Ableton Live kommt mit einer Vielzahl an Effekt-Plugins, häufig sogar mehreren Variationen desselben Typs. Beispielsweise sind in Ableton Live 12 Suite fünf verschiedene Delay Plugins enthalten. Wir schauen uns die unterschiedlichen Delay-Effekt genauer an und finden heraus, welches Plugin je nach Anwendungsbereich am besten geeignet ist.

1. Delay
Hierbei handelt es sich um ein Digital-Delay mit zwei unabhängigen Delay Heads, Bandpassfilter im Feedbackloop sowie Stereo- und Modulationsoptionen. Die Delay Time reicht von einer Millisekunde bis zu fünf Sekunden, bei maximalem Feedback von 95%. Selbst bei Höchst-Setting gibt es keine Selbstoszillation der Delay-Wiederholungen, dafür lässt sich die Delay-Fahne "einfrieren”.
- Time (Unsynced): 1 ms bis 5 s
- Time (Synced): 1/16 bis 1 Takt
- Feedback: maximal 95% (keine Selbstoszillation!), dafür mit Freeze
- Stereo (Standard) oder Ping Pong
- Filter: Bandpassfilter mit variabler Width
- Modulation: Sine Wave von 0,01 bis 40 Hz, kein Sync
- Repitch, Fade und Jump Modi für Klangverhalten bei Delay-Time-Wechsel
Als Digital Delay ist das Plugin ziemlich charakterlos, auch wenn sich mittels Filter und Time-Mod ein dezent analoger Vibe erzeugen lässt. Hier müsst ihr aber darauf achten, dass "Repitch” im Mode-Bereich aktiv ist. Wenn ihr "Jump” auswählt, lassen sich kleine Glitches erzeugen. Pros: Alle gängigen Features mit übersichtlichem UI. Cons: Filter, Modulation und Co. sind nicht ganz so detailgenau einstellbar.
2. Echo
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Wir bleiben bei kreativen Plugin-Namen und machen mit Echo weiter. Echo ist eine Emulation von Vintage Tape Delays im Stil von Rolands Space Echo und hat im Vergleich zu "Delay” deutlich mehr Tiefe. Der Grundaufbau ist ähnlich: Zwei Delay Heads für Stereoansprache, Filter im Loop und Modulation. Es kommen aber noch ein rudimentärer Reverb, Input/Output Gain sowie die Character Page hinzu.
- Time (Unsynced): 1 ms bis 2.5 s
- Time (Synced): 1/64 bis 1 Takt
- Feedback: maximal 150 % (Selbstoszillation!), kein Freeze
- Stereo, Ping Pong, Mid/Side
- Filter: Unabhängige Lowpass- und Highpassfilter mir eigner Resonanz
- Modulation: Verschiedene LFO-Waves mit Tempo Sync, Phase und Envelope
- Character: diverse Noise und Wobble Sounds, jeweils mit Amount-Regler
- Utility: Ducking und Gate mit Input/Output Gain
- Reverb: Regler für Mix, Decay und Platzierng im Signalweg (Pre, Post, Feedbk)
Noise und Wobble helfen bei der authentischen Nachbildung alter Bandmaschinen, während Gate und Ducking für Utility sorgen. Ganz originalgetreu ist der eingebaute Reverb auch bei Abletons Plugin-Version eher mau. Sobald ich anspruchsvollere Delay-Sounds brauche, ist Echo aber mein Go-To. Pros: Detaillierte Justierbarkeit von Filter und Modulation. Vielseitiger Charakter via Noise und Wobble. Cons: komplexere Handhabung.
3. Filter Delay
Das Filter Delay ist der letzte Entry, der sich um relativ konventionelle Echo-Sounds kümmert. Konträr zum Namen steht hier weniger die Filterung im Vordergrund, sondern die Tatsache, dass wir drei Delay Heads zur Verfügung haben. Diese lassen sich unabhängig gemäß Time, Feedback, Volume, Pan und eben Filter justieren. Letzteres ist identisch zum Bandpassfilter des Delay Plugins und kennt die Parameter Filterfrequenz und Bandbreite.
