Er gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Dennoch droht der Spotify-Gründer Lorentzon mit Auswanderung, sollte Schweden seine Reichen stärker besteuern
Der Spotify-Mitgründer Martin Lorentzon hat im Zuge der schwedischen Parlamentswahl klargemacht, wie er zu einer möglichen Vermögenssteuer steht: gar nicht. Er würde das Land "sofort" verlassen, sollte eine solche Abgabe kommen. Zwar wolle Lorentzon, der mit einem geschätzten Vermögen von knapp elf Milliarden Dollar (9,5 Mrd. Euro) lieber bleiben, die Steuer würde ihm aber keine Wahl lassen, sagte er gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Bloomberg.
Kurz zuvor hatte er in der schwedischen Zeitung Expressen einen Gastbeitrag veröffentlicht, in dem er sich zwar für progressive Besteuerung aussprach, aber strikt gegen eine jährliche Vermögensabgabe. Sein Argument: Unternehmende müssten dann Firmenanteile verkaufen, um die Steuer zu zahlen, was am Ende weniger Innovation, weniger Investitionen und weniger Jobs bedeute. Kurz: Die Steuer schade vor allem der Wirtschaft.
Nach der Wahl ist vor der Wahl
Zur Einordnung: Es geht um Lorentzons Steuersitz, nicht um Spotifys Firmensitz. Und um eine Steuer, die im Wahlkampf zwar diskutiert wurde, aber noch lange nicht beschlossen ist. Nach ersten Auszählungen liegt das linke Lager um die Sozialdemokraten von Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson mit 175 zu 174 Mandaten hauchdünn vor Kristerssons Mitte-rechts-Allianz samt Schwedendemokraten. Das amtliche Endergebnis wird frühestens Mittwoch erwartet, wenn Auslandsstimmen und nachgereichte Briefwahlunterlagen ausgezählt sind.
Sollte es bei diesem Ein-Mandat-Vorsprung bleiben, käme es auf die ohnehin zerstrittene Vier-Parteien-Koalition aus Sozialdemokraten, Linkspartei, Grünen und der liberalen Zentrumspartei an, sich auf ein gemeinsames Programm zu einigen. Genau dort sitzen die Fraktionen, die eine Reichensteuer wollen. Für Lorentzon heißt das: Sein Fluchtszenario ist nicht vom Tisch, aber auch nicht beschlossene Sache. Wahlkampfthemen waren ohnehin eher Migration und Bandenkriminalität als Vermögensabgaben.
Was folgt auf die Drohung?
Schweden selbst hatte übrigens schon einmal eine Vermögenssteuer. 2007 schaffte sie die damalige konservative Regierung mit der Begründung ab, man wolle vermögende Schweden und ihr Kapital im Land halten. Der Fluchtreflex ist also Tradition. IKEA-Gründer Ingvar Kamprad ging bereits in den 1970er Jahren in die Schweiz, Tennislegende Björn Borg nach Monaco. Auch Lorentzon selbst hat Übung in dieser Rhetorik. Schon 2016 drohten er und Daniel Ek, Spotify werde das Land verlassen, sollten Steuern und Wohnungspolitik nicht reformiert werden.
Foto: Ah-kwong, CC BY 4.0
