Roland n/vision – Das musst du über den neuen Boutique-Wavetable-Synth wissen
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Roland n/vision – Das musst du über den neuen Boutique-Wavetable-Synth wissen

Tests. 20. Oktober 2026 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

Neues von Roland! Der Wavetable Synthesizer n/vision verspricht tiefgreifendes Sounddesign mit multitimbralem Aufbau und zahlreichen Modulationsmöglichkeiten. Ein integrierter Lautsprecher, Batteriebetrieb und die geringe Größe machen n/vision ideal zum Mitnehmen. Hinzu kommen eine ordentliche Portion Effekte sowie ein Sequenzer mit Motion Recording. Die Details gibt’s hier im Test.  

Quick Facts

  • Digitaler Wavetable Synthesizer für lebhafte Klänge  
  • Integrierter Lautsprecher und Strom via vier AA-Batterien oder USB-C
  • Zwei Timbres mit je zwei Wavetable Oszillatoren
  • 17 onboard Effekte, Arpeggiator und 64 Step Sequencer mit Motion Recording
  • Hands-on-Workflow mit erweiterten Sounddesign-Funktionen per Menü 
Roland n/vision
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Verarbeitung, Lieferumfang und Anschlüsse

N/vision wiegt ca 900 g und hat mit den Maßen 300 × 128 × 54 mm dasselbe Format wie der Rest aus Rolands Boutique-Reihe. Eingesetzt im K-25 Docking Keyboard kommen wir auf 1,7 kg und 300 × 209 × 54 mm, also absolut Road-taugliche Maße. Das schlichte weiß sieht edel und modern aus und die Frontplatte aus Metall bildet mit den Metallflanken des KM-25 einen schönen Rahmen – Ansonsten setzt Roland auf viel Plastik. Die Verarbeitung ist unterm Strich stabil mit wertigem Feeling bei Knobs und Fadern.

Bei den Anschlüssen gibt es Phones, Main Out und Mix In im 3,5 mm Klinkenformat, MIDI-IN und -OUT nach fünfpoliger DIN sowie den USB-C Anschluss samt Powerswitch für Strom, MIDI und Software-Updates. Auf der Oberfläche des n/vision finden wir noch einen Clock-Eingang als Sync-Alternative. Der Lieferumfang besteht aus vier Batterien, Quickstart Guide und Safety Instructions, das absolut notwendige Manual findet ihr online. Letzteres ist nämlich unabdingbar, um die kryptischen Abkürzungen im kleinen Display zu verstehen.   

Oszillator Struktur

Für die zwei Oszillatoren stehen jeweils die gleichen 63 Wavetables zur Verfügung, welche sich gemäß Position Slider und Waveshaping-Poti morphen lassen. Die Tables decken an sich viele nützliche Wellen von Sinus über Dreieck bis zu Sägezahn und Pulse ab, müssen für noisige Obertöne aber auf Waveshaping zurückgreifen. Hier gibt es ein extra Menü für erweiterte Shape Modulation sowie Settings für PWM-mäßige Phasenverschiebungen. 

Das Mischverhältnis ist via Slider justierbar und für die Automatisierung von Position, Waveshaping und Mix sind bipolare Knobs mit den Modulationsquellen Envelope und LFO vorhanden. Position kann via Extraregler auch zufällig variieren, was sich zB für organische Percussions eignet. Mit dem Spread-Poti können wir den Sound des n/vision herrlich breit werden lassen, müssen dafür aber auf ein paar Polyphonie-Stimmen verzichten.  

Kritik

Für Pitch-Modulation des Rolnad n/vision steht leider nur der LFO zur Verfügung und abgesehen von den Octave-Range-Schaltern haben wir keinen Zugriff auf die Tonhöhe der Oszis. Je nach Wavetable Settings können zwar harmonische Intervalle zwischen den Oszillatoren entstehen, das ist aber ziemlich schwer kontrollierbar. 

Der größte Nachteil ist, dass obige Modulationsmöglichkeiten grundsätzlich auf beide Oszillatoren zugreifen: Verschiedene Positionen oder Waveshapings pro Oszillator sind also nicht möglich. Der Sound punktet zwar mit viel Bewegung, endet jedoch leicht im Einheitsbrei – 63 Wavetables hin oder her. 

