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SoundCloud übernimmt gecrashte Musikplattform Nina Protocol
© Foto von Filip auf Unsplash

SoundCloud übernimmt gecrashte Musikplattform Nina Protocol

News. 23. Juli 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Boris Alexander

SoundCloud hat die im Sommer 2026 eingestellte Musikplattform Nina Protocol übernommen. Künftig können Künstler ihre Veröffentlichungen freiwillig zu SoundCloud migrieren.

Wie beide Unternehmen am Mittwoch, dem 22. Juli 2026, mitteilten, sichert sich SoundCloud damit Ninas redaktionelles Archiv, die sogenannte Genre Map sowie, sofern die Künstler dies wünschen, deren Musikkataloge. Nina Protocol hatte Ende Mai die Einstellung des Betriebs angekündigt, da sich kein tragfähiges Finanzierungsmodell finden ließ. Die Plattform lief seither schrittweise aus, bis der Dienst schließlich vollständig offline ging (wir berichteten).

Für den Wechsel stellt SoundCloud ein eigenes Migrationstool bereit. Über dieses können Künstler ihre Musik, Inhalte, Follower und kreative Arbeiten übertragen. Die Teilnahme ist optional. Entscheiden sie sich für den Umzug, erhalten sie ein kostenloses SoundCloud-Artist-Pro-Abo bis Ende 2026 und damit Zugriff auf Distributionswerkzeuge, Fan-Monetarisierung und das hauseigene Tantiemenmodell. Über die finanziellen Details der Übernahme machten beide Seiten keine Angaben.

Mike Pollard, Mitgründer und CEO von Nina Protocol, erklärte, man habe für die Community und die redaktionelle Arbeit ein Zuhause gesucht, das dieselben Werte teile. SoundCloud-Chef Eliah Seton betonte, man wolle das von Nina Geschaffene ehren. Ob Mitglieder des Nina-Teams zu SoundCloud wechseln werden, ist bislang nicht bekannt.

Nina Protocol wurde 2021 in New York von Jack Callahan, Mike Pollard und Eric Farber gegründet. Die auf den Blockchains Solana und Arweave basierende Plattform ermöglichte es Künstlern, Musik direkt an Fans zu verkaufen und dabei die vollen Einnahmen zu behalten.

Ende gut, alles gut?

Für SoundCloud ist der Deal wahrscheinlich ein günstiger Coup: ein kuratiertes Archiv plus eine loyale Nische unabhängiger Künstler, ohne das unternehmerische Risiko der gescheiterten Plattform mitzuübernehmen. Für die Nina-Artists ist das Angebot hingegen eher ein Trostpflaster als eine echte Fortführung des Projekts. Denn trotz aller Independent-Rhetorik bleibt SoundCloud ein zentralisierter, werbe- und abofinanzierter Dienst, während bei Nina die dezentrale, künstlerkontrollierte Infrastruktur mit 100-prozentiger Einnahmebeteiligung im Mittelpunkt stand. Das Archiv überlebt, das Nina-Prinzip jedoch nicht. Der Fall zeigt vor allem, wie schwer es unabhängige Alternativen haben, sich dauerhaft gegen etablierte Plattformen zu behaupten – selbst mit engagierter Community.

Veröffentlicht in News und getaggt mit Musikbusiness , Nina Protocol , Soundcloud , streaming

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