Die gesellschaftliche Akzeptanz queerer Menschen geht zurück. Das zeigen Daten, die das Marktforschungsinstitut Ipsos im neuen LGBT+ Pride Report 2026 gesammelt hat. Was vor fünf Jahren noch wie ein zivilisatorischer Fortschritt wirkte, verliert aber nicht nur in Deutschland an Rückhalt.
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Für die Studie befragte Ipsos zwischen Ende April und Anfang Mai 2026 knapp 19.000 Menschen in 26 Ländern. In Deutschland waren es rund 1.000 Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren. Das Ergebnis: Nur noch 44 Prozent der Deutschen halten es für richtig, dass queere Personen offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen. Damit liegt Deutschland sogar hinter Ländern wie Irland, Polen und den USA sowie unter dem internationalen Durchschnitt von 49 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich der Gegenwind beim Thema Trans*-Personen. Nur noch 39 Prozent der Deutschen befürworten, dass die Krankenkasse geschlechtsangleichende Behandlungen übernimmt. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als noch im Vorjahr. Im Sport ist die Ablehnung noch ausgeprägter. Lediglich 22 Prozent der Befragten unterstützen das Recht von Trans*-Athlet*innen, im selbst definierten Geschlecht anzutreten.
Auch die Unterstützung "öffentlicher Zuneigungsbekundungen", also die Wertschätzung gegenüber queeren Paaren, sinkt ebenso wie die Zustimmung zu mehr Repräsentation in Medien und Werbung. Unternehmen, die sich aktiv für queere Gleichberechtigung einsetzen, finden außerdem nur 40 Prozent der Deutschen gut, so der Ipsos-Report.
In Deutschland herrsche zwar noch Konsens darüber, dass Diskriminierung verhindert werden müsse, sagt Ipsos-Sprecher Rouven Freudenthal. Allerdings bröckle die Zustimmung zu konkreten Rechten und sichtbarer Repräsentation spürbar. Deutschland folge damit, mit etwas Verzögerung, einem globalen Trend, der in den USA besonders deutlich sichtbar geworden sei.
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Das zeigt sich auch in den dokumentierten Angriffen gegen queere Menschen. Allein 2025 wurden in Deutschland über 2.000 queerfeindliche Straftaten polizeilich erfasst. Fachleute gehen allerdings von einer massiven Dunkelziffer aus. So sollen 96 Prozent der Fälle von Hassrede gegen queere Menschen erst gar nicht angezeigt werden, heißt es in einer Studie der Europäischen Grundrechteagentur. Gleichzeitig hat die aktuelle Bundesregierung den in der vergangenen Legislaturperiode beschlossenen Aktionsplan "Queer leben" nicht mehr umgesetzt.
Der Ipsos LGBT+ Pride Report wird seit 2021 jährlich zum Pride Month erhoben. Ipsos ist eines der größten Marktforschungsunternehmen der Welt mit Sitz in Paris; die Studie gilt als eine der umfangreichsten regelmäßigen Erhebungen zu Einstellungen gegenüber queeren Menschen weltweit.