Meilenstein für die Clubkultur: Hier erlaubt Berlin spontane Raves per Online-Anmeldung
Friedrichshain-Kreuzberg schafft erstmals eine legale Fläche für Free-Open-Airs in Berlin. Die Anmeldung soll künftig digital und kurzfristig funktionieren – bürokratische Hürden bleiben aber bestehen.
Berlin bekommt seine erste offiziell legalisierte Fläche für nichtkommerzielle Open-Air-Veranstaltungen. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat einem entsprechenden Antrag der Linksfraktion zugestimmt, der bereits im März eingebracht worden war. Damit reagiert der Bezirk auf eine seit Jahrzehnten bestehende Praxis, die bislang ohne rechtliche Grundlage auskommen musste. Spontane Free-Open-Airs waren in der Hauptstadt zwar kulturell fest verankert, bewegten sich aber durchgehend in einer rechtlichen Grauzone.
Als Standort ist eine teilversiegelte Fläche im Park am Gleisdreieck vorgesehen, in der Nähe des Skateparks und des Parkmanagement-Gebäudes. Die Örtlichkeit bringt bereits jetzt entscheidende Vorteile mit: Toiletten, ein Trinkbrunnen, Erste-Hilfe-Versorgung mit Defibrillator sowie eine gute Anbindung über die Station Yorckstraße sind vorhanden. Auch die Distanz zur nächstgelegenen Wohnbebauung sowie die Nähe zur ohnehin stark frequentierten Bahntrasse sprechen aus Lärmschutzperspektive für den Ort.
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Kernstück der neuen Regelung ist ein digitales Anzeigeverfahren. Veranstalter:innen sollen ihre nichtkommerziellen Events zwischen 72 und 24 Stunden im Voraus anmelden können. Nach behördlicher Freigabe dürfen die Feiern stattfinden. Musik ist dabei bis 22 Uhr gestattet, auch sonntags. Das Modell orientiert sich an bereits etablierten Konzepten aus Städten wie Halle und Bremen, wo ähnliche Verfahren seit Jahren praktiziert werden.
Berlin - Konzept muss sein
Bevor die Fläche tatsächlich genutzt werden kann, sind allerdings noch mehrere Schritte nötig. Vorgesehen sind unter anderem ein Sicherheitskonzept, ein Naturschutzkonzept sowie eine Immissionsprognose. Aus diesen Gutachten soll ein sogenannter Flächensteckbrief entstehen, der Eckpunkte wie die maximale Besucher:innenzahl, Lärmgrenzen und die zulässige Anzahl an Veranstaltungen pro Jahr festlegt. Erst im Anschluss sind Testevents geplant, um die Praxistauglichkeit der Regeln zu überprüfen.
Ohne bürokratischen Aufwand dürfte also auch ein spontaner Rave nicht umzusetzen sein. Dennoch: Mit dem Beschluss erkennt Friedrichshain-Kreuzberg die Free-Open-Air-Kultur erstmals als offiziellen Teil der kulturellen Infrastruktur der Stadt an. Das dürfte auch potenzielle Vorbildwirkung für andere Bezirke haben.
Der Park am Gleisdreieck entstand auf einem ehemaligen Bahn- und Güterareal zwischen Kreuzberg und Schöneberg und zählt seit seiner Eröffnung 2011 zu den größten neuen Grünflächen Berlins. Das Gelände, jahrzehntelang von Gleisanlagen und Industriebrache geprägt, wurde nach langer Planungs- und Bürgerbeteiligungsphase in einen weitläufigen Landschaftspark mit Sport-, Spiel- und Freizeitflächen umgewandelt.
Foto: Lienhard Schulz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
