Behringer hat den Quellcode für IGNITE veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen Hardware-Sequencer mit 64 Spuren, den es noch gar nicht zu kaufen gibt. Wie schon bei der Groovebox Kick darf die Community die Firmware nach Belieben umbauen.
Erst der Bauplan, dann das Gerät: Bei Behringer läuft die Produktentwicklung dieser Tage verkehrt herum. Nach der RD-765, die vier Roland-Klassiker in ein Gehäuse packt, und der MPC-One-Verwandten Kick liegt nun auch für den Hardware-Sequencer IGNITE der Code auf GitHub.
IGNITE soll 64 Kanäle in einer Hierarchie aus Songs, Scenes, Tracks und Patterns verwalten. Ein Pattern darf bis zu 16 Takte lang sein, eine Scene bis zu 200. Dazu kommen Echtzeitaufnahme, Undo, Fill, Solo/Skip, Grouping- und Transform-Funktion sowie bis zu zehn selbst definierte Tonleitern. Das gilt allerdings nur für die Werks-Firmware, also das Betriebssystem, mit dem das Gerät ausgeliefert wird.

Vorn sitzen ein großer Touchscreen, 16 Step-Taster mit Drehreglern und acht weitere Encoder. Hinten gibt es fünf MIDI-Anschlusspaare, USB-Host für bis zu fünf weitere Geräte und WLAN. Über je acht CV- und Gate-Ausgänge lassen sich analoge Synthesizer und Modularsysteme per Steuerspannung ansprechen. Außerdem steckt eine Klangerzeugung nach General-MIDI-Standard drin.
Der Code gehört (schon wieder) allen
Im Repository des IGNITE liegen die Anwendung, die Audio-Engine, das Protokoll zwischen Software und Hardware und das Linux-System. Wer wissen will, wie die Kiste tickt, liest nach, ändert, ergänzt und teilt das Ergebnis. Wer ein Feature vermisst, baut es sich selbst, auch mit KI-Hilfe.
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Die Branche läuft gerade in diese Richtung: Akai öffnet die Firmware der MPC Sample, Erica Synths hat die LXR-02 freigegeben. Hinter Behringers Kurs steht ein Manifest von Firmenchef Uli Behringer. Music Tribe, die Muttergesellschaft von Behringer, hat er demnach an eine Stiftung übertragen. Über künftige Hardware soll die Community mitentscheiden.
Die ersten Reaktionen aus der Community fallen nüchtern aus. Im Forum von Sequencer.de wirkt IGNITE auf manche wie ein bisschen MPC, ein bisschen TR-8S und ein bisschen Elektron. Andere vermuten, Behringer wolle im Teich von Akai und Elektron mitfischen. Skeptische Stimmen gibt es übrigens auch. Ob eine von der Community geschriebene Software stabil genug zum Musikmachen ist, dürfte man allerdings erst herausfinden, wenn es die Behringer-Geräte auch gibt.
Bis dahin existiert ein Gerät als Quellcode, mit Anschlüssen für fast alles und ohne Termin. In der Branche nennt man das Vorfreude, anderswo Vaporware.