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Filter und Drive

Rolands n/vision ist mit einem Multimode Filter ausgestattet, das jeweils 12 und 24 dB Versionen für Lowpass, Bandpass und Highpass bietet. Hier ist zu beachten, dass die 24er Slopes genau wie die Spread-Funktion mit reduzierter Polyphonie einhergehen und das Switchen des Filtertyps bei laufender Performance hörbare Aussetzer hervorruft. Von der Resonanz bin ich auch nur so semi überzeugt, weil mir der Bassverlust zu krass ist. 

Für Modulationszwecke können wir wieder Envelope und LFO bemühen, wobei die LFO-Polarität via Menü eingestellt werden muss, hier hätte ich ein bipolares Poti deutlich lieber als den Fader. Die drei Drive-Stufen sind dafür überraschend funktional, trotz der rudimentären Kippschalter-Steuerung. Es gibt auch noch drei Vintage LP Settings, wobei Roland hier keine Angaben zu den Vorbildern macht.   

Cool finde ich, dass Roland einen extra HPF implementiert haben, mit dem wir alle Sounds ausdünnen können – gerade für Live-Performances nützlich. Bipolares Key Tracking ist auch praktisch, kommt beim K-25 oder dem auf knapp anderthalb Oktaven reduzierten Note Mode aber eher weniger zur Geltung. 

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Mehr Informationen

Hüllkurve(n) und Modulation

Für Modulationszwecke bietet n/vision einen LFO und insgesamt drei Hüllkurven: Filter, Amp und Oszillator. Letztere teilen sich die ADSR-Slider und werden mittels Kippschalter angesteuert. Das ist erstmal eine platzsparende Lösung, im Eifer der Performance aber fehleranfällig, wenn doch nicht die richtige Hüllkurve ausgewählt ist. 

Außerdem gibt es keine LEDs, die die Schalterposition auch bei schlechtem Licht verdeutlichen und wer viel zwischen den EGs wechselt, muss sich mit entsprechend viel Catchup rumschlagen. Immerhin gibt es eine vierte Schalterstellung, die alle Hüllkurven gleichzeitig anfährt.  

LFO 

Beim LFO haben wir die Wellenformen Sinus, Dreieck, Rechteck und Random sowie Saw Up und Down. Hinzu kommen ein Poti für LFO-Delay, optionaler Tempo Sync und Key Trig. Wenn ihr Tempo Sync auswählt, steuert der Tempo Slider die Subdivision, die dann gemäß des aktuellen Sequencer-Tempos umgerechnet wird. Hier ist von halben bis 64tel-Noten samt triolischen Varianten alles dabei, sogar ganze Noten, zwei und vier Takte sind möglich. 

Neben den bereits erwähnten Modulationszielen Oszillator Position, Waveshaping, Layer Mix, Pitch und Filter Cutoff steht auch der Amp mit eigenem Poti bereit. Außerdem gibt es noch einen Step LFO der auf maximal 16 Steps zum Tempo synchronisierte Modulationen umsetzt. Der hats zwar wirklich in sich, dessen Setup ist wegen der kryptischen Abkürzungen im Screen aber maximal umständlich geraten.    

MFX

Eins von Rolands Schlagargumenten beim Bewerben des n/vision ist die Effektsektion, die für einen Synthesizer dieser Größe relativ üppig ausfällt: Wir haben einen Delay mit Fadern für Mix, Time und Feedback, einen Reverb mit Potis für Mix und Time sowie zwei Chorus Effekte mit dedizierten On-/Off-Buttons. Roland-typisch ist das aber längst nicht alles und wir können mit ein bisschen Menu Diving noch einiges mehr aus der kleinen Kiste holen.

So gibt es nicht nur zwei, sondern sogar drei Chorus Effekte und insgesamt 17 FX-Typen von extra Delays mit Modulation oder Reverse über Overdrive und Bitcrush bis hin zu Phaser, Flanger und Pitch Shifter. Diese lassen sich zwar ziemlich sorgfältig via Menü justieren, für Performance Changes fehlen aber die haptischen Bedienelemente. Die vielen Settings lassen sich zwar speichern, aber nur pro Sequenz, nicht per Patch!  

