Rettung für Berliner Vinyl-Presswerk: Pariser Kult-Label Yoyaku übernimmt OBJECTS Manufacturing

Rettung für Berliner Vinyl-Presswerk: Pariser Kult-Label Yoyaku übernimmt OBJECTS Manufacturing

News. 19. Mai 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

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Das Pariser Underground-Netzwerk Yoyaku übernimmt das insolvente Berliner Presswerk OBJECTS Manufacturing – und will damit eine unabhängige Vinyl-Infrastruktur für Europa aufbauen.

Es war eine der unangenehmeren Nachrichten des vergangenen Herbstes für die europäische Vinylszene: OBJECTS Manufacturing, das Berliner Presswerk, das sich einen Ruf als verlässlicher Partner für unabhängige Labels erarbeitet hatte, meldete im Oktober 2025 Insolvenz an. Gestiegene Produktionskosten und ein hart umkämpfter europäischer Markt hatten das Werk in die Knie gezwungen. 

Nun hat das Vertriebs- und Labelnetzwerk Yoyaku die Vermögenswerte von OBJECTS Manufacturing übernommen. Damit ist der Fortbestand des Presswerks gesichert. Yoyaku-Gründer Benjamin Belaga verlässt dafür Paris und übersiedelt nach Berlin, um die Geschäftsführung des Presswerks persönlich zu übernehmen. Ein Großteil des bisherigen Teams bleibt an Bord, darunter Firmengründer Jeremy Guillot. Dadurch soll das Know-how in Galvanik, Pressung, Qualitätskontrolle und Logistik erhalten bleiben.

Technisch ist das Werk gut aufgestellt: Mehrere spezielle Vinyl-Pressen sowie eine eigene Galvanik-Linie ermöglichen es, den gesamten Produktionsprozess – von der Lackfolienbearbeitung über die Stamper-Produktion bis zur fertigen Pressung – weitgehend intern abzuwickeln. Yoyaku will damit eine dauerhafte Produktionsbasis für unabhängige Labels in ganz Europa schaffen.

Daumen hoch für Vinyl

Die Übernahme dürfte ein deutliches Zeichen für die Produktion von Vinyl in Nischengenres sein. Dabei war die Insolvenz von OBJECTS kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Spannungen, die den Vinylmarkt seit einigen Jahren prägen. Einerseits boomt das Medium: In Deutschland wurden 2024 rund fünf Millionen Schallplatten verkauft, nach einem historischen Tiefpunkt von 300.000 Exemplaren im Jahr 2006. Laut der Vinyl Alliance wird der Markt mittlerweile maßgeblich von der Gen Z getragen.

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Andererseits hat sich das Geschäftsmodell für kleine und mittelgroße Akteure erheblich verschlechtert. Preisanstiege entlang der gesamten Produktionskette um Rohstoffe, Energie, Versand und Mindestlohn haben dazu geführt, dass eine LP unter 25 Euro zur Seltenheit geworden ist. Labels pressen kleiner, Plattenläden kalkulieren vorsichtiger. Außerdem verabschieden sich viele DJs mangels Kosteneffizienz von der 12-Inch. Presswerke, die nicht auf das Volumen der Majors setzen können, geraten dabei besonders unter Druck.

Wer ist Yoyaku?

Umso positiver dürfte die Vinylszene die Übernahme von Yoyaku aufnehmen. Wer den Pariser Plattenladen bisher nur als Thumbnail aus den gestreamten In-Store-Sessions kannte, erlebt hier jedenfalls eine Transformation. 

Seit 2015 hat sich das Netzwerk um Benjamin Belaga zwar als kuratorische Instanz für House, Minimal, Dub Techno und Ambient etabliert. Mit dem Schritt nach Berlin und in die Produktion wächst Yoyaku nun in eine Rolle hinein, die weit über die eines Labels mit YouTube-Kanal hinausgeht. Die Übernahme von OBJECTS ist nichts anderes als ein Bekenntnis zu physischer Infrastruktur als kulturpolitischem Projekt.

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