Wenn es um Finger Drumming geht, muss es nicht gleich eine vollwertige AKAI MPC sein. Heutzutage gibt es jede Menge Pad-Controller, die sich auf die Essenz der expressiven Perfomance-Technik rund um das klassische 4x4 Pad-Grid konzentrieren. Zu den wichtigsten Kriterien zählen Größe und Layout der Pads, möglichst geringe Latenz, Ansprechverhalten bei variierender Dynamik sowie Verarbeitung und Haptik. Wir zeigen die besten fünf Pad Controller für Finger Drumming im folgenden Überblick.
Quick Facts
- Performance-taugliche Alternative zu Step Sequencing
- kann auf praktisch jede Musikrichtung angewendet werden
- nicht nur für Drum Sounds
- Extras wie Note Repeat und Layering erweitern die Möglichkeiten
- Von USB-MIDI bis Standalone ist für jedes Setup was dabei
Maschine Mikro MK3
Wie der Name schon sagt, ist Maschine Mikro eine kleinere Version von Native Instruments’ Flaggschiff-Controller Maschine und kostet nur 225 Euro. Die Mikro Variante ist mit einem deutlich kleineren Screen ausgestattet, verzichtet auf ein paar physische Bedienelemente – zB die acht Makro Regler – und kommt ohne integriertes Audio Interface. Was bleibt, sind die 16 großen Pads, die mit Velocity-Empfindlichkeit, Aftertouch und farbiger, frei zuweisbarer Hintergrundbeleuchtung jede Menge Utility versprechen.
Auch wenn die Debatte relativ knapp und generell subjektiv ausfällt, gelten die Maschine-Pads als absolute Oberklasse, wenn es um Finger Drumming geht. Das liegt nicht nur an deren Layout und Größe, die eine gute Haltung ermöglichen und genügend Platz für beidhändige Rolls bieten, sondern auch an ihrer tighten Ansprache selbst bei niedrigsten Dynamikstufen. Selbst die ikonischen MPC-Pads landen im Vergleich nur auf Platz zwei. Als Performance-Bonus gibt es bei Maschine Mikro noch einen Dual-Touch-Smart-Strip für Pitchbends und Modulation.
Wegen der fehlenden Drehregler und dem verhältnismäßig kleinen OLED-Display, muss beim Arbeiten mit Maschine Mikro MK3 immer wieder der Computer bemüht werden. Wer darauf keine Lust hat, könnte zB. in die große Maschine MK3 investieren, die Sample-Editing und Co. direkt am Controller ermöglicht. Wer jedoch in erster Linie an einem Pad-Controller für Noteneingabe und/oder Performance interessiert ist, sollte auch mit der kleinen Maschine glücklich werden.
AKAI Professional MPD 218

Dicht gefolgt auf Platz zwei ist MPD 218 von AKAI Professional. Für gerade mal 82,20 Euro bietet der portable Pad Controller 16 große, anschlagdynamische und druckempfindliche MPC Pads und sechs zuweisbare Endlos-Encoder. Das coole ist, dass die Pads und Knobs mit jeweils drei Bänken erstaunlich viele Parameter steuern und Sounds abfeuern können. Der Nachteil: Das erforderliche Mapping über AKAIs MIDI-Editor kostet natürlich etwas Zeit.
Die 16 Pads der MPD sind zwar nicht ganz so empfindlich, wie bei NI Maschine, bieten via besagter Editor Software aber jede Menge Adjustability. Wer nach Plug and Play sucht, sollte bei der MPD 218 vorsichtig sein, weil die Pads out of the box zu unerwünschten Double-Triggers und inkonsistenter Empfindlichkeit neigen. Einmal richtig eingestellt schwören viele Nutzende auf das MPC-Feel, das sich durch härtere Pads und die raue Gummierung auszeichnet.
Je nach Anwendungsbereich sind die sechs Encoder der MPD ein Riesenvorteil zur Maschine Mikro und machen die minimal schlechtere Pad-Ansprache wieder wett. Des Weiteren fehlen Aftertouch und Touchstrip, Note Repeat und Full Level sind als Performance Tools aber dabei. Wer auf diese Features und auch die Maschine Software mit diversen Goodies á la Samplepacks oder Komplete Select Library verzichten kann und kein Problem mit dem notwendigen MIDI-Mapping hat, spart mit MPD 218 bares Geld.
Yamaha FGDP
Die FGDP-Serie von Yamaha stellt die wohl der ungewöhnlichsten Vertreter dieser Liste. Sie besteht aus den Percussion Pads FGDP-30 und FGDP-50 und besticht mit extrem feinfühligen Pads in optimierter Anordnung. Im Vergleich zur klassischen 4x4 Matrix erinnern die Pads der Yamahas fast an ein Computer Keyboard mit unterschiedlich großen Tastern. Die extra breiten Pads eignen sich beispielsweise für Kicks und Snares, weil sie für beide Hände gleich gut erreichbar sind, ohne die Handhaltung ändern zu müssen.
Für Utility sind die FGDPs mit integriertem Akku sowie eigenem Lautsprecher ausgestattet und funktionieren nicht nur als reine MIDI-Controller, sondern auch standalone. Dazu bietet die kleine Version FGDP-30 39 Preset Kits und insgesamt 1212 Sounds, bei der großen FGDP-50 sind es 48 Kits und 1500 Sounds. Kits lassen sich bei beiden Geräten frei zusammenstellen, allerdings verfügt nur die 50er über Sample Import. FGDP-50 hat außerdem mehr Pads, einen kleinen LED-Screen und bietet ein paar Sampling-Funktionen.
