"Die Zukunft ist schon da": DJ Hell veröffentlicht neue EP in Kollaboration mit KI-Künstlerin
DJ Hell macht gemeinsame Sache mit einer KI. Der deutsche DJ und Gigolo-Records-Chef will sich damit Fragen stellen, die die elektronische Musikszene "beschäftigen werden", wie er sagt.
Am 29. Mai 2026 erschien über International Gigolo Records die EP "U Can Dance With Me" – ein Projekt, das Helmut Geier, bekannt als DJ Hell, gemeinsam mit Namae Koi realisiert hat. Das Projekt bezeichnet sich selbst als Artificial Audio Visual Artist und bewegt sich laut Hells Beschreibung im Schnittfeld von Mode, bildender Kunst und Musik. Hinter der virtuellen Figur steht die deutsche Künstlerin Mieke Haase, die Namae Koi als ihr digitales Alter Ego ins Leben gerufen hat.
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Für DJ Hell sei der Einsatz von KI kein Gimmick. "Ich habe mit Menschen kollaboriert, mit Legenden, mit Geistern der Vergangenheit. Namae Koi ist etwas völlig anderes. Genau deshalb habe ich Ja gesagt", so Hell in der Releaseankündigung. Die EP, die vier Tracks umfasst – jeweils einen Original-Cut von "U Can Dance With Me" und "Mars" sowie Hell-Reworks beider Stücke – sei kein Manifest über eine mögliche Zukunft der Musik: "Es ist die Zukunft."
Die unüblichen Verdächtigen
Erstmals öffentlich präsentierten Hell und Namae Koi ihre Zusammenarbeit im November 2025 im Rahmen einer Veranstaltung für zeitgenössische digitale Kunst in Berlin. Dass die Kollaboration nun als vollwertige EP erscheint, darf man als Positionierung verstehen. International DeeJay Gigolo Records, Hells seit den neunziger Jahren betriebenes Label, war immer auch ein Ort für Provokation und Grenzüberschreitung. Dass jetzt eine KI-Entität als gleichberechtigte Kollaborateurin gelistet wird, passt in diese DNA.
Hell ist mit diesem Ansatz nicht allein. Die US-amerikanische Komponistin Holly Herndon arbeitet seit Jahren konsequent mit maschinellem Lernen. Für ihr Album "Proto" trainierte sie gemeinsam mit ihrem Partner Mat Dryhurst eine KI namens Spawn über Jahre mit Chorkompositionen und eigener Stimme. Herndon versteht die KI explizit als Teil ihres künstlerischen Ensembles, deren Weltbild vollständig von den Trainingsdaten abhängt, mit denen sie gefüttert wurde. Arca wiederum veröffentlichte den Track "Riquiqui" in hundert verschiedenen KI-Remixes und bewegt sich damit in ähnlichem Terrain.
Was die EP von DJ Hell und Namae Koi von vielem trennt, was derzeit unter dem Label "KI-Musik" kursiert, ist der konzeptuelle Rahmen. Während auf Streaming-Plattformen ein KI-Flutungsphänomen beobachtbar ist – täglich werden laut Deezer rund 75.000 vollständig KI-generierte Tracks hochgeladen, von denen ein Großteil keine erkennbare künstlerische Handschrift trägt –, geht es Hell und Haase erklärtermaßen um Autorschaft, Identität und die Frage, was Kreativität im digitalen Zeitalter noch bedeutet.