Todesanzeige in der Zeitung, Kondolenzbuch auf der Website, leergeräumter Instagram-Feed: Das Sónar erklärt sich selbst für tot, erklärt aber nichts.
Wer am Dienstagmorgen die spanische Tageszeitung La Vanguardia aufschlug, fand zwischen Immobilienanzeigen und Kondolenzen eine Traueranzeige für ein Festival: "Sónar ha mort. Sónar ha muerto. Sónar is dead." Darunter die Jahreszahlen 1994 bis 2026. Dieselbe Botschaft steht auch auf der Website des Sónar, wo sich statt Line-up und Ticketshop nun ein Kondolenzbuch findet. Die "Sónar-Familie" bedankt sich dort für die Unterstützung und lädt zum Hinterlassen von Beileidsbekundungen ein. Auf Instagram ist das Profil bis auf ein Trauervideo leergeräumt.
Eine Erklärung liefert das Festival nicht. Gegenüber La Vanguardia wollte die Organisation weder bestätigen noch dementieren, dass die Aktion eine Ankündigung vorbereitet. Dazu würde der Zeitpunkt passen, denn: Um diese Jahreszeit gibt das Sónar üblicherweise die ersten Namen für den kommenden Sommer bekannt. Außerdem führt die Website weiterhin Termine für 2027, nämlich den 17. bis 19. Juni in Barcelona. Ein Abschied sähe anders aus. Denkbar sind ein Relaunch des Festivals oder schlicht ein sehr aufwendiger Marketing-Gag.
Bauchweh beim Sónar Festival
Auch interessant

Rätselhaft ist die Aktion auch deshalb, weil beim Sónar zuletzt vieles gleichzeitig wegbrach. Seit 2018 hält Superstruct Entertainment die Mehrheit am Festival, 2024 übernahm der Finanzinvestor KKR den Veranstalter. Im Frühjahr 2025 zogen deutlich mehr als 50 Acts ihre Auftritte zurück, über 80 Künstler:innen unterzeichneten einen offenen Brief, der eine Distanzierung von KKR forderte. Das Festival betonte damals seine programmatische Unabhängigkeit, auf Investitionsentscheidungen habe man keinen Einfluss. Im Oktober 2025 verabschiedeten sich die Gründer des Festivals.
Die Ausgabe 2026 lief unter François Jozic, bisher Chef des Brunch Electronik, und sah anders aus als bisherige Festivaleditionen. Das gesamte Musikprogramm fand erstmals an einem Ort statt. Außerdem entfiel die Trennung in Tag- und Nachtprogramm. Rund 161.000 Besucher:innen kamen, auf den Bühnen standen unter anderem Charlotte de Witte, Skepta und Sammy Virji.
Als das Sónar 1994 in Barcelona zum ersten Mal stattfand, kamen rund 6.000 Menschen. Das Festival verband von Anfang an elektronische Musik mit Medienkunst und Digitalkultur, später kam mit Sónar+D ein eigener Kongress für Technologie und Kreativität dazu. In den gut drei Jahrzehnten dazwischen wurde daraus eine feste Größe im europäischen Festivalkalender.
