Die DJ-Gewerkschaft DECK rechnet zum zweiten Mal eine komplette Clubnacht bei der Verwertungsgesellschaft ab. Die Aufnahmen der Sets laufen anschließend im Radio. So soll das Geld bei den Producer:innen ankommen, deren Musik gespielt wurde.
Die österreichische DJ-Gewerkschaft DECK veranstaltet das zweite Event von Project Playlist x Airtime. Während der Klubnacht im Wiener Club Celeste soll jeder gespielte Track bei der AKM abgerechnet werden. Die AKM ist die österreichische Verwertungsgesellschaft für Autor:innen, Komponist:innen und Musikverleger, das Gegenstück zur deutschen GEMA. Die Tantiemen, also die Vergütung für die Nutzung ihrer Musik, sollen bei denen ankommen, die den Track gemacht haben, so Johannes Piller von DECK im Gespräch mit LoopRituals.
Laut DECK schließen Clubs zwar Verträge mit der AKM ab, DJs können ihre Setlisten aber nicht einreichen. Die AKM argumentiere mit logistischen und finanziellen Herausforderungen. Johannes Piller will das so nicht stehen lassen. "Mit Rekordbox, das fast alle DJs verwenden, könnte man einen Timestamp-genauen Export erstellen lassen, in dem alle Metadaten vorhanden sind."
Das Geld fließe derweil in übergeordnete Töpfe, statt bei den Urheber:innen der gespielten Tracks zu landen, so Piller. Dazu kommt das seit Dezember 2025 gültige Abrechnungsmodell der AKM. Plus-Tantiemen, also Ausschüttungen mit Zuschlag, gebe es demnach nur für Werke, die in mindestens zwei Verwertungskategorien vorkommen, etwa als Musik im Club und als Radiosendung. Wer nur im Club läuft, habe ein Kategorienproblem.
Mehr Fair Play im Club
Im Rahmen der Veranstaltung werden alle Sets aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt in der Sendung La Boum Deluxe auf FM4 ausgestrahlt, einem Radiosender des österreichischen Rundfunks ORF. Der Track soll damit vom Club ins Radio wechseln und für Artists, Produzent:innen und Labels die zweite Kategorie öffnen.
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Dafür meldet DECK die Klubnacht als Live-Konzert an. Vier DJs spielen ausschließlich lizenzierte Musik, die kompletten Playlisten gehen an die AKM und werden öffentlich gemacht. Auf dem Line-up stehen Altroy Jerome, Jess Whereyouat, Malounadou und Nick Hanzo. Bei der Veranstaltung gehe es außerdem darum, "Awareness zu schaffen, dass es im Clubbereich nicht möglich ist, eine Setlist bei der AKM abzugeben", so Piller.
Wie groß das Problem ist, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Der Fair Play Report, den eine vom US-DJ DVS1 mitgegründete Initiative im November 2025 veröffentlichte, kam zu dem Ergebnis, dass nur ein Drittel der Tantiemen im Bereich elektronischer Musik bei den richtigen Urheber:innen ankommt. Geschätzte 5,7 Millionen Pfund (6,4 Millionen Euro) werden dort jährlich falsch verteilt.
Als Gründe nennt der Report, dass kaum Software zur automatischen Titelerkennung eingesetzt wird, dass die Verteilung noch weitgehend analog läuft und dass fast die Hälfte der Produzent:innen bei keiner Verwertungsgesellschaft registriert ist. Zahlen für Österreich gibt es derweil nicht.
