Die Kölner Bauaufsicht kippt eine jahrelang bewährte Genehmigungspraxis und zwingt die Südbrücke damit zur kompletten Absage ihres Sommerprogramms.
Köln hat gerade eine seiner wichtigsten Kulturflächen verloren – vorerst zumindest. Die Südbrücke, größte nicht-städtische Open-Air-Location der Stadt direkt am Rhein, darf derzeit keine einzige Veranstaltung mehr durchführen. Der Grund liegt nicht bei den Betreiber:innen. Die Stadtverwaltung hat ihre eigene Rechtsauslegung binnen weniger Wochen um 180 Grad gedreht.
Der Hintergrund: Ein Ministerialerlass aus dem Jahr 2024 erlaubt es Veranstaltungsflächen, bis zu 25 Events pro Jahr mit unter 5.000 Besucherinnen ohne aufwendige Einzelgenehmigung durchzuführen. Diese Regelung nutzte auch die Südbrücke, wie zahlreiche andere Locations in Köln und Nordrhein-Westfalen.
Vor acht Wochen erklärte die Bauaufsicht diese Praxis nach des Kölner Interessenverbunds Klubkomm jedoch ausschließlich für die Südbrücke für unwirksam. Per Ordnungsverfügung sind nun alle anstehenden Termine untersagt. Andere Antragsteller:innen mit vergleichbaren Konzepten scheinen von der neuen Auslegung nicht betroffen zu sein.
Kultur gegen Kapital
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Das eigentliche Verfahren um eine dauerhafte Genehmigung an der Südbrücke ziehe sich bereits seit fünf Jahren hin, so die Klubkomm Köln. Seither gebe es wechselnde Einwände der Bauaufsicht, die Zeit und Geld der Geschäftsführung um Thomas Füllengraben, Benjamin Schneider und Boris Witschke gebunden haben. Das Trio verantwortet über die Südbrücke hinaus auch das Kölner Kulturprojekt "Events in Poll". Eine angekündigte beschleunigte Bearbeitung blieb trotz vollständiger Unterlagen bislang aber aus.
Die Klubkomm fordert nun eine klare politische Positionierung und die Rücknahme der Ordnungsverfügung samt Erteilung der Dauergenehmigung. Außerdem plädiere man auf eine einheitliche Anwendung des Erlasses auf alle Veranstalter:innen sowie einen kooperativeren Umgang der Behörde mit Antragstellenden.
Übrigens: Die Fläche der Südbrücke ist auch Teil der Neugestaltungspläne für den Deutzer Hafen. "Investoren sehen nicht gerne, wenn es neben luxuriösen Wohnungen eine Kultureinrichtung gibt", schreibt ein User unter das Statement des Klubkomm-Beitrags. Die Verwaltung stelle sich lieber gegen die Kultur als gegen das Kapital, heißt es weiter. "Ein absolut beschämendes Verhalten", sehen auch andere Nutzer:innen in dem Vorgehen.
Foto: Maximilian Schönherr, CC BY-SA 4.0
