Nach 13 Jahren Schweigen steht das neue Boards-of-Canada-Album "Inferno" kurz vor der Veröffentlichung. Viele Fans toben aber gerade wegen eines anderen Vorfalls: Am 28. Mai 2026 veröffentlichte die Trump-Administration auf ihrem offiziellen X-Account einen 15-sekündigen Clip mit dramatischen Militärbildern. Der Aufreger: Das Video ist mit "Deep Time" unterlegt, einem Track vom neuen Album der schottischen Electronica-Musiker.
Das Weiße Haus kopierte im Video nicht nur den Sound, sondern auch das visuelle Vokabular von Boards of Canada. Der Clip ist im VHS-Stil gehalten, der erkennbar an die mysteriösen "Tapes" aus dem Album-Rollout angelehnt war. "Es ist, als hätten sieLocal 58's 'Contingency' gesehen und die Satire nicht begriffen", bringt es ein Reddit-User auf den Punkt.
Rechtlich heikel
Die rechtliche Dimension des Vorfalls ist eindeutig heikel. Künstler wie The White Stripes, Isaac Hayes und Eddy Grant haben die Trump-Administration bereits wegen der unerlaubten Nutzung ihrer Musik verklagt. Andere wie Rihanna, Neil Young, die Rolling Stones, ABBA, Pharrell Williams und Queen verschickten Unterlassungsaufforderungen oder drohten öffentlich mit rechtlichen Schritten. Ob Warp Records ähnlich reagiert, ist zunächst unklar.
In der Fangemeinschaft forderten viele allerdings umgehend juristische Konsequenzen. "Warp muss sofort eine Unterlassungserklärung schicken", hieß es auf Reddit weiter. Andere kommentierten bitterer: "Das ist das genaue Gegenteil von BoC – es gibt nicht genug Kraftausdrücke dafür."
Dass ausgerechnet Boards of Canada für diesen Zweck instrumentalisiert wurden, besitzt eine besondere Ironie. Die Band hat ihr Werk stets als klingenden Kommentar zu einer aus den Fugen geratenen Welt entworfen. Genau jene ästhetische Sprache hat nun die Trump-Administration gekapert, um imperialistische Militärpower zu bebildern. Ein User brachte es nüchtern auf den Punkt: "Es ist fast schon Kunst in sich – weil es so treffend illustriert, wovon die Musik ohnehin handelt."