Nach einem Jahr staatlicher Repression, Rekorddemos und einem historischen Regierungswechsel kann die Budapest Pride 2026 wieder legal stattfinden. Die ungarische Polizei hat die für den 27. Juni geplante Paradegenehmigt. Das ist auch ein klares Signal für den politischen Neuanfang im Land.
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Es hätten sich "keine Gründe für ein Verbot der Versammlung" ergeben, so die ungarische Polizei im Rahmen des offiziellen Anmeldeverfahrens. Die Organisator:innen der Budapest Pridebezeichneten die Entscheidung als "sehr positive Nachricht für die Demokratie und die Versammlungsfreiheit in der EU". Die reibungslose Genehmigung steht in krassem Kontrast zum Vorjahr. 2025 hatte die damalige Regierung unter Viktor Orbán die Parade offiziell untersagt. Der Grund: das sogenannte Kinderschutzgesetz von 2021, das im selben Jahrnoch einmal verschärft worden war und in der ungarischen Verfassung verankert wurde.
Trotz des Verbots, drohender Geldstrafen und behördlichen Drucks gingen damals schätzungsweise 200.000 Menschen auf die Straße. Auch Dutzende EU-Parlamentarier:innen nahmen teil, um Solidarität zu zeigen. Was eigentlich als Zermürbungstaktik gedacht war, wurde zur größten Pride, die Budapest je erlebt hatte.
Anklage gegen Bürgermeister fallengelassen
Budapests Bürgermeister Gergely Karácsony, Co-Vorsitzender der Grünen-Partei Párbeszéd – Zöldek und langjähriger politischer Gegner Orbáns, hatte die Demonstration 2025 trotz des Verbots zugelassen. Dafür wurde er im Januar 2026 angeklagt.
Nun hat die ungarische Staatsanwaltschaft die Anklage fallengelassen. Grundlage ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom April 2026, wonach die in der Anklageschrift beschriebenen Sachverhalte keine Straftat mehr darstellen, denn: Die ungarischen Anti-LGBTQ-Regelungen verstoßen gegen EU-Grundfreiheiten und sind damit faktisch nicht mehr anwendbar.
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Politische Zeitenwende als Hintergrund
Die Genehmigung der Pride 2026 fällt in eine Phase des tiefgreifenden politischen Wandels. Bei der Parlamentswahl im April wurde Viktor Orbán nach 16 Jahren abgewählt. Sein Nachfolger Péter Magyar, Vorsitzender der Tisza-Partei, gilt als pro-europäisch und hat sich wiederholt für Gleichberechtigung und Versammlungsfreiheit ausgesprochen.
Allerdings hat Magyar die Budapest Pride bislang nicht ausdrücklich unterstützt. Auch konkrete Schritte zur Aufhebung der unter Orbán erlassenen Anti-LGBTQ-Gesetze sind bisher ausgeblieben. Für die queere Community in Ungarn bleibt damit vieles offen, auch wenn die Signale der neuen Regierung insgesamt hoffnungsvoller sind als alles, was die vergangenen Jahre geboten haben.
Clubkultur und Kulturfreiheit
Unter Orbán wurden nicht nur LGBTIQ-Rechte eingeschränkt, sondern auch Clubs und Kulturräume unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung reihenweise geschlossen. Das sogenannte Delta-Programm traf in Budapest und anderen Städten mehrere unabhängige Venues.
Dass die Budapest Pride 2026 nun wieder ohne staatliche Repression stattfinden kann, ist für viele aus der Szene mehr als eine Formalität. Es ist ein erstes konkretes Zeichen dafür, dass sich in Ungarn tatsächlich etwas verändert.