Ausnahme für Kult-Clubs: Warum Heidelberg am Wochenende doch bis 5 Uhr feiern darf
Ab dem 17. April gelten in Heidelbergs Altstadt strenge neue Sperrzeiten. Doch das Cave 54 und der Club 1900 haben eine Ausnahmegenehmigung – und dürfen die Nacht weiter durchfeiern. Was steckt dahinter? Und wie lange gilt die Ausnahme noch?
Eigentlich sollte ab dem 17. April in der Heidelberger Altstadt Schluss sein mit langen Nächten. Die Stadtverwaltung hat nach dem rechtskräftigen VGH-Urteil eine neue Sperrzeitenverordnung erlassen. Für zwei der traditionsreichsten Clubs der Stadt gelten die neuen Regeln jedoch nicht – zumindest nicht sofort. Das Cave 54 in der Krämergasse und der Club 1900 an der Hauptstraße verfügen über eine zeitlich befristete Ausnahmegenehmigung von der Sperrzeitenverordnung, die nach Inkrafttreten der neuen Regeln weiterhin Bestand hat.
Konkret bedeutet das: Während in der Kernaltstadt andere Betriebe unter der Woche bereits um Mitternacht und an den übrigen Abenden um 1 Uhr schließen müssen, dürfen das Cave 54 und der Club 1900 unter der Woche bis 3 Uhr und am Wochenende sogar bis 5 Uhr geöffnet lassen. Für die Clubs ist das mehr als eine Erleichterung. Cave-Betreiber Rico Riedmüller hatte im Vorfeld klar gemacht, dass das Cave die neuen Sperrzeiten ohne Ausnahmeregelung nicht überstehen würde.
Ausnahmen bestätigen die Lösung
Der Weg zu dieser Lösung war alles andere als selbstverständlich. Bereits im Oktober 2024 hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg entschieden, dass für einen Teil der Kernaltstadt schärfere Sperrzeiten gelten müssen. Die Stadt legte Rechtsmittel ein, doch das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde im Februar 2026 ab, womit das Urteil rechtskräftig wurde. Oberbürgermeister Eckart Würzner kritisierte die Regelung als unverhältnismäßig, betonte aber zugleich, keinen Ermessensspielraum mehr zu sehen. Die Entscheidung des VGH war nicht mehr zu ändern.
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Dass die Ausnahmegenehmigungen für das Cave 54 und den Club 1900 nun weiter gelten, ist das vorläufige Ende eines langen Ringens. Endgültig ist es jedoch nicht. Die aktuellen Genehmigungen sind befristet. Beide Clubs können jedoch neue Anträge stellen. Die erforderlichen Lärmgutachten habe man bereits vorgelegt, so die Betreiber Riedmüller und Werner Schäfer (Club 1900). Der Weg für eine dauerhafte Lösung ist damit geebnet.
Studierende dagegen, Anrainer dafür
Hintergrund der verschärften Sperrzeiten ist ein jahrelanger Konflikt zwischen Nachtleben und Anwohnerschaft in Heidelbergs Kernaltstadt rund um die Untere Straße. Traditionell prägte dort eine lebhafte Club- und Kneipenzone das Bild der Universitätsstadt, mit dem Cave 54, dem Club 1900 und der Tangente als Fixpunkten des studentischen Nachtlebens.
Die Stadt hat parallel zur Rechtslage bereits umfangreiche Maßnahmen eingeleitet. Seit Januar 2025 wurden über 2.000 Einsatzstunden des Kommunalen Ordnungsdienstes geleistet und mehr als 7.800 Einzelmaßnahmen umgesetzt. Zudem läuft seit Ende 2025 das Projekt "Heidelberg Acoustic Research Project", das mit Sensoren an mehreren Altstadt-Standorten denUmgebungslärm in Echtzeit erfasst.