Es ist offiziell: Boards of Canada haben sich zurückgemeldet. Das schottische Duo Marcus und Michael Sandison veröffentlichte auf seinem YouTube-Kanal und über das Warp-Label einen knapp dreiminütigen Track namens "Tape 5". Es ist der erste neue Musik-Output seit dem Album "Tomorrow's Harvest" von 2013.
Das Comeback ist das Ergebnis einer ebenso rätselhaften wie akribisch geplanten Teaser-Kampagne. Bereits im Frühjahr 2025 tauchte eine seit Jahren im 404-Fehler versunkene Website wieder auf. Anfang April 2026 berichteten Fans auf Discogs und Reddit, dass sie VHS-Kassetten mit dem charakteristischen Sechseck-Logo der Band erhalten hatten. Der Inhalt: Audiomaterial einer christlichen Bibelschul-Zeitschrift, die seit 1991 nicht mehr erscheint. Kurz darauf erschienen Plakate in London, New York und Tokio im Stil des Artworks von "Music Has the Right to Children".
Auf Reddit überschlug sich die Fanbase. "Ich hatte schon Angst, dass ich das neue Material okay finden und so tun müsste, als wäre ich begeistert", schrieb ein User. Andere beschrieben den Moment, an dem der Track in den helleren zweiten Teil kippt, als "schwer in Worte" zu fassen. Mehrfach fiel der Vergleich zu Oneohtrix Point Never – einem Künstler, dem nachgesagt wird, dort weitergemacht zu haben, wo BoC aufgehört haben.
Ob "Tape 5" der Vorgeschmack auf ein kommendes Album ist, bleibt hingegen offen. Weder Boards of Canada noch ihr Label Warp Records haben den Release kommentiert. Ein Reddit-Nutzer zieht dafür Parallelen zur Veröffentlichungsstrategie rund um "Tomorrow's Harvest", als vorab ein Stück veröffentlicht wurde, das letztlich in einen Album-Track einfloss.

Dass ein dreiminütiger Track über 13 Jahre nach dem letzten Lebenszeichen eine weltweite Welle der Begeisterung auslöst, unterstreicht jedenfalls den Ausnahmestatus von Boards of Canada. Das Duo gilt als prägende Instanz der elektronischen Musik und hat mit Alben wie "Music Has the Right to Children" (1998) und "Geogaddi" (2002) ein ganzes Genre definiert.