Ein Berliner Vorzeigeprojekt kämpft ums Überleben. ICK MACH WELLE, seit Jahren eine der bemerkenswertesten Initiativen an der Schnittstelle von Clubkultur und Inklusion, steht wegen wegbrechender Fördergelder vor dem Ende.
Das Team arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit März dieses Jahres ohne Vergütung, während die laufenden Betriebskosten aus privaten Mitteln bestritten werden. Ein unhaltbarer Zustand, der exemplarisch zeigt, wie fragil die Finanzierungsgrundlagen unabhängiger Kulturarbeit in Berlin geworden sind.
ICK MACH WELLE existiert seit 2018 und geht auf eine Kooperation zwischen dem Berliner Label KILLEKILL und dem "Familienentlastenden Dienst" der Lebenshilfe Berlin gGmbH zurück. Das Konzept legte man von Anfang an praxisnah aus. In einem Studio in Berlin-Friedrichshain sollen Menschen mit Behinderung das Produzieren elektronischer Musik lernen. Unterstützung kommt von professionellen Musiker:innen und Pädagog:innen.
Was als Workshop-Reihe begann, wuchs über die Jahre zu einem ernstzunehmenden Netzwerk mit eigenem künstlerischen Profil. Aus dem Projekt hervorgegangene Künstler:innen – darunter Schrunzel, Der blaue Schmetterling, MC Kohn, DJ Marla Roots oder die Band Wellen.Brecher – traten unter anderem im Berghain, im ://about blank, auf dem Fusion Festival oder bei der Superbooth auf. Gleichzeitig existiert mit IMW Records seit 2024 ein eigenes Label, das erste Veröffentlichungen wie die Dub-Reggae-EP "Paradiso" des Duos Für Elise oder das Hardtechno-Album "This Is Just The Beginning" von DJ AnDi herausgebracht hat.
Projekte wie ICK MACH WELLE waren in der Vergangenheit auf Förderung durch das Musicboard Berlin, die Initiative Musik sowie die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien angewiesen. Allesamt Strukturen, die durch die anhaltenden Kulturkürzungen in Berlin und auf Bundesebene zunehmend unter Druck geraten.
Das Team von ICK MACH WELLE gibt sich trotzdem kämpferisch. Über eine laufende Crowdfunding-Kampagne sowie neue Förderanträge will man versuchen, den Betrieb zu sichern. Unter dem Titel "Alle oder keine:r" ist für den 20. Juni 2026 auch eine große Soliparty geplant – mit vier Floors und 19 Acts, die das Projekt und seine Botschaft in die Breite tragen sollen. Gleichzeitig erscheint mit "SUPERBRAINS VOL. 2" eine neue Compilation, die das künstlerische Gewicht der Initiative einmal mehr unter Beweis stellt.
