Als erstes Synth-Release nach der Übernahme von Moog durch InMusic erblickte im Juli 2024 der Moog Labyrinth nach zahlreichen Leaks endlich das Licht der Welt. Verpackt im gleichen Formfaktor wie Mother 32, DFAM, Spectravox und Subharmonicon kommt er ausgestattet mit einer parallelen Stimmarchitektur und einem generativen Sequencer daher. Ob das neuste Mitglied der semimodualren Desktop-Synth-Familie die bekannten Standards von Moog beibehält oder ob die Übernahme durch InMusic Einfluss auf die Qualität von Labyrinth genommen hat, erfahrt ihr in diesem Test.
Quick Facts
- Zwei generative Sequencer
- Zwei parallele analoge Signalwege
- Semimodularer Aufbau
- Eurorack-kompatibel
Verarbeitung und Haptik
Mit Abmessungen von 326 x 107 x 143 mm und einem Gewicht von 1,5 kg reiht sich der Labyrinth in Moogs Desktop-Synth-Reihe ein. Wie schon die vorherigen Synthesizer Mother 32, DFAM, Spectravox und Subharmonicon, lässt sich auch der Labyrinth mit einer Breite von 60 TE / HP problemlos in ein Eurorack-System integrieren. Die Verarbeitung des Metallgehäuses erfüllt den typischen Moog-Standard und macht einen sehr stabilen und durablen Eindruck. Die ebenfalls typischen Seitenverkleidungen aus Holz runden dabei den edlen Look des Geräts ab.
Die Drehregler fühlen sich allesamt gewohnt hochwertig verarbeitet an und lassen sich angenehm bedienen. Die wichtigsten Funktionen, wie Frequency und Filter-Cutoff besitzen dabei die schicken Moog-typischen großen Potis, während weniger wichtige Funktionen mit kleinen Plastik-Potis auskommen. Das Gerät kommt mit recht wenigen Tasten aus, welche meist sehr klein ausfallen, aber dennoch einen klaren Anschlagspunkt besitzen. Die Patch-Punkte der semimodularen Matrix sind ebenfalls gewohnt hochwertig verarbeitet und sind stets übersichtlich gekennzeichnet.
Was die Ein- und Ausgänge des Moog Labyrinth betrifft, hat er neben der semimodularen Matrix jedoch nicht sonderlich viel zu bieten. Er besitzt lediglich ein Mono-Ausgang im 6,35 mm Klinken-Format und genau, wie auch schon der DFAM, Spectravox und Subharmonicon, kein herkömmlichen DIN-MIDI-Ein- oder -Ausgang. Eine MIDI-Verbindung ist aber trotzdem möglich, denn es steht ein 3,5 mm TRS-MIDI-Anschluss in der Modular-Matrix zur Verfügung. Wer den Labyrinth außerhalb eines modularen Setups per MIDI ansteuern möchte, benötigt also zusätzlich einen passenden Adapter, da dem Gerät kein eigener Adapter beiliegt.

Parallelen Signalwege
Die zwei parallelen analogen Signalwege des Labyrinth kommen mit der von Moog gewohnt exzellenten Soundqualität. Im Gegensatz zu Moogs anderen Desktop-Synthesizern sind die Wellenformen der Oszillatoren des Labyrinth allerdings nicht einstellbar. Hier kommt die Vielfalt der erzeugten Sounds dafür durch Frequenzmodulation, Wave-Folding und die Ring-Modulation zustande. Dadurch kann der Labyrinth trotz fehlender Wellenform-Einstellungen eine große Variation an Klängen erzeugen, wodurch nie das Gefühl aufkommt, das hier etwas fehlt.
Der Main-VCO besitz eine reine Sinus-Wellenform, während der Modulations-VCO eine Dreiecks-Wellenform bietet. Diese können aber bereits im Signalweg dank Soft-Clipping mit zusätzlichen Obertönen versehen werden, sobald der Level-Regler auf über 10 Uhr im Uhrzeigersinn gestellt wird. Während der Main VCO ein Pitch-Radius von 20 Hz bis 5 kHz besitzt, kann der Modulations-VCO auch in LFO-Territorien vorstoßen. Beide VCOs besitzen dabei einen sehr guten Klang, lassen sich aber recht schwierig gezielt auf eine spezifische Note einstellen, da der Frequenz-Regler manchmal etwas ungenau sein kann. Zu den beiden Oszillatoren gesellt sich zusätzlich noch ein Noise-Generator mit Tone- und Level-Kontrolle, welcher im normalisierten Zustand Pre-Filter hinzugemischt werden kann.
