Behringer legt den Quellcode für ein Gerät offen, das es noch gar nicht zu kaufen gibt. Die Groovebox heißt Kick und sieht aus wie Akais MPC One. Um die Firmware soll sich die Community kümmern.
Auf der Coding-Plattform GitHub hat die Muttergesellschaft von Behringer, Music Tribe, dafür eine eigene Organisation namens MusicTribeOpenSource eingerichtet. Das "Kick-Repository" enthält die Anwendung, die Audio-Engine AudIO und das Protokoll, über das Software und Hardware miteinander sprechen, dazu ein Linux-Buildsystem. Lizenziert ist alles unter der freien Copyleft-Lizenz AGPL-3.0. Bei dem Gerät selbst handelt es sich laut Behringer um einen Prototyp. Preis und Liefertermin gibt es noch nicht.

Einige Eckdaten zur neuen Behringer Kick sind allerdings bekannt. Das Gerät soll einen 7-Zoll-Touchscreen, 16 RGB-Pads in acht Bänken, vier Drehregler, Jogwheel und Touchstrip haben. Dazu kommen ein Sampler mit Editor, Step-Sequencer, Looper und über 300 Effekte. Hinten sitzen MIDI-Buchsen, USB-A und USB-C, ein SD-Slot, ein RJ45-Link-Port und vier CV/Gate-Buchsen. Ein Extra gegenüber dem Vorbild ist eine Kamera zur Gestensteuerung. Pads, Display und Regler liegen fast exakt dort, wo sie bei der MPC One liegen.
Behringer baut, Community codet
Hinter dem Projekt steht ein Manifest von Uli Behringer. Die größte Gefahr für Unternehmen sei nicht KI, sondern Überfluss. Music Tribe habe er deswegen an eine Stiftung übertragen, die Gemeinnützigkeit werde angestrebt. Ausgewählte Designs sollen offen werden, damit Communitie – auch mit KI-Hilfe – eigene Firmware bauen. Die GitHub-Readme formuliert es so: Behringer liefert Schaltpläne und Dokumentation, darauf aufgebaut bleibt jeder Code Eigentum seiner Autor:innen. Konkret heißt das: Über künftige Hardware stimmt die Community ab. Mit Ignite steht schon ein zweites Gerät im Repository, dessen Quellcode "in Vorbereitung" ist.
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Behringer hatte 2020 mit der JAM schon einmal eine MPC-artige Groovebox angekündigt. Gekommen ist sie nie. Ob Kick diesmal landet, dürfte auch von Leistung abhängen. Zu Prozessor und Arbeitsspeicher findet sich in den veröffentlichten Angaben nichts. Dabei hat Akai die Messlatte gerade hochgelegt. Die MPC XL für 2.799 Euro bringt 16 GB RAM mit und lädt bis zu 32 Plugin-Instrumente gleichzeitig. Am unteren Ende steht die MPC Sample für 389 Euro mit 2,4-Zoll-Display. Dazwischen ist Platz, in den Behringer mit offener Firmware stoßen will.
Übrigens: Offene Firmware bei Musikhardware ist nicht neu. Bei Mutable Instruments und dem Synthstrom Deluge gehört sie zum Konzept, M-Vave baut mit dem FM-1 gerade eine Entwickler:innengemeinde auf. Ein Großhersteller wie Behringer, der ein Gerät von Anfang an darauf auslegt, wäre allerdings ein Novum.