Für 279 bzw. 137 Euro sind die Percussion Pads von Yamaha zwar nicht gerade günstig, in Puncto Plug and Play jedoch kaum zu übertreffen. Wer spontan außerhalb des Studios finger drummen will, freut sich, dass das mit den FGDPs ganz ohne Rechner geht. Das innovative Design der 18 anschlagdynamischen Pads (die übrigens Aftertouch können) ist allerdings Fluch und Segen zugleich: Einerseits versprechen sie ergonomisches Handling, andererseits lösen sie sich von der klassischen Pad-Struktur, die mittlerweile Jahrzehnte von Kultur und Spieltechnik geprägt hat.
Novation Launchpad Pro MK3
Auch wenn sich Finger Drumming um das ikonische 4x4 Pad Grid klassischer MPCs entwickelt hat, dürfen es je nach Anwendungsbereich auch mal mehr Pads sein. Hier kommt Novation Launchpad Pro Mk3 ins Spiel, das mit stolzen 64 RGB-Pads und zahlreichen Funktionstastern die meisten physischen Bedienelemente dieser Auflistung bietet. Ursprünglich als Performance Controller für Ableton Lives Clip View gedacht, lässt sich mit dem Pad Controller aber auch jenseits der Berliner DAW eine Menge anstellen.
Mit Novations Components Tool können eigene MIDI-Mappings definiert werden, die mit beliebigen DAWs und MIDI-fähiger Software funktionieren. Beispielsweise erlauben die Split- und Multi Modes des Launchpad, die 64 Pads beliebig auf Keys und Drums zu mappen und diese parallel zu spielen. Ein weiterer Pluspunkt des tastenreichen Pad Controllers ist der fünfpolige MIDI-Ausgang für externes Gear, während die anderen Controller auf USB-Kompatibilität angewiesen sind.
Auch wenn die Pads von Novation mit Velocity-Empfindlichkeit, polyphonem Aftertouch und oben erwähnter Utility punkten, sind sie bei klarem Fokus auf Finger Drumming den Geräten von Native Instruments oder AKAI unterlegen. Zum einen bietet die geringe Größe der 64 Pads weniger Komfort, aber auch die Genauigkeit bei softeren Hits kann nicht ganz mit Maschine und Co. mithalten. Mit 275 Euro ist Launchpad Pro MK3 teurer als Maschine Mikro, bleibt aber die klare Empfehlung für alle, die nicht nur Finger Drumming und/oder einfach mehr Pads wollen.
Standalone: Maschine+, AKAI MPC Live 3 und Co.
Wenn ihr lieber Standalone arbeiten wollt, als auf einen Rechner inklusive DAW angewiesen zu sein, war Maschine+ von Native Instruments bisweilen der Top Pick. Das liegt an den eingangs erwähnten Pads, die wie bei Maschine Mikro MK3 mit bestem Ansprechverhalten brillieren, aber auch der üppigen Ausstattung in Sachen Features und Utility: Maschine 3 Software mit 7,7 GB Central Library Content, Maschine Selection bestehend aus 18 Synth- und Sample-Instrumenten sowie 37 Effekten und acht weiteren Expansions eurer Wahl.
Für 999 Euro ist Maschine mit eingebautem 24-bit/44.1 kHz Interface, Quad-Core CPU, 4 GB Ram und 32 GB Speicher kaum zu übertreffen – bis jetzt! AKAI Professional kämpft sich mit dem Release von MPC Live 3 zurück an die Spitze und bietet mehr Rechenleistung (8-Core CPU und 8 GB Ram), mehr Speicher (128 GB) und mehr I/O. Die neuen MPCe Pads können nicht nur Velocity und Aftertouch, sondern auch Bewegungen innerhalb des Pads erfassen. Damit lassen sich diverse Sound-Parameter modulieren, aber auch Sample Layers Morphen.
Die neuen Features und Verbesserungen von AKAIs MPC Live 3 spiegeln sich logischerweise auch im Preis wider und kosten stolze 1599 Euro. Dafür gibt es aber ein unfassbar flexibles Instrument, das in puncto Modernität und Ausstattung höchstens mit Abletons Push 3 konkurriert. Genau wie beim Launchpad ist die Frage, ob es mehr Pads auf Kosten der Spielbarkeit sein sollen oder der klassische 4x4 Pad-Aufbau erwünscht ist.
Alternativen
Fazit und Honorable Mentions
Auch wenn der Markt für Pad Controller, die sich besonders gut für Finger Drumming eignen, stark von Native Instruments und AKAI geprägt ist, gibt es ein paar Alternativen mit ähnlicher Ausstattung. Beispielsweise ESI Xjam – ein reiner Controller mit 4x4 Pad-Matrix und sechs Encodern – praktisch ein MPD 218 Klon. Xjam punktet mit solidem Metallgehäuse und 3,5 mm MIDI-Ausgang. Presonus Atom ist ebenfalls ähnlich zu MPD 218: Weniger Encoder, aber mehr Preset Bänke und bessere Aftertouch-Integration.
Nektar Aruba ist quasi Maschine Mikro mit acht Endlos-Encodern, größerem Display und fünfpol-DIN MIDI-Ausgang. Außerdem kann Aruba dank integriertem Sequenzer auch Standalone genutzt werden, während Maschine Mikro grundsätzlich auf einen Computer angewiesen ist. Wenn es Boutique sein soll und Velocity oder Aftertouch egal sind, sei noch DJ Tech Tools Midi Fighter Spectra erwähnt. Dieser erstaunlich kleine Controller ist aufs Wesentliche reduziert: 4x4 Sanwa Arcade Buttons mit besonderem Spielgefühl und konfigurierbarer Hintergrundbeleuchtung sowie sechs Shift-Buttons an der Seite.