Dank des geringen Headrooms des Mixers können gerade bei höheren Levels der VCOs schnell sehr interessante Klänge durch Saturation entstehen. Dadurch sind auch ohne weitere Modulation deutlich komplexere Klänge als nur die Sinus- und Dreiecks-Wellenformen der VCOs möglich. Aber auch bei verwendeter Modulation können dadurch teils unerwartet interessante Resultate entstehen.
Die Oszillatoren des Moog Labyrinth bieten dafür Frequenz- und Ringmodulation.
Dank der Through-Zero FM (TZFM) behält der resultierende Klang auch bei starker Modulation die Grundfrequenz des Haupt-VCO bei, wodurch leichter melodische Sequenzen und Klänge erzeugt werden können. Die FM-Stärke kann dabei über einen kleinen Regler eingestellt werden, lässt sich aber leider nicht über die Modulations-Matrix ansteuern. Dafür können die beiden VCOs hierüber mit einander synchronisiert werden, wodurch auch bei melodischen Sequenzen das Verhältnis beider zueinander für einen gleichmäßigen FM-Klang erhalten bleibt.
Neben der Frequenzmodulation ist auch ein Regler für Ringmodulation vorhanden, mit welchem sich vor allem in Kombination mit der Frequenzmodulation in noch experimentellere Soundbereiche vorstoßen lässt. Auch die Stärke der Ringmodulation lässt sich aber leider nicht über die Modulations-Matrix ansteuern.
Anschließend durchläuft die Summe der Klangerzeuger die Wave-Folder und Filter-Sektion. Hier kann auch ohne Neuverkabelung in der Modulations-Matrix die Reihenfolge beider über einen Kippschalter ausgewählt werden. Dabei ist in der Mittelstellung des Kippschalters auch eine Parallel-Schaltung beider möglich. Mit dem Blend-Regler lassen sich anschließend die Wave-Fold- und Filter-Schaltung auch bei nicht Paralleler Schaltung zusammen mischen.
Die Kombination aus saturierten Oszillatoren, FM, Ring-Mod und Wave-Folding lassen den Labyrinth recht metallische und leicht aggressive Sounds erzeugen. Damit lässt sich die Sound-Palette des Labyrinth eher der West-Coast-Klangsynthese zuordnen. Eher untypisch für Moog, da die meisten ihrer Synthesizer eher die Philosophie der East-Coast-Klangsynthese verfolgen. Damit fällt der Labyrinth klanglich zwar etwas aus der Reihe der bisherigen Moog-Desktop-Synthesizer, bietet aber gleichermaßen dadurch auch etwas Neues und sorgt so für Abwechslung.
Der 12 db/oct Filter besitzt eine variable Resonanz, welche aber nicht bis in selbst-oszillierende Bereiche vordringen kann. Für einen flüssigen Übergang zwischen Lowpass- und Bandpass-Filter bietet der Labyrinth zusätzlich einen Filter-Mode-Regler. Der Klang des Filters ist dabei Moog-typisch wirklich hervorragend und bietet gute Möglichkeiten den Sound des Labyrinth abzurunden und zu verfeinern. Auch der Wave-Folder besitzt einen fantastischen Klang und bietet mit einstellbaren Bias noch ein paar zusätzliche Einstellungen zur Klangveränderung.
Der Moog Labyrinth besitzt zwei Envelope-Generatoren. Der erste Envelope-Generator ist dabei auf den Pitch der beiden VCOs, den Wave-Folder und den Filter-Cutoff normalisiert. Über dedizierte Regler kann hier jeweils die Stärke der Envelope-Modulation eingestellt werden. Der zweite Envelope-Generator steuert hingegen den Decay des VCAs. Über die Modulations-Matrix können die beiden EGs aber auch für andere Ziele verwendet werden. Welcher der beiden Sequencer die Envelope-Generatoren triggert lässt sich dabei über den EG-Trigger-Mix-Regler steuern. Gerade bei Stellungen zwischen Sieben und Zwölf oder Zwölf und Fünf Uhr können besonders interessante Rhythmen entstehen, da jeweils die Trigger eines Sequencers bei voller Velocity und der jeweils andere, je nach Regler-Stellung, mit einer verringerten Velocity-Stärke die EGs ansteuern.
Die Modulations-Matrix lädt wie gewohnt zum Experimentieren ein und bietet bis auf wenige Ausnahmen die wichtigsten Patch-Punkte. Der Moog Labyrinth besitzt damit genügend Spielraum um auch ohne weitere modulare Synthesizer interessante neue Signalwege zu erkunden. Aber gerade in Verbindung mit einem Modular-System oder anderen semi-modularen Synthesizern entfaltet die Modulations-Matrix ihr volles Potential. Beim Test des Labyrinths kam es aber durch aus zu Situationen, in denen die Modulations-Matrix nicht die erhofften Patch-Punkte bot. Neben dem Wave-Folder wären vor allem die Frequenz- und Ringmodulations-Stärke oder der zweite Envelope-Generator interessante Ziele zur Steuerung durch externe Modulationsquellen gewesen.
