Der Dortmunder Ableger des Berliner Tresor schließt zum Jahresende. Gründer Dimitri Hegemann erklärt, woran es liegt und was mit den Räumen passieren soll.
Der Tresor.West in Dortmund macht zum Jahresende zu. Für die Kellergewölbe auf dem Gelände von Phoenix West in Hörde sucht der Ableger des Berliner Tresor nun Nachfolger:innen. Bewerbungen sind bis zum 15. November 2026 möglich.
Einen konkreten Grund für das Ende nennt das Team um den Tresor.West nicht. Es spricht von einem "Experiment, das Spuren hinterlassen" habe, und davon, dass es in der "jetzigen Form" nicht weitergehe. Etwa 400 Gäste pro Abend brauche der Club demnach, um sich zu tragen, so Gründer Dimitri Hegemann. Trotz treuer Stammgäste sei diese Marke nicht erreicht worden. Seit der Pandemie habe er vier Jahre lang immer wieder Geld nachgeschossen, sagt Hegemann.
Kein Stempel für den Pott
Als Ursachen nennt Hegemann außerdem die Entwicklungen der ganzen Branche. Höhere Kosten und ein Publikum, das im Sommer auf Festivals abwandert und eher Event-Marken und einzelnen DJs folgt als einem Genre-Club, trage ein reines Techno-Programm nicht mehr. Hinzu komme, dass immer mehr Treffpunkte von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten werden, was es für einen Club mit bezahlter Belegschaft nicht leichter macht. Und: Die Marke "Tresor" in den Westen zu tragen, ohne ihr einen Ruhrpott-Stempel zu verpassen, sei womöglich ein Fehler gewesen.
Der Berliner Tresor eröffnete 1991 im Tresorraum eines früheren Kaufhauses und gilt als erster offizieller Technoclub der Stadt. Das gleichnamige Label brachte Detroit nach Berlin, mit Veröffentlichungen von Underground Resistance, Jeff Mills und Robert Hood. 2005 musste der Club seinen Standort räumen, 2007 zog er ins Heizkraftwerk Mitte. Hegemann, der aus Westfalen stammt, eröffnete den Dortmunder Ableger im Winter 2019. Innen passen rund 750 Leute hinein, dazu kommt ein Garten von 2.000 Quadratmetern.
Wer übernimmt den Club?
Die Krise im Tresor.West war bekannt. Anfang 2025 machte der Club seine finanzielle Lage selbst öffentlich und rief unter #SaveTheUnderground die Community Nights aus. Bei freiem Eintritt und unangekündigten Line-ups sollte ein niederschwelliger Zugang zu Clubkultur in Dortmund möglich werden. Laut einer Umfrage der Live Initiative NRW steckten damals 77 Prozent der Clubs im Land in ähnlichen finanziellen Schwierigkeiten.
Mit dem Ende des Tresor.West endet dieses "radikale Experiment", wie Hegemann einst sagte. Die Ausschreibung für einen Nachfolge-Club richtet sich an Veranstalter:innen, Kollektive und Gastronom:innen mit tragfähigem Konzept. "Was wir hier aufgebaut haben, soll nicht verloren gehen", so Hegemann. Bis Dezember folgen Closing-Nächte, Termine will der Club noch bekanntgeben.
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