Roland n/vision
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Delay und Reverb im Detail

Cool ist, dass der Roland auch Delay und Reverb mit versteckten Zusatz-Features ausgestattet sind: 

  • So gibt es beispielsweise einen Shimmer Reverb und der Delay kann mit denselben Subdivisions wie der LFO mit dem Sequencer-Tempo gesynct werden. Wer Bock auf Mathe hat, kann im Menü auch konkrete Millisekunden angeben, um die Delay Time zu steuern. 
  • Das ist mega praktisch und ziemlich selten. Außerdem gibt es hier noch Zugriff auf einen Filter im Feedbackloop und einen Send zum Reverb. Apropos Reverb: Der kennt fünf Algorithmen, Predelay, Modulation und zweigleisigen Pitch Shift für besagten Shimmer Sound.   

Sequencer

Wer seine Patches nicht per Keyboard spielen will, kann entweder den Arpeggiator bemühen oder gleich den Step Sequencer anschmeißen. Dieser kann bis zu 64 Steps per Step-, Note- und Liverecording aufzeichnen, wobei für letzteres kein Metronom, geschweige denn Count In geboten werden. Cool ist, dass sich so gut wie alle Bedienelemente – ausgenommen Delay und Reverb Mix – per Motion Recording aufnehmen lassen.

Pro Step kann n/vision maximal achtstimmig recorden und wir dürfen bis zu 96 Patterns speichern. Das tröstet ein wenig über die Tatsache hinweg, dass die MFX-Settings nicht pro Sound, sondern pro Sequenz festgehalten werden, ist am Ende aber trotzdem unpraktisch. Schließlich wähle ich meine Effekteinstellungen doch nach Sound und nicht nach Sequenz aus. Für Utility sind Undo und Redo sowie gezieltes resetten aller Motion oder Noten-Inputs, Copy und Paste oder diverse Laufrichtungen am Start.   

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Alternativen

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Als dedizierter Wavetable Synthesizer für unterwegs hat der n/vision von Roland eine Marktlücke gefunden. Waldorf Protein ist zwar ähnlich portabel, verzichtet aber auf Speaker und Batteriebetrieb. Sonicware Bass & Beats hält diesbezüglich mit und ist ebenfalls günstiger als der n/vision, hat aber weniger Ausstattung. Wer etwas mehr Geld hinlegt und auf den Reisefaktor verzichten kann, bekommt mit KORG Modwave ein durch und durch besseres Instrument, das immer noch deutlich günstiger ist als Rolands neuer Wavetable Synth.

Fazit

Das Problem bei Instrumenten dieser Größenordnung ist, dass der Preis oft zu hoch sitzt, wenn große Namen wie Roland im Spiel sind. Die Modulationsmöglichkeiten sind auf den ersten Blick cool, bieten aber viele Einschränkungen – allem Voran, dass Position und Wave Shaper nicht pro Oszillator justierbar sind. Auch wenn die FX-Sektion des n/vision überraschend umfangreich ist und durchaus angemessen klingt, hätte ich mir mehr Fokus auf Klangerzeugung und Oszillator Modulation gewünscht.

Das widersprüchliche ist, dass n/vision wirklich Unmengen an Sounddesign Optionen bietet, von Step LFO über Wave-Zeichner bis hin zu krassen Wave-Shaping-Kurven. Das doofe ist halt, dass all diese coolen Funktionen im Menü verbuddelt sind, wo ich zumindest wie ein Ochse vor den verwirrenden Abkürzungen stehe. Wer Bock hat sich reinzufuchsen oder Protein und Bass&Beats nicht so mag, sollte n/vision eine Chance geben! 

Gesamtwertung:
3,5 von 5,0
Qualität:  
4,0 von 5,0
Klang:  
3,5 von 5,0
Preis-Leistung:  
3,5 von 5,0

Pro

Viele physische Bedienelemente
64-Stepsequencer mit Motion Recording
umfassende FX-Sektion
viele Extra-Features “unter der Haube”
Dual und Split Mode fürs Keyboard

Kontra

Beide Oszillatoren teilen sich Position und Waveshape
Effekt-Settings nur pro Sequenz, nicht pro Sound speicherbar
Einzelne Steps lassen sich nicht aus dem Sequenzer löschen
kein Aftertouch
keine Pitch Mod via Hüllkurve
hörbare Glitches beim Wechseln der Filtertypen
viele spannende Funktionen nur via Menu Diving erreichbar

Preis:

689.-€

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Roland.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Boutique , Chorus , Delay , digital , Flanger , K-25 , keyboard , Multitimbral , n/vision , Phaser , Polyphon , Reverb , Roland , sequencer , Synthesizer , Wavetable

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