Seit 2017 hängt das Team rund um den DJ und Produzenten Solomun zum Saisonauftakt seiner Residency "Solomun+1" einen Flyer aus: Handys wegstecken, Musik feiern. Zum Auftakt der diesjährigen Saison am 1. Juni verlieh der Bosnier seiner Haltung auf Instagram noch einmal Nachdruck.
"Die Musik klingt anders, wenn man wirklich drin ist. Der Raum fühlt sich anders an, wenn die Handys weg sind. Die Nacht bleibt länger bei einem, wenn man sie wirklich gelebt hat", schreibt Solomun auf Instagram.
Dass es nicht bei Worten bleibt, zeigt ein viral gegangenes Video vom Eröffnungswochenende des Pachas. Solomun greift während seines Sets kurzerhand nach dem Handy eines Besuchers, der gerade filmt, anstatt zu tanzen. Keine große Geste, aber eine, die im Netz schnell die Runde machte und die Debatte zur Handynutzung neu entfachte.
Hände statt Handy hoch
Denn handyfreie Veranstaltungen sind längst kein Nischenprojekt mehr. Laut Daten des Ticketingdienstleisters Eventbrite stiegen solche "phone free"-Events zwischen 2024 und 2025 weltweit um 567 Prozent. Was einmal in den Berliner Kellern des Berghain oder im Londoner Fabric als Clubkulturprinzip galt, ist inzwischen im Mainstream angekommen.
Auf Ibiza selbst zieht die Bewegung spürbar an. Die Veranstaltungsreihe Solid Grooves hat für die gesamte Saison 2026 im DC-10 ein vollständiges Handyverbot angekündigt. Ibiza-Clubs wie Hï Ibiza oder Pikes haben das schon 2024 getan. Ihr Ansatz: Was auf dem Dancefloor passiert, soll auf dem Dancefloor bleiben.
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Allerdings habe die Dokumentationsdichte in Clubs mittlerweile "dystopische Züge" angenommen, so ein DJ-Mag-Feature von 2025. Große Momente würden nicht mehr erlebt, sondern für Social-Media-Inhalte genutzt. Das verändere auch die Art, wie DJs performen. Und: in manchen Fällen sogar den Sound selbst.
Immer wieder sonntags
"Solomun+1" gehört zu den beständigsten Institutionen des europäischen Clublebens. Die Residency im Pacha läuft nun im zwölften Jahr, jeden Sonntag von Ende Mai bis Anfang Oktober. Das Konzept: Solomun selbst legt auf, dazu kommt ein Gastact. Heuer eröffneten Kimonos die Saison an seiner Seite.
Die Frage, ob eine freundliche Bitte zur Unterlassung der Handynutzung ausreicht oder ob härtere Maßnahmen wie Handyschließfächer oder das Abkleben der Kameras nötig sind, muss sich Solomun angesichts der vielen Videos von seinen Pacha-Sets dennoch gefallen lassen. Der Flyer hängt jedenfalls seit neun Jahren an der Eingangstür des Pachas aus.