Wien plant die Zukunft seiner Clubkultur. Beim Symposium der Vienna Club Commission diskutierten 100 Akteur:innen über Nachtpolitik als Stadtpolitik.
Die Vienna Club Commission (VCC) hat ein Symposium zum Thema Clubkultur veranstaltet. Rund 100 Akteur:innen aus Politik, Verwaltung, Clubkultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten über die Perspektiven einer Stadt, die ihr Nachtleben zunehmend als strategische Ressource begreifen will.

Clubkultur soll nicht länger als geduldetes Randphänomen verwaltet, sondern als aktiver Bestandteil urbaner Infrastruktur behandelt werden. Das Leitmotiv: "Nachtpolitik ist Stadtpolitik." Geht es nach der VCC, soll diese künftig gleichrangig mit Wohnungsbau, Verkehr oder Wirtschaftsförderung sein. Die Themen auf der Agenda spiegelten diese Ambition. Im Wiener Rathaus diskutierte man über Standortsicherung, Lärmschutzfragen, Fördermechanismen, Internationalisierung, Sicherheit und Jugendkultur.
Synergien schaffen
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler formulierte die Linie klar: Clubs seien Orte künstlerischer Innovation und gesellschaftlicher Begegnung. Und damit mehr als Freizeitinfrastruktur, die man bei Gelegenheit opfert. Wiens Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling ergänzte den Integrationsaspekt: Nachtleben als Ort, an dem verschiedene Lebenswelten aufeinandertreffen, sei auch eine Teilhabefrage. Und: Clubkultur sei in Wien ein Standortfaktor, der junge Talente und internationale Fachkräfte anzieht, so SPÖ-Gemeinderat Alexander Ackerl.
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Das Symposium markierte zugleich den fünften Jahrestag der VCC. Die Interessenvertretung für Clubkultur existiert seit 2022 als Schnittstellenorganisation zwischen Szene und Verwaltung. Seitdem hat die Commission eine beachtliche Aktivitätsdichte entwickelt. Zuletzt setzte man legale Open-Air-Flächen auf der Donauinsel unter dem Projekt "Free Spaces" um. Zudem entwickelte man eine neue Awareness-Mappe als Orientierungshilfe für Veranstalter:innen im Rahmen des novellierten Wiener Veranstaltungsgesetzes, das erstmals verbindliche Awareness-Strukturen für größere Events vorschreibt. 2024 fand die internationale Konferenz "Vienna After Dark" statt, die Wien 2024 erstmals auf der Landkarte europäischer Nachtkulturgipfel platzierte.
VCC-Geschäftsführerin Martina Brunner sprach nach dem Symposium von einem wichtigen Schritt in Richtung "24-Stunden-Stadt". Die Ergebnisse aus fünf thematischen Arbeitsgruppen werden nun ausgewertet und sollen direkt in die Weiterentwicklung der Wiener Nachtpolitik einfließen. Im Zentrum stehen langfristige Sicherung clubkultureller Infrastruktur, faire Rahmenbedingungen für Veranstalter:innen und eine Stadtplanung, die Clubräume als Daueraufgabe versteht.
Fotos: Foto von Soheil Alizadeh auf Unsplash | Foto: Presse-Service der Stadt Wien / David Bohmann
