Distrokid: Im Kampf gegen KI-Musik trifft es offenbar auch echte Künstler
Foto: Ki-generiert

Distrokid: Im Kampf gegen KI-Musik trifft es offenbar auch echte Künstler

News. 16. Oktober 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Songs weg, Alben weg, keine Erklärung: Seit der Klage von Universal Music nimmt DistroKid massenweise Musik vom Netz. Offenbar trifft es auch Artists, die mit KI nichts zu tun haben.

Seit einigen Tagen häufen sich Berichte von Musiker:innen, deren Veröffentlichungen über DistroKid ohne Vorwarnung von den Streamingdiensten genommen wurden. Betroffen sind offenbar nicht nur jene KI-generierten Massenuploads, die der Vertrieb eigentlich loswerden sollte.

Der Hintergrund: Mitte September hat die Universal Music Group (UMG) DistroKid wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt. Der Major wirft dem digitalen Musikvertrieb vor, massenhaft KI-generierte Musik und urheberrechtlich geschützte Aufnahmen auf die Plattformen zu spülen, darunter nicht lizenzierte Remixe. Als Beispiel nennt die Klageschrift einen Account, der in zwölf Monaten 4.562 Tracks veröffentlicht haben soll. Rund 1.000 Aufnahmen führt UMG konkret auf, bis zu 150.000 US-Dollar Schadensersatz pro Titel stehen im Raum. Die Klage richtet sich ausdrücklich nicht gegen klar gekennzeichnete KI-Musik. DistroKid weist alle Vorwürfe zurück.

Wie gering ist eine geringe Anzahl?

Nun mehren sich Äußerungen von Musiker:innen, deren Songs angeblich fälschlicherweise von Distrokid gelöscht wurden. Es handle sich dabei um "eine sehr geringe Anzahl" von Aufnahmen aufgrund von UMG-Ansprüchen, so DistroKid-Managerin Amanda Ferri. Dem widerspricht der deutsche Rapper Yungmon. Sein erfolgreichster Song "Rauch" mit über fünf Millionen Streams sei offline genommen worden, dazu eine komplette EP. Der angebliche Sample-Verstoß sei unmöglich, sein Beat sei älter als die vermutete Vorlage. Zurück im Netz ist "Rauch" nur, weil der Track zusätzlich über einen anderen Vertrieb lief. 

Auch der britische Producer Low sagt, sein Album sei ohne jede Mitteilung von allen Plattformen verschwunden. Der Nerdcore-Musiker McGwire nennt sechs gelöschte Songs, darunter ein Cover, für das er die Lizenz bezahlt haben will. Berichte sprechen außerdem von Takedowns bei gekauften Samples, bei gemeinfreiem Material und sogar bei rein akustischen Aufnahmen.

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Wer gegen fälschliche Löschungen vorgehen will, kann laut DistroKid einen Widerspruch einreichen, ein sogenanntes DMCA-Counter-Notice. Danach muss DistroKid zehn Werktage warten, bevor die Musik zurückkehren darf. Die Streamingdienste können sich trotzdem querstellen. Mehrere Betroffene klagen zudem, dass sie bei DistroKid nur mit einem Bot sprechen und nie mit einem Menschen. Aktuell kommt ein weiteres Ärgernis. Viele Indie-Musiker berichten, dass ihre YouTube-Einnahmen für Juli und August 2026 noch nicht ausgezahlt worden seien.

Unsere Anfrage beantwortet das Unternehmen knapp. Man kommentiere das laufende Verfahren nicht. Die Unterstützung von Künstler:innen bleibe Priorität, dazu gehöre, "Urheberrechte ernst zu nehmen" und weiter in "Prozesse und Technik zur Prüfung der eingereichten Musik" zu investieren. Zu den konkreten Löschungen, zu fehlenden Begründungen und zur Erreichbarkeit des Supports sagt Distrokid nichts.

Immer größer, immer kontroverser

DistroKid, 2013 gegründet, ist einer der größten Vertriebe für Musik ohne Label. Wer einen Song bei Spotify, Apple Music oder Amazon hören will, zahlt eine Jahresgebühr, lädt seine Dateien hoch und behält die Einnahmen komplett selbst. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als vier Millionen Künstler:innen den Dienst, rund 40 Prozent aller neu veröffentlichten Musik weltweit laufen darüber.

Diese Größe macht DistroKid zum Dauerthema der Branche, vor allem seit die Plattformen mit KI-generierten Tracks überschwemmt werden. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass der Finanzinvestor CVC Capital Partners die Mehrheit übernimmt, der bisherige Geldgeber Insight Partners bleibt mit einem Minderheitsanteil an Bord. Der Abschluss war für das dritte Quartal 2026 geplant, Kaufpreis und Details nennt bislang niemand, zuletzt war von rund zwei Milliarden Dollar (rund 1,8 Mrd. Euro) die Rede.

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