrachtung der Verarbeitung des Geräts leider direkt die Ernüchterung. Was die reine Haptik betrifft, hinterlässt der JN-80 einen zwiespältigen Eindruck mit deutlichen Schwächen. Optisch macht die metallene Frontplatte zwar einen grundlegend soliden Eindruck, bei der aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit billig wirkenden Seitenverkleidung in Holzoptik deuten sich aber bereits die ersten Probleme in der Verarbeitung an.
Die größte Schwäche ist hier wohl die verbaute Tastatur. Das Einspielen auf den laut Datenblatt 49 halbgewichteten Tasten fühlt sich schlichtweg schwammig an und vermittelt kein wertiges Spielgefühl. Insgesamt fühlt sich die Klaviatur dadurch viel mehr wie eine günstige Synth-Action-Tastatur an.
Obwohl die Tastatur laut Datenblatt über Anschlagsdynamik verfügt, verweigerte diese bei unserem Testgerät ihren Dienst komplett, sodass sich die Anschlagsdynamik wirklich nur über externes MIDI zur Steuerung von VCA und VCF nutzen ließ. Was hingegen funktionierte, war das monophone Aftertouch der Tastatur. Aber auch wenn sich hier das Ansprechverhalten über das Menü anpassen lässt, wirkte auch das Aftertouch stellenweise ebenfalls etwas unpräzise.
Wenn auch die Tastatur damit deutliche Schwächen zeigt, kam es bei unserem Test zumindest zu keinem Zeitpunkt zum Verschlucken von Tasten oder Ähnlichem, wie manche andere Nutzer berichten.
Auch die restlichen Bedienungselemente wirken in ihrer Verarbeitung leider eher mäßig. Der Mod-Bender fühlt sich ebenfalls recht billig an, blieb im Praxistest aber zumindest nicht hängen, wie es zum Teil andere Nutzer berichten. Die teilweise etwas schiefen Fader besitzen einen etwas zu leichten Widerstand und vermitteln dadurch auch nicht gerade ein wertiges Gefühl, sie erledigen ihre Aufgabe beim Einstellen der Parameter aber ohne technische Probleme. Ähnliches gilt hier auch für die Taster. Sie fühlen sich etwas wackelig an, besitzen aber einen klaren Klickpunkt und erfüllen somit durchaus ihren Zweck.

Wer beim Layout Sorgen vor zu engen Reglerabständen hat, kann beruhigt sein. Trotz der spürbar kompakteren Bauform des JN-80 im Vergleich zum wuchtigen Original sind alle Regler und Taster originalgetreu angeordnet und gut erreichbar. Bis auf die leicht angepasste Menüführung und nun teils horizontal statt vertikal angeordneten Tastern, finden sich Juno-Nutzer hier also direkt zurecht.
Workflow & Bedienung - Was ist neu?
Beim Thema Workflow orientiert sich der JN-80 mit seinem nahezu identischen Aufbau ebenfalls sehr stark am Original, hat aber ein paar moderne Zusatzfeatures verpasst bekommen. Das Original lebte dabei stark von seiner "One-Button-per-Function”-Philosophie, die hier im Grundsatz aufgrund der neu hinzugekommenen Funktionen per Shift-Belegung leider nicht mehr voll zum Ausdruck kommt.
Gut beobachten lässt sich das beispielsweise beim integrierten Arpeggiator. Besaß das Vorbild noch zwei direkte Kippschalter für Mode und Range, werden diese Parameter beim JN-80 nun über das LCD-Display ausgewählt. Dafür stehen nun aber auch erweiterte Parameter, wie Subdivision, Note Length, Swing und verschiedene Sync-Optionen zur Verfügung. Auch der LFO profitiert hier von den erweiterten Funktionen und bietet nun unterschiedliche Wellenformen sowie passende Sync-Optionen zum Arpeggiator. Der LFO-Trigger-Button des Originals für performative Effekte ist hier erfreulicherweise ebenfalls zu finden.
Auch die mögliche Sound-Palette wurde hier erweitert, indem dem Synth neben dem klassischen Poly-Mode auch ein per Taster aktivierbarer Unisono- und Duo-Modus verpasst wurde. Beim Juno-60 musste man für den Unisono noch den gesamten Synthesizer neu starten und in einen speziellen Test-Modus versetzen. Beim JN-80 lässt sich das nun einfach per Taster umschalten, was eine willkommene Neuerung ist.
Ebenfalls neu sind das polyphone Portamento sowie die vollständige MIDI-Einbindung über DIN-Anschlüsse und USB. Sämtliche Parameter des Synths lassen sich dadurch über NRPN- und CC-Befehle fernsteuern. Über vier Recall-Taster lassen sich außerdem die Lieblings-Presets jederzeit blitzschnell wieder aufrufen.

Das versprochene "Compare & Match”-Feature entpuppt sich in der Praxis allerdings leider nur als reines "Compare”-Werkzeug. Zwar lässt sich mit dieser Funktion zwischen der Ur-Form eines Presets und den aktuellen Regler-Änderungen hin- und herschalten, eine visuelle Rückmeldung zur echten Fader-Position oder Ähnliches gibt es aber nicht. Man muss hier also immer noch so lange an den Fadern schrauben, bis der Sound wie das geladene Preset klingt. Das macht es zwar in der Theorie möglich, sämtliche Presets inklusive Reglerstellungen wieder aufzurufen, fühlt sich in der Praxis aber dennoch eher altbacken als nach einer wirklichen Modernisierung an.
Unterm Strich zeigt sich bei der Bedienung, dass die behutsamen Modernisierungen dem Klassiker-Konzept gut zu Gesicht stehen, nur in der Umsetzung etwas zu wünschen übrig lassen. Features wie die erweiterten LFO- und Arpeggiator-Funktionen und die MIDI-Implementation machen den Ur-Juno durchaus bereit für moderne Produktionsumgebungen. Wer mit den typischen Behringer-Kompromissen bei der Hardware-Verarbeitung leben kann und den Synthesizer primär als reines Soundmodul ansteuert, bekommt hier klanglich eine recht gelungene Neuinterpretation des legendären Juno-Sounds im analogen Gewand.
Alternativen
Fazit
Pro
Guter Sound der nah an das Vorbild des Juno-60 herankommt
8-stimmige Polyphonie sorgt für weniger Voice-Stealing
Vollständige MIDI-Fernsteuerung via CC und NRPN
Neue Funktionen erweitern den Synth im Vergleich zum Vorbild
Kontra
Die Verarbeitungsqualität lässt zu wünschen übrig
Die Klaviatur des Testgeräts hat nicht auf Anschlagsdynamik reagiert
Modernisierungen könnten besser in den Workflow integriert sein
Preis:
559 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.
