Manchmal kommt die Pop-Hierarchie kurz durcheinander – so wie diese Woche in den britischen Charts. Ex-Beatle Paul McCartney wäre dort mit seinem 18. Solo-Album "The Boys of Dungeon Lane" gerne auf der Eins gelandet. Doch Boards of Canada haben was dagegen.
Das schottische Elektronik-Duo schiebt McCartneys neues Werk auf Platz 2 und schreibt dabei gleich mehrere kleine Chartgeschichten auf einmal. Konkret: "Inferno" springt auf dem Official Album Downloads Chart, dem Ranking der meistverkauften Downloadversionen auf Plattformen wie iTunes, direkt auf Platz 1.
Für Boards of Canada ist es die erste Nummer 1 überhaupt. McCartneys zweiter Platz ist immerhin besser als der dritte Platz, den er mit "McCartney III" Ende 2020 erreicht hatte. Auf allen anderen britischen Charts der Woche führt McCartney derweil unangefochten.
Nur beim Download hat es nicht gereicht. Ein Umstand, den man einordnen muss. Denn: Downloads sind 2026 kein Massenformat mehr. Sie sind die Domäne von Fans, die bewusst kaufen. Und in dieser Disziplin schlägt eine der kultischsten Fanbases der elektronischen Musikgeschichte offenbar auch einen ehemaligen Beatles-Star.
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Boards of Charts
Mike Sandison und Marcus Eoin, die beiden Brüder hinter Boards of Canada, gelten seit den späten Neunzigern als eine der einflussreichsten Stimmen im elektronischen Undergroundkosmos. Mit Alben wie "Music Has the Right to Children" (1998) oder "Tomorrow's Harvest" (2013) haben sie sich einen Legendenstatus in der Electronica-Sparte erarbeitet.
"Inferno" ist das fünfte Studioalbum von Boards of Canada und ihr erstes seit dreizehn Jahren. Von seinem Titel bis zu seinem Klang buchstabiert das Album eine Beklemmung aus, die Boards of Canada bereits auf früheren Alben andeuteten. Songs wie "Somewhere Right Now in the Future", "Memory Death" und "The Process" adressieren diesen Zustand nun aber direkter.
Dennoch: McCartney ist Weltstar, seine Platten streamen Millionen. Boards of Canada sind groß in der sogenannten Szene, bedienen aber nach wie vor eine Nische. Allerdings steht hinter ihnen eine Fangemeinde, die dreizehn Jahre auf ein Album gewartet hat und dieses jetzt mit maximaler Intention erwirbt. Genau das bilden die Download-Charts ab. Und deshalb steht dort diese Woche nicht Paul McCartney ganz oben.