- 3 unabhängige Delay Heads mit jeweils eigenem Filter und Panning
- Time (Unsynced): 1 bis 999 ms
- Time (Synced): 1/16 bis 1 Takt
- Feedback: maximal 100% (keine Selbstoszillation, aber unendlich)
- Filter: Bandpassfilter mit variabler Width
- Keine Modulation
Mit maximal 999 ms Delaytime (unsynced) liefert Filter Delay verhältnismäßig kurze Wiederholungen. Via Tempo Sync geht der Maximalabstand wieder bis zu einem Takt, was bereits bei 240 bpm 1000 ms entspricht. Auch wenn Filter Delay coole Rhythmen erzeugen kann, bin ich kein Fan! Pros: Drei Delays in einem mit übersichtlichem UI. Cons: Keine Modulation, keine Feedback-Oszillation, Delay Heads nur parallel.
4. Grain Delay
Bei Grain Delay wird es experimentell. Während die Basics aus Time, Feedback und Dry/Wet von den bisherigen Entries bekannt sind, kommen Spray, Frequency und Shift sowie eine X/Y-Matrix hinzu. Alle Parameter lassen sich beliebig auf die beiden Achsen legen und dann durch Verschieben des gelben Kreises modulieren. Wer das nicht per Hand machen will, muss auf Automationen oder externe LFOs zurückgreifen.
- Time (Unsynced): 40 bis 128 ms
- Time (Synced): 1/16 bis 1 Takt
- Feedback: maximal 95% (keine Selbstoszillation!)
- Pitch-Shift von -36 bis +12 Halbtönen
- Random Pitch Modulation mit fixer Rate und Wellenform
- Größe/Dauer der Grains: 1 bis 150 Hz
- Zufällige Delay-Schwankung/ Spray: 0 bis 500 ms
- X/Y Matrix für experimentelle Bearbeitung und Modulation
Spray und Feedback steuern die Grains von 1:1 Abbildung des Dry-Signals zu Lofi-Chaos. Pitch verändert die Tonhöhe von -3 bis +1 Oktaven. Pros: Spannende Texturen, von körnig bis schimmernd und inspirierende Matrix. Cons: Keine Stereo- und Filter-Optionen; schwer zu zähmende Grain Parameter.
5. Spectral Time
Spectral Time ist unser letztes Delay Plugin und meiner Meinung nach der komplizierteste Entry dieser Liste. Spectral Time kombiniert Delay- mit Freeze-Optionen, was ähnlich wie Grain Delay für wildeste Sounds sorgen kann. Statt X/Y Modulation gibt es ein Spektrogramm sowie coole Zusatzfunktionen. Zum Beispiel die Tilt, Spray und Mask Parameter, die den Delay-Anteil frequenzabhängig modulieren.
- Time (Unsynced): 10 ms bis 3 s
- Time (Synced): 1/64 bis 8 Takte
- Feedback: maximal 100 % (Selbstoszillation!)
- Stereo 0 - 100%
- Tilt, Spray und Mask für frequenzabhängige Delays
- Shift +/- 400 Hz für körnige Tonhöhenveränderung des Delay-Signals
- Freezer mit Retrig über Envelope (Attack/Decay) oder LFO (20 ms bis 10 s)
- Flexibles Routing von Delay- und Freeze-Anteil
- Verschiedene Resolutions von Lofi bis HD
- Kein Filter oder eingebaute Modulation
Dadurch lassen sich spannende Filtersweeps und metallische Sounds erzeugen. Das Coole beim Freeze ist, dass er sich via Envelope Follower und Sync-Time automatisch triggern lässt. Was Spectral Time so kompliziert macht, ist, dass sich viele Parameter gegenseitig beeinflussen, weshalb nicht immer klar ist, welcher Regler, was macht. Pros: Tiefgreifendes Sounddesign mit vielen interaktiven Parametern. Cons: Siehe Pros.
Fazit
Das "normale” Delay Plugin reicht für viele Anwendungsbereiche aus und punktet mit Ease of Use. Alles, was in die virtuell-analoge Richtung geht, würde ich mit Echo machen, während Spectral Time und Grain Delay mehr für Experimente, als traditionelle Delay Sounds geeignet sind. Filter Delay sehe ich eher weniger in meinen Projekten, weil der mir zu wenig Tiefe bringt – da baue ich mir lieber eigene Multitaps und bin flexibler!
