Nu-Metal-Techno und Leonard Cohen: Wird das neue Album von Brutalismus 3000 die Harmonie, auf die wir gewartet haben?
Seit "ULTRAKUNST" wissen wir: Brutalismus 3000 spielen ihr eigenes Techno-Game. Jetzt kommt "Harmony" – und allein die Tracklist stellt Fragen, die man sich stellen muss.
Das Berliner Duo Brutalismus 3000, das sich irgendwo zwischen Hyperpop, Gabber-Eskapismus und feministischer Gesellschaftskritik verortet, kündigt sein zweites Album an. "Harmony" erscheint am 26. Juni 2026 auf ihrem Label Live From Earth. Und der Titel allein ist schon eine kleine Provokation. Harmonie – von einem Duo, dessen Texte Kriminologen beschäftigen und dessen Fanbase kollektiv im Lederharness aufgewachsen ist.
Dafür liest sich die Tracklist sich wie ein Assoziationstest. "No Friends In The Company", "Mother Bug", "Gore Louvre" – und dann, ganz am Ende: "Leonard Cohen". Klingt erstmal nach einem Album, das Widerspruch zum Programm macht. Laut Brutalismus 3000 selbst habe der Titel "Harmony" jedenfalls seinen ironischen Unterton im Laufe der Produktion verloren. Die verschiedenen Elemente hätten sich irgendwann tatsächlich zu "einem Ganzen" gefügt.
Starpower, die passt
Die Gastbeiträge sind klug gewählt. Boys Noize auf "I Bring My Gun To The Function" macht Sinn: Der Berliner Produzent weiß seit Jahrzehnten, wie man Härte mit Stilbewusstsein verbindet. Dylan Brady von 100 gecs als Co-Produzent passt zum chaotischen Hyperpop-Erbe des Duos. Die inoffiziellen Trainspotting-Soundtracker Underworld auf "Friends At The Pigshed" sind dagegen die überraschende, fast ehrwürdige Wahl.
Anya Taylor-Joy auf "Morning Is For The Happy" ist dafür das große Fragezeichen des Albums. Die Schauspielerin, zuletzt nicht gerade für musikalische Ausflüge bekannt, hier zwischen Dubstep und Nu-Metal-Techno. Das klingt entweder nach einem der gelungensten Coups des Jahres oder nach einem PR-Gag.
Größer geworden, lauter geblieben
Dass Brutalismus 3000 längst keine Geheimtipp-Nummer mehr sind, ist spätestens seit Coachella klar. Die Boiler-Room-Auftritte erreichten ein Millionenpublikum, zuletzt waren sie als Support von FKA twigs in Nordamerika unterwegs.
Übrigens: Der Titel der neuen Single klingt zwar nach Aggression, gemeint ist laut Duo aber eher "ein Gefühl diffuser Bedrohung und Selbstschutz in unsicheren Zeiten". Das darf man politisch bezeichnen oder als provokant abtun. Es wird jedenfalls "Harmony" sein.