Digitales Weltkulturerbe: Wie die TU Berlin das Erbe bedrohter Techno-Clubs retten will
Foto: Angie Linder, CC BY-SA 2.0

Digitales Weltkulturerbe: Wie die TU Berlin das Erbe bedrohter Techno-Clubs retten will

News. 15. Juni 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Berliner Techno-Clubs sollen zukünftig digital zu erfahren sein. Ein Forscher:innenteam der TU Berlin will damit das immaterielle Kulturerbe vor dem Clubsterben retten.  

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Seit die Berliner Technokultur zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe erklärt wurde, ist klar: Der Titel schützt höchstens symbolisch. Ein Forschungsteam der TU Berlin will dem drohenden Verlust durch das Clubsterben nun digital etwas entgegensetzen.

Initiiert wurde das Projekt von Steffen Lepa vom Fachbereich Audiokommunikation der TU Berlin gemeinsam mit Anita Jóri von der Universität der Künste. Seit dem vergangenen Semester arbeiten Studierende daran, Berliner Clubs optisch und akustisch zu rekonstruieren. Es soll ein virtuelles Archiv entstehen, das Nutzer:innen später per VR-Brille begehen können.

Aktuell steht das Jonny Knüppel in Prenzlauer Berg im Fokus. Ein Club, der Ende des Jahres schließen muss, weil das Grundstück bebaut werden soll. Mit Spezialkameras erfassen die Studierenden jeden Winkel des Geländes und setzen es am Computer zu einem 3D-Modell zusammen.

Genauso wichtig wie die Optik ist für Lepa die Akustik. Der Raum selbst sei ein Instrument, das über die PA bespielt wird. Erst ab etwa 96 bis 99 Dezibel reagiert das Gleichgewichtsorgan. Es setze jener körperliche Bass-Schub ein, den man zu Hause nie reproduzieren könnte. Genau dieses Zusammenspiel von Raum, Lautstärke und Sound soll im Archiv hörbar bleiben. Ergänzen wolle man die Vermessung durch Zeitzeugengespräche. Jonny-Knüppel-Betreiber Jakob Tutur meldete sich selbst beim Team, als das Ende seines Clubs feststand.

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Übrigens: Ein erstes digitales Modell existiert bereits. Die Wilde Renate, die Studierende vor einem Jahr erfasst hatten, konnte ihre Schließung am Ende aber doch noch abwenden. Als Nächstes sollen längst verschwundene Berliner Institutionen wie das E-Werk oder der Bunker virtuell wiederauferstehen. Sie sollen vor allem in der Forschungsnutzung zur Verwendung kommen, allerdings plane das Team auch Ausstellungen.

Das Projekt reiht sich damit in eine wachsende Reihe von Erinnerungsclubkultur ein, die zuletzt vor allem das Kollektiv steinzeit.alter mit seinen Club-Grabsteinen für Watergate und Griessmühle geprägt hat. Der Unterschied: Die TU Berlin setzt statt gemeißelten Stein auf VR-Headsets und das sogenannte Metaverse.

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