Digitale Müllhalde: Fast die Hälfte aller neuen Songs kommen von der KI – aber bei Deezer merkt niemand den Unterschied
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Digitale Müllhalde: Fast die Hälfte aller neuen Songs kommen von der KI – aber bei Deezer merkt niemand den Unterschied

News. 21. April 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Der Musikstreaming-Dienst Deezer hat neue Zahlen zum Ausmaß KI-generierter Musik auf seiner Plattform veröffentlicht. Täglich werden rund 75.000 vollständig KI-generierte Tracks hochgeladen. Das entspricht fast der Hälfte aller täglichen Uploads. 

Pro Monat summiert sich das auf über zwei Millionen Songs, die nicht von Menschen stammen. Innerhalb von nur gut einem Jahr hat sich die tägliche KI-Flut damit versiebenfacht. Im Januar 2025 waren es bei Deezer noch 10.000 synthetische Tracks pro Tag.

Und: Laut einer von Deezer beauftragten internationalen Umfrage, an der 9.000 Menschen in acht Ländern teilnahmen, konnten 97 Prozent der Befragten in einem Blindtest nicht zwischen KI-generierter und menschlich produzierter Musik unterscheiden. Die Flut an synthetischen Songs landet also auf einer Plattform, deren Nutzer:innen schlicht nicht hören, ob sie gerade ein Mensch oder ein Algorithmus unterhält.

Der Algorithmus sagt Nein!

Dass der tatsächliche Konsum dieser Tracks dennoch gering bleibt – laut Deezer zwischen einem und drei Prozent aller Streams –, liegt an gezielten Gegenmaßnahmen. Seit Beginn 2025 setzt der französische Dienst ein eigenes KI-Erkennungstool ein. Songs, die als vollständig KI-generiert identifiziert werden, verschwinden aus algorithmischen Empfehlungen und redaktionellen Playlisten. Außerdem speichert Deezer inzwischen keine hochauflösenden Versionen solcher Tracks mehr. Deezer ist damit nach wie vor der einzige große Streamingdienst weltweit, der KI-Musik aktiv kennzeichnet und aus den Empfehlungen herausnimmt.

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Deezer-CEO Alexis Lanternier fordert die gesamte Branche auf, nachzuziehen. Seit Januar 2025 lizenziert der Dienst seine Erkennungstechnologie, damit auch andere Plattformen sie einsetzen können. Andere große Player wie Spotify oder Apple Music setzen bislang auf andere Ansätze. Der französische Konkurrent Qobuz hat immerhin angekündigt, KI-Inhalte künftig zu kennzeichnen.

Der Grund, warum so viele KI-Tracks überhaupt hochgeladen werden, ist häufig Betrug. Bis zu 85 Prozent der Streams KI-generierter Songs auf Deezer wurden 2025 als betrügerisch eingestuft und demonetarisiert. Das System ist simpel: KI produziert Musik, Bots hören zu, echte Künstler:innen verlieren Einnahmen.

Charts stürmen die anderen

Die gesellschaftliche Stimmung dazu ist klar: Vier von fünf Umfrageteilnehmer:innen sprechen sich dafür aus, dass vollständig KI-generierte Musik für Hörer:innen klar als solche erkennbar sein muss. Mehr als die Hälfte findet, KI-Songs hätten in denselben Charts wie menschliche Musik nichts verloren. Dass kurz vor Veröffentlichung der neuen Deezer-Zahlen ein KI-generierter Track die iTunes-Charts in den USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Neuseeland angeführt hat, dürfte diese Debatte weiter befeuern.

Für die Musikbranche geht es dabei um existenzielle Summen. Bis 2028 könnte rund ein Viertel der Einnahmen von Musikschaffenden durch KI gefährdet sein. Das entspräche bis zu vier Milliarden Euro jährlich.

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