Der Ambient-Pionier Brian Eno gräbt sein 1991 eingemottetes Label Opal Records wieder aus – mit zwei längst vergriffenen Alben, unveröffentlichten Livemitschnitten und einer Prise Klimaaktivismus im Kleingedruckten.
Brian Eno holt sein 1991 pausiertes Label zurück. Am 16. Oktober 2026 erscheinen via Opal Records zwei Reissues: "Another Day On Earth" von 2005 und "Drawn From Life", das 2001 erschien. Letzteres war eine Kollaboration mit dem deutschen Komponisten J. Peter Schwalm. Beide Alben sind außerhalb Japans seit fast zwanzig Jahren praktisch nicht zu bekommen. Ein Zustand, der sogar unter Discogs-Haien eher Kult als Ärgernis produziert hat.
"Another Day On Earth" markierte damals Enos Rückkehr zu songbasierter Musik. Davor hatte sich der britische Ambient-Pionier über ein Jahrzehnt fast ausschließlich atmosphärischer Musik gewidmet. Die Neuauflage bekommt mit "The Demon of the Mines" einen Bonustrack spendiert, der bislang nur in Japan verfügbar war. "Drawn From Life" wiederum wird erstmals offiziell als gemeinsames Werk von Eno und Schwalm ausgewiesen – mit Beiträgen unter anderem von Laurie Anderson und Can-Bassist Holger Czukay. Dazu gibt es zwei bislang unveröffentlichte Livemitschnitte aus dem Jahr 2001.
Die Räucherstäbchen kokeln schon lange
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Eno gründete Opal Records 1988 und etablierte das Label innerhalb weniger Jahre als Zufluchtsort für Musik, die sonst nirgendwo hinpasste. Veröffentlichungen von Harold Budd, Laraaji, Jon Hassell, John Cale, Daniel Lanois lesen sich heute wie eine Ahnenreihe der spirituellen Ambient-Szene. Eno bezeichnete Opal deshalb auch als "Label für Außenseiter". 1991 drückte er dennoch auf Pause. Der Backkatalog wanderte zum britischen Label All Saints. Opal blitzte nur noch sporadisch auf, mal als Record-Store-Day-Release, mal als Ambient-App wie Bloom.
Über 30 Jahre später reaktiviert Eno das Label für Reissues. Ein Prozent der Erlöse aus zukünftigen Opal-Veröffentlichungen sollen außerdem an EarthPercent, Enos eigene Klimastiftung, fließen. Erhältlich werden die Alben digital, physisch und auf Vinyl sein, inklusive limitierter Farbpressungen für die, die so etwas noch sammeln. Wer geglaubt hat, Eno mache nur noch politisch motivierte Kunstprojekte und leuchtende Plattenspieler für unvernünftiges Geld, wird hier jedenfalls eines Besseren belehrt.
Foto: Raph_PH - BEnoBarbican231022, CC BY 2.0,
