Nach Club-Debakel in Leipzig: Schwere Vorwürfe gegen Betreiber des Axxon N. 
Foto: Rio65trio, CC BY-SA 4.0

Nach Club-Debakel in Leipzig: Schwere Vorwürfe gegen Betreiber des Axxon N. 

News. 6. Mai 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Der Techno-Club Axxon N. in Leipzig scheiterte nach nur einem Jahr. Jetzt werden gravierende Vorwürfe gegen den Betreiber laut: mangelhafter Brandschutz, ausstehende Gagen, ein umstrittenes NDA und eine Gleitgelfontäne, die massive Sicherheitsbedenken auslöste.

Die Übernahme des ehemaligen Instituts für Zukunft (IfZ) galt als Chance für einen Neustart in der Leipziger Clublandschaft. Doch schon im November 2025 meldete das Axxon N. Insolvenz an. Ende Januar 2026 fiel nach zwei Abschluss-Raves endgültig der Vorhang.

Nun kommen Details ans Licht, die das kurze Leben des Clubs in einem anderen Licht erscheinen lassen. In einem Bericht des Musikmagazins GROOVE schildert eine ehemalige Mitarbeiterin schwere strukturelle Mängel. Die Vorwürfe: ein fehlendes Sicherheitskonzept, eine mangelhafte Lichtinstallation, die nie ordnungsgemäß abgenommen wurde, sowie nicht bezahlte Gagen und ausstehende Überstunden, die schließlich in der Insolvenzmasse verschwanden.

Außerdem habe das Axxon N. viele Mitarbeitende vor Betriebsbeginn ein sogenanntes NDA (eine Vertraulichkeitsvereinbarung, Anm. d. Red.) unterzeichnen lassen. Bei Verstoß habe eine Strafe von 5.000 Euro gedroht. Dass eine solche Vereinbarung in der Clubkultur gänzlich unüblich ist, bestätigten mehrere unabhängige Quellen. Der ehemalige Geschäftsführer des Axxon N., Lucas Pulkert, verteidigte die Praxis als notwendigen Schutz der Privatsphäre von Gästen und Künstler:innen.

Tatort Darkroom

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Die ehemalige Mitarbeiterin beschuldigt den Betreiber auch, zahlreiche Sicherheitsbedenken missachtet zu haben. So sei im Darkroom unter anderem eine Gleitgelfontäne gestanden. Deren offene Bauweise hätte es theoretisch ermöglicht, das Gleitmittel unbemerkt mit Substanzen zu versetzen. Damit wäre eine größere Anzahl an Menschen bedroht gewesen. Dieses Risiko sei der Clubleitung kommuniziert worden, eine Reaktion blieb aus.

Darüber hinaus habe ein grundlegendes Bewusstsein dafür gefehlt, was der Betrieb eines Darkrooms rechtlich und ethisch bedeutet. Dass der Raum alle dreißig Minuten gereinigt werden muss, dass er im Fall einer Vergewaltigung als Tatort zu behandeln ist und dass speziell geschulte Awareness-Personen dauerhaft präsent sein müssen. All das sei zu Beginn nicht selbstverständlich gewesen. 

Geschäftsführer Lucas Pulkert betont dagegen, dass der Darkroom erst nach einem mehrmonatigen Entwicklungsprozess unter Einbeziehung aller Arbeitsbereiche geöffnet wurde und bei Veranstaltungen mit offenem Playroom stets spezialisierte Awareness-Kräfte des Vereins Queer Mama vor Ort waren.

Hat der Betreiber strukturell versagt?

Allerdings dürfte die Darkroom-Problematik nur Symptom eines größeren Problems gewesen sein. Das Axxon N. verstand sich dem eigenen Anspruch nach als queerer Safe-Space. Ein Versprechen, das mit dem Betrieb eines Darkrooms eine besondere Verantwortung für Awareness, Prävention und das Wohlbefinden vulnerabler Gruppen verbindet. Ob dieser Anspruch und die tatsächliche Umsetzung zusammenpassten, darüber gehen die Aussagen der Beteiligten weit auseinander.

Pulkert, der einen Hintergrund als Start-up-Unternehmer mitbringt, räumt zwar eigene Fehler ein, bestreitet aber zentrale Vorwürfe. Die Insolvenz bezeichnet er als "schmerzhaft" und betont, er habe nie "vorsätzlich" gehandelt. Das Bild, das mehrere ehemalige Mitarbeiter:innen zeichnen, fällt aber klar aus: strukturelles Versagen, mangelnde Kommunikation mit dem Personal und eine Betreiberebene, die nicht bereit war, auf das vorhandene Fachwissen zu hören.

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