Der UK-Producer Fred again.. hat einen Aufruf gegen KI in der Musik geteilt. Ein Verbotsaufruf ist es nicht. Dafür verschiebt sie die Frage, worüber bei KI-Musik eigentlich gestritten wird.
Fred again.. hat einen Text veröffentlicht, den er nach eigener Aussage vor gut einem Jahr geschrieben und jetzt in der Notes-App seines Handys wiedergefunden hat. Der mit zwei Grammys ausgezeichnete Producer stellte ihn in Instagram-Stories und auf X, wo der Post binnen weniger Tage rund 87.000 Aufrufe sammelte. Sein Fazit: Er hat keinerlei Interesse an KI-Musik. Er fühle das heute sogar stärker als beim Schreiben.
"Das Gegenteil von KI-Musik ist vielleicht nicht menschliche Musik, sondern das Musikmachen", schreibt Fred again.. Vielmehr sei der Prozess des Produzierens die Magie. Deshalb habe er auch nie den Drang verspürt, KI-Werkzeuge auszuprobieren. Ein großer Teil seiner Identität hänge am Machen. Er beschreibt es als "Meditation" und "täglichen Kompass". Diesen Teil an eine Maschine abzugeben, würde dem widersprechen, was er an der Sache liebt. Wichtig ist ihm das unbeholfene Herumtasten auf eine Idee zu, über Stunden und Jahre, um etwas zu bauen, das es noch nicht gibt.
Haltung statt Forderung
Fred again.. verliert in seinem Posting kein Wort zu KI-Firmen wie Suno oder zur Regulierung bei Streamingdiensten. Das unterscheidet den Text von dem, was die Branche seit Monaten beschäftigt. Spotify testet seit April 2026 sogenannte AI Credits, die auf freiwilligen Angaben von Distributoren beruhen und zuerst über DistroKid laufen. Apple Music führte im März Transparency Tags ein. Deezer setzt auf einen eigenen Detektor und meldete für Juni knapp 90.000 vollständig KI-generierte Uploads pro Tag, an Spitzentagen mehr als die Hälfte aller Neuzugänge.
Ein Credit soll verraten, ob eine Maschine mitgespielt hat. Ob jemand Jahre mit einem Track gerungen hat, steht da nicht. Genau dort setzt Fred an. Er macht die Notiz zum Gegenentwurf zu David Guetta, der 2023 sagte, die Zukunft der Musik liege in KI als "Werkzeug". Er verglich sie mit der TB-303 und der 909 und ließ einen KI-Eminem live über die Tanzfläche rappen. Fred again.. bestreitet den Werkzeugcharakter nicht. Er setzt sich aber für den "menschlichen Prozess" ein, wie er schreibt.
Nein sagen können
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Zur Einordnung gehört allerdings das Standing von Fred again..: Wer gerade zum GTA-VI-Soundtrack beiträgt (gemeinsam mit PinkPantheress, Etienne de Crécy sowie CA7RIEL & Paco Amoroso) und zwei Grammys im Regal hat, kann "den Prozess" leichter heiligen als jemand, der um Streams und Miete kämpft. Skrillex und Thomas Bangalter äußerten sich zuletzt ähnlich skeptisch, ebenfalls aus komfortabler Position.
Rechtlich kommt die Debatte unterdessen voran. Das Landgericht München gab der GEMA am 31. Juli 2026 im Verfahren gegen Suno in weiten Teilen recht. Das Urteil ist erstinstanzlich und nicht rechtskräftig. International setzen Major-Labels hingegen zuletzt stärker auf Lizenzierungsdeals mit KI-Firmen wie Suno.
