Mit dem Bunker kämpft ein Rostocker Kultclub ums Überleben. Der Grund: bezogene Corona-Hilfen. Doch das Geld, das die Betreiber:innen zurückzahlen sollen, haben sie nie für sich behalten. Die Geschichte des Bunker Rostock dürfte symptomatisch für ein strukturelles Versagen der deutschen Corona-Förderpolitik sein, das nun Jahre später seinen vollen Schaden entfaltet.
Der Bunker auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft in Rostock gehört seit seiner Wiedereröffnung 2008 durch Geschäftsführer Mark Jenderny zu den prägenden Subkulturorten der Stadt. Bis zu 200 Menschen feiern hier regelmäßig zu Techno, Rock und Indie. Dazu kommen Pub-Quiz, Kinoabende, Poetry Slams und Cocktailkurse. Der Eintritt liegt zwischen niederschwelligen fünf und zwölf Euro.
Nun droht genau dieser Ort zu verschwinden, denn: Der Bunker erhielt während der Pandemie über das Bundesprogramm "Neustart Kultur" Gelder durch die Initiative Musik. Eine Förderung, die explizit für Künstler:innengagen gedacht war. Das Geld wurde, laut Angaben des Clubs, auch zu hundert Prozent an auftretende Künstler:innen weitergeleitet. Doch Jahre nach der Pandemie werden diese Zuwendungen dem Bunker nachträglich als eigene Einnahmen angerechnet. Die Konsequenz: Rückzahlung von knapp 30.000 Euro bis zum 10. Juni 2026 oder Insolvenz.

Solidarität mit Schlagkraft
Das vergangene Wochenende zeigte, wie viel dieser Ort der Rostocker Szene bedeutet. Zwei "Rettet den Bunker"-Partys bespielten alle drei Floors des Clubs. Fünf Live-Bands, 25 DJs und über ein Dutzend Ehrenamtliche zogen Hunderte Besucher:innen an. Rund ein Drittel der benötigten Summe, etwa 10.000 Euro, kam an den beiden Abenden zusammen. Parallel hat eine GoFundMe-Kampagne inzwischen mehr als 16.000 Euro eingebracht. "Wir sind positiv, dass wir es schaffen können", sagt Betreiber Mark Jenderny.
Der Fall Bunker Rostock zeigt allerdings ein Problem mit den damaligen Corona-Hilfen auf. Das "Neustart Kultur"-Programm schüttete laut Initiative Musik knapp 219,5 Millionen Euro an über 2.800 Projekte aus. Viel davon war überlebenswichtig. Aber die Förderrichtlinien waren, wie der Berufsverband Bildender Künstler Berlin (bbk berlin) im Sommer 2025 festhielt, von Beginn an "mit heißer Nadel gestrickt". Nun gehen Behörden wie die Investitionsbank Berlin massenhaft Förderempfänger:innen nach und fordern Rückzahlungen, die viele in existenzielle Not treiben.
Schlagkraft durch Subkultur
Besonders hart trifft das die Subkultur. Kleine Clubs arbeiten mit minimalen Margen, ohne Rücklagen, ohne institutionelle Absicherung, wie zuletzt auch die Insolvenz der Berliner Konzertkasse KOKA36 zeigte. Sie haben die Pandemie oft nur überlebt, weil Ehrenamtliche und günstige Mieten das Gerüst hielten. Wenn der Staat jetzt Gelder zurückfordert, die ein Club korrekt und zweckgebunden weitergereicht hat, trifft er genau jene Orte, die ohnehin am dünnsten aufgestellt sind.
Die LiveMusikKommission (LiveKomm), der Bundesverband der Musikspielstätten, warnt seit Monaten vor einer existenzbedrohlichen Lage in der Clublandschaft. Der Haushalt 2026 brachte zwar eine Aufstockung für Festivals, ließ Clubs aber weitgehend außen vor. Der strukturelle Kostendruck durch gestiegene Energie- und Personalkosten und schwindende Besucher:innenzahlen nach Corona trifft viele Clubs gleichzeitig mit den Nachwehen der Förderbürokratie.