Totgesagte hören bekanntlich am längsten CD. Während alle noch auf den nächsten Vinyl-Rekord gewartet haben, ist die Compact Disc 2026 einfach an ihr vorbeigezogen – befeuert von Fans, die gar keinen CD-Player haben.
Die CD, offiziell seit gefühlt zwanzig Jahren ausgemustert im Elektroschrott der Popkultur, verkauft sich 2026 wieder wie veganes Bananenbrot im Soho House. In den USA gingen zwischen Januar und Juni 17,5 Millionen CDs über die Ladentheke – ein Plus von 45,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 58,6 Prozent auf 171,1 Millionen Dollar (147 Mio. Euro).
Zum Vergleich: Vinyl, das ewige Lieblingskind der Nostalgie-Industrie, wuchs nur um knapp 21 Prozent auf 26,5 Millionen verkaufte Einheiten. Die CD überholt also gerade die Platte, die sie eigentlich längst hätte überholen sollen, aber bekanntlich läuft in der Popkultur nichts nach Drehbuch.
Immer diese jungen Leute
Allerdings sind es nicht die Millennials, die im Keller noch ihre alte Anlage stehen haben und sich insgeheim nach dem Sound von 1997 sehnen. Es ist die Gen Z, die für das Verkaufsplus verantwortlich ist. So soll ein Großteil des CD-Booms aus Sonderauflagen von K-Pop-Acts, mit BTS als Zugpferd entstanden sein. Konkret gemeint sind aufwendig gestaltete Deluxe-Editionen mit Fotokarten, Stickern und Booklet, die man sich ins Regal stellt wie eine kleine Trophäe. Und zwar tatsächlich ins Regal stellt, denn: Etwa die Hälfte der Käufer:innen besitzt gar keinen CD-Player.
Wo Player doch gekauft werden, hat sich auch die Hardware verändert. In Großbritannien gibt es einen Anstieg der Suchanfragen nach CD-Playern um 96 Prozent seit Juli. Viele wollen einmalig in eine Kompaktanlage mit eingebautem Player investieren. Außerdem sind CDs in der Anschaffung deutlich billiger als vergleichbare Vinylpressungen.
Übrigens: Streaming bleibt weiterhin die Cashcow der Branche, mit 4,9 Milliarden Dollar Umsatz (4,2 Mrd. Euro) allein in den USA. Aber die Idee, dass physische Tonträger nur noch ein aussterbendes Ritual für Boomer sind, kann man 2026 offiziell beerdigen – ironischerweise mit einer CD als Grabbeigabe.
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