SoundCloud will vom Streamer zu Bandcamp 2.0 werden. Ab sofort können ausgewählte Artists ihre Tracks direkt im eigenen Profil verkaufen. Und zwar ganz ohne Provision.
SoundCloud testet eine Funktion, mit der ausgewählte Artists ihre Tracks direkt über ihr eigenes Profil verkaufen können. Fans sollen damit erstmals Tracks auf der Streamingseite kaufen können, ohne die Seite zu verlassen. Außerdem will SoundCloud dafür keine Provision einbehalten.
Zum Vergleich: Der direkte Konkurrent Bandcamp verlangt zwischen zehn und fünfzehn Prozent, bei Beatport landt teils nur die Hälfte bis zwei Drittel des Verkaufspreises bei den Producer:innen. SoundCloud will das mit null Prozent unterbieten. Zumindest fürs Erste, denn ob das nach dem offiziellen Rollout auch für alle so bleibt, hat das Unternehmen in seiner Erklärung nicht erläutert.
Vom Streamer zum Tausendsassa
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Dass SoundCloud den Bandcamp-Klon macht, ist nachvollziehbar. Nach eigenen Angaben verlinken über 250.000 Artists mittlerweile mehr als 2,4 Millionen Tracks zu externen Verkaufsseiten. SoundCloud hat also lange zugesehen, wie eine halbe Million Nutzerinnen pro Jahr die Plattform verlassen, nur um woanders auf "Kaufen" zu klicken. Nun will man diesen Umweg ausschließen. Losgehen soll es zunächst nur mit rund 200 zahlenden US-Creators mit Pro-Abo, eine breitere Verfügbarkeit ist für den Herbst angekündigt. Wer außerhalb der USA sitzt, muss sich also gedulden.
Der Strategiewechsel bei SoundCloud zeichnet sich allerdings nicht erst seit dem Vorstoß ins Bandcamp-Becken ab. Spätestens seit der Übernahme der kollabierten Indie-Plattform Nina Protocol zeigt sich: SoundCloud sammelt ein, was von finanziell fragileren Alternativen übrig bleibt, und bündelt es in der eigenen Infrastruktur.
Damit hat die Seite in den letzten Jahren ein zweites Leben hingelegt. Vom fast verglühten Streamingpionier zur Plattform, die sich Stück für Stück als komplettes Ökosystem für unabhängige Musiker:innen neu erfindet – mit Distribution, Fan-Spenden, Vinyl-on-Demand und nun offenbar auch dem letzten großen Puzzleteil: dem Direktverkauf von Musik.
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