Gerade das Experimentieren mit genau diesen Reglern bot beim Test auch die spannendsten Ergebnisse, weshalb hier die größeren Regler deutlich angenehmer gewesen wären. Dazu zählen vor allem auch die Corrupt- und CV-Range-Regler zur Steuerung der Sequenzen. Natürlich ist der Platz auf dem Gerät begrenzt, aber hier hätten für weniger performanceorientierte Parameter, wie beispielsweise Filter-Mode, auch ein kleiner Regler ausgereicht, um den nötigen Platz zu schaffen. Die Verwendung der Modulations-Matrix fällt je nach Musikstil und Geschmack der Produzierenden aber sehr unterschiedlich aus, weshalb dies durchaus auch nur ein persönliches Empfinden sein kann. Insgesamt lässt sich der Labyrinth aber dennoch angenehm bedienen und bietet auch so jede Menge Spielraum für Experimentierfreudige.
Dank der beiliegenden Schaltungs-Schablonen, bietet der Labyrinth auch von Haus aus ein paar Inspirationsideen, für sinnvolle Patch-Verbindungen und Regler-Stellungen. Mit insgesamt fünf Schablonen für perkussive Rhythmen, polymethrische Sequenzen und vielem mehr werden hier gute und abwechslungsreiche Startpunkte für die Entwicklung eigener Ideen geboten.

Generative Sequencer
Der Moog Labyrinth macht seinem Namen alle Ehre, da sich die Arbeit mit seinen generativen Sequencern manchmal wie ein Labyrinth anfühlen kann. Die generativen Sequencer bieten dabei überraschend wenig Kontrolle über die erstellten Sequenzen, aber genau das macht die Verwendung des Labyrinth so unvorhersehbar und inspirierend. Mit jeweils acht Steps oder Bits, wie sie auf dem Labyrinth genannt werden, lassen sich kurze Sequenzen erstellen, beziehungsweise generieren. Veranschaulicht werden sie dabei durch die beiden 8-Segment-LED-Reihen. Diese zeigen jedoch lediglich die aktiven Bits und die Position der laufenden Sequenz an, die zugehörigen Parameter-Werte der einzelnen Bits werden hingegen nicht signalisiert.
Für die Erstellung einer Sequenz kommt maßgeblich der Corrupt-Regler zum Einsatz, welcher beeinflusst, wie stark sich die aktuelle Sequenz beim Durchlaufen automatisch verändert. Steht der Regler gegen den Uhrzeigersinn auf seiner Nullposition, bleibt die Sequenz unverändert. Steht er hingegen in einer Position zwischen Null und 12 Uhr, beginnen die Werte der aktiven Bits sich langsam zu verändern. Je näher der Corrupt-Regler dabei der 12-Uhr-Position kommt, desto wahrscheinlicher ändert sich der Wert eines Bits beim Durchlaufen der Sequenz. Bei einer Regler Position zwischen 12 Uhr und der maximalen Stellung im Uhrzeigersinn, beginnen zusätzlich auch die aktiven und inaktiven Bits ihre Stellung zu verändern, wodurch vollkommen neue Rhythmen entstehen. Auch hier beeinflusst die Stellung des Reglers weiterhin die Wahrscheinlichkeit der Veränderungen der laufenden Sequenz.
Natürlich bietet der Labyrinth aber trotzdem ein paar Möglichkeiten neben der generativen Sequenzierung, die Sequenzen auch manuell zu beeinflussen. So lässt sich beispielsweise der Startpunkt einer Sequenz verschieben, einzelne Bits können manuell aktiviert und deaktiviert werden und die Länge einer Sequenz kann verändert werden. Zusätzlich kann über die CV-Range beider Sequencer jeweils über einen eigenen Regler eingestellt werden. Über dedizierte Regler lassen sich die beiden Sequenzen anschließend auf den Pitch der beiden Oszillatoren, der Filter-Cutoff-Frequenz, der Wave-Fold-Stärke und den beiden Envelope-Generatoren anwenden. Dank des semimodularen Aufbaus des Labyrinth sind aber natürlich auch endlosviele andere Ziele für die CV- und Trigger-Signale der Sequenzen möglich. So können sie zum Beispiel auch zum Ansteuern anderer modularer Synth-Module verwendet werden.
Damit die generierten Sequenzen nicht nur vollkommen unquantisierte Töne erzeugen, sondern sie sich auch musikalisch zur Tonart passend in einem Projekt nutzen lassen, bietet der Labyrinth die Möglichkeit die erzeugten Sequenzen zu quantisieren. Dafür stehen insgesamt 15 unterschiedliche Scales zur Verfügung, welche sich durch das Gedrückthalten von "Bit-Shift” über die Tasten "Length” und "Bit Flip” durchschalten lassen. Die Reichweite der erzeugten Kontroll-Spannung der Sequencer-Bits kann über die CV-Range angepasst werden. Die Quantisierung dieser findet dabei erst nach der CV-Range-Einstellung statt, wodurch sich beispielsweise die Melodievielfalt sehr praktisch einstellen lässt.
Neben der passenden Tonart ist es aber natürlich auch wichtig, das Tempo mit der DAW oder anderer Hardware synchronisieren zu können.
Für die Synchronisation mit externer Hardware bietet sich die Modular-Matrix an. So können nicht nur Clock-Signale zur Synchronisation empfangen werden, sondern beispielsweise auch der Pitch der Oszillatoren angesteuert oder die CV- und Trigger-Signale der Sequencer an andere Geräte gesendet werden. Um die Sequencer des Moog Labyrinth mit dem DAW-Projekt zu synchronisieren oder mit einem MIDI-Keyboard anzusteuern, sind sowohl eine 3,5 mm TRS-MIDI-Klinke, als auch dedizierte Ein- und Ausgänge in der Modular-Matrix vorhanden. Ist ein MIDI-Keyboard über den MIDI-Anschluss angeschlossen, lässt sich der Labyrinth nicht nur wie ein herkömmlicher Synth spielen, es können darüber auch laufende Sequenzen transponiert werden, wodurch er wirklich viel kreativen Freiraum bietet.
Dank der generativen Natur der Sequencer sind sie nicht nur eine endlose Quelle für Inspiration und Ideen während der Produktion, sondern können auch für analoge Live-Performances sehr interessant sein. Der Labyrinth bietet auch die Möglichkeit durch langes Drücken des Buffer-Buttons eine Sequenz per "Save & Recall” zwischen zu speichern. Das kann natürlich gerade bei einer Live-Performance ein hilfreiches Tool sein, da sich eine vorhandene Sequenz durch den Corrupt-Regler vollkommen verändern lässt und anschließend einfach durch das Drücken des Buffer-Buttons der vorherige Stand wiederhergestellt werden kann. So kann trotz der Unvorhersehbarkeit des Labyrinth stets ein grundlegender Charakter einer Sequenz erhalten bleiben.

Alternativen
Fazit
Der Moog Labyrinth ist mit seinen dualen Signalwegen und den zwei generativen Sequencern ein wirklich gelungener und interessanter Synthesizer. Die analogen Klangelemente haben den von Moog gewohnt hochwertigen Sound und bieten dank des semi-modularen Aufbaus viele Möglichkeiten zum Experimentieren, egal ob stand-alone oder in Kombination mit anderen modularen Geräten. Moog hat mit dem Labyrinth wirklich einen einzigartigen Synthesizer ohne vergleichbarer Konkurrenz-Produkte geschaffen, wodurch ein direkter Vergleich zu anderen Geräten schwer möglich ist. Gerade durch diese recht spezielle Funktionsweise bietet der Labyrinth aber auch nur spezielle Anwendungsmöglichkeiten. Dank der umfangreichen Modulations-Matrix lässt er sich zwar sehr gut in ein Live-Setup integrieren, jedoch fällt die Wahl der Regler-Größen manchmal etwas fragwürdig aus, wodurch eine Live-Performance mit dem Labyrinth teils sehr mühselig ausfallen kann. Auch die Sound-Palette kommt mit recht metallischen und aggressiven West-Coast-Klängen eher untypisch für Moog daher, sorgt aber gerade dadurch für frischen Wind in der Desktop-Synthesizer-Reihe. Wie auch die anderen Synthesizer der Moog-Desktop-Reihe, kommt auch der Labyrinth mit einem stolzen Preis von 699 Euro daher. Der Labyrinth bietet damit insgesamt ein sehr spezielles Synth-Erlebnis, aber wer einen hochwertigen Analog-Synthesizer, der dank generativer Sequenzen zum Experimentieren einlädt, sucht, ist hier genau richtig.
Pro
Hochwertige Soundqualität
Sehr gut Verarbeitet
Einzigartiger Workflow dank generativer Sequencer
Ideal zur Kombination mit modularer Hardware
Kontra
Die Größenverteilung der Regler teils fragwürdig
Nur für spezielle Einsatzmöglichkeiten geeignet
Kein Din-5-MIDI-Anschluss bzw. kein beiliegender Adapter
Preis:
609.-€
